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AIRBNB: Wenn Mieter zu Vermietern werden

Wohnung vermieten und einfaches Geld verdienen: Die Angebote auf der Onlineplattform nehmen in Luzern rasant zu. Allerdings nicht zur Freude von allen.
Gabriela Jordan
Das Vermieten von privaten Wohnungen via Airbnb boomt – eine ernsthafte Konkurrenz für die Hotellerie. (Bild Nadia Schärli)

Das Vermieten von privaten Wohnungen via Airbnb boomt – eine ernsthafte Konkurrenz für die Hotellerie. (Bild Nadia Schärli)

Gabriela Jordan

Erst acht Jahre sind es her, seit der Schlafplatzvermittler Airbnb in San Francisco gegründet wurde – inzwischen ist er zu einer ernsthaften Konkurrenz für Hoteliers herangewachsen. Auch in der Schweiz. Zwischen Mai 2015 und Mai 2016 übernachteten hier mehr als 300 000 Personen in einer Unterkunft, die von Airbnb vermittelt wurde. Das sind doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Dies gab der Chef von Airbnb Schweiz, Alexander Schwarz, kürzlich bekannt.

Der grösste Airbnb-Markt in der Schweiz ist Zürich mit über 3000 Zimmern, Wohnungen oder Häusern. Auch in Luzern wächst das Angebot: Aktuell sind 800 Inserate online. Das sind 80 Prozent mehr als im Vorjahr, wie Airbnb Schweiz auf Anfrage mitteilt. Sibylle Gerardi, Sprecherin von Luzern Tourismus freuts: «Für uns ist jede Unterkunftsform willkommen.»

Kritik aus der Hotelbranche

Die Onlineplattform wirbt damit, dass sie den einfachsten Weg bietet, um mit freiem Wohnraum Geld zu verdienen – ohne dabei selbst Wohnraum zu besitzen. Damit ist Airbnb ein klassisches Beispiel der Sharing Economy: Güter oder Dienstleistungen, die gerade nicht gebraucht werden, werden getauscht; die Tauschplattform verrechnet für das Ausleihen eine Gebühr und generiert so Umsatz.

Doch das Vermittlungsportal ist nicht unumstritten. Es würden nicht die gleichen Bedingungen wie für die Hotelbranche gelten, so die Kritik von Hoteliers und Politikern. Die Rede ist von der Tourismusabgabe oder Kurtaxe, die jeder bezahlen muss, der ein Zimmer an Touristen vermietet. Patric Graber, Präsident des Verbands Luzern Hotels, steht der Plattform kritisch gegenüber: «Auch die sollen Ihren Anteil zahlen.» Da Luzern Tourismus die Beherbergungsabgabe ins Marketing und die Kurtaxen für Infrastruktur und Veranstaltungen vor Ort investiert werden, würden auch die Airbnb davon profitieren.

Etliche private Anbieter zu kontrollieren, gestaltet sich allerdings schwieriger, als dies bei Hotels der Fall ist. Registriert sich jemand als Gastgeber auf Airbnb, wird er zwar auf allfällige Regelungen und Abgaben im Heimland aufmerksam gemacht (siehe Kasten). Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass längst nicht jeder diese Abgaben bezahlt. Dies fällt umso mehr ins Gewicht, als sich mittlerweile auch viele kommerzielle Anbieter auf dem Portal tummeln. Die Kurtaxe wird pro Logiernacht erhoben und beträgt für ein Fremdenzimmer 1.80 Franken.

Airbnb als Kündigungsgrund

Eines der Angebote in Luzern befindet sich in der Neustadt. Gastgeberin Melanie (Name geändert) arbeitet selber in der Reisebranche und vermietet ihr Zimmer seit eineinhalb Jahren an Touristen – für diejenigen Monate, die sie geschäftlich im Ausland verbringt. Diesen Sommer beherbergte sie sechs Leute; ihre Mitbewohnerin kümmerte sich jeweils um die Schlüsselübergabe. Um keine Schwierigkeiten zu bekommen, will sie anonym bleiben. Grund dafür ist jedoch nicht die Kurtaxe, sondern ihr Vermieter: «Erst kürzlich habe ich gemerkt, dass mein Vermieter mir deswegen kündigen könnte.» Bis anhin habe sie geglaubt, dass sie ihre Wohnung problemlos untervermieten dürfe (siehe Kasten).

Nun erwägt sie, keine Gäste mehr aufzunehmen. «Das wäre allerdings schade, denn Airbnb ist ein schöner Nebenverdienst – viel lukrativer und weniger aufwendig als das Zimmer unterzuvermieten.» Für das Zimmer verlangt sie je nach Saison zwischen 75 und 85 Franken pro Nacht. Die besagte Kurtaxe hat sie bisher noch nicht bezahlt.

Nach eigenen Aussagen hat die Stadt Luzern sie deswegen vor einer Weile kontaktiert. Daraufhin hat Melanie eine Liste ihrer bisherigen Gäste geschickt. Seitdem hat sie von der Stadt jedoch nichts mehr gehört. «Die 20 Franken waren ihnen den Aufwand wohl nicht wert», vermutet sie und ist sich gleichzeitig bewusst, dass Airbnb eine «grosse Konkurrenz zu dem ist, was sie tagtäglich in ihrer Arbeit verkauft». Ihrer Meinung nach haben eher schwächere und wenig innovative Betriebe Mühe mit der neuen Marktsituation.

Da eine Übernachtung über Airbnb in Luzern durchschnittlich 100 Franken kostet, sind vor allem Hotels im mittleren Preissegment von der Konkurrenz betroffen. «Gästehäuser und Frühstückspensionen werden dies sicher spüren», bestätigt Graber vom Verband Luzern Hotels. Aber das Angebot sei unterschiedlich. Jugendherbergen wie «Backpackers Lucerne» oder das «Youthhostel» am Rotsee befinden sich am unteren Rand der Preisskala und registrieren keinen Buchungsrückgang, wie sie auf Anfrage mitteilen. Zudem verbringen Gäste häufig nur eine Nacht in Jugendherbergen; Bei Airbnb wird oft eine Mindestübernachtungszahl von drei Tagen verlangt, wie Markus Isler, Geschäftsführer von Backpackers Lucerne sagt.

Für kommerzielle Anbieter birgt Airbnb auch Vorteile. Viele nutzen es als Verkaufskanal. Zum Beispiel wirbt Isabelle Meier-Holdener so für ihr Bed & Breakfast an der Taubenhausstrasse. «Es ist einfach der Zeitgeist», sagt sie. Die neuen Mitspieler empfindet sie nicht als negativ, sondern «erfrischend». Zur Kurtaxe meint sie jedoch auch: «Das ehrliche Deklarieren ist ein Muss.»

Vorstoss gegen knappen Wohnraum

Neben der Konkurrenz zum gewerblichen Tourismus, wird auf politischer Ebene eine andere Folge von Airbnb diskutiert: die Verdrängung von Wohnraum. Der Luzerner Kantonsrat David Roth (SP) wird zu diesem Thema einen Vorstoss einreichen. «Ich will verhindern, dass durch Plattformen wie Airbnb Wohnraum vernichtet wird und in der Folge die Mieten steigen.» Ihm gehe es nicht darum, die kleinen Anbieter zu strafen, die ab und zu ein Bett vermieteten, sondern um das systematische Vermieten. «Durch die Bewertungen auf dem Portal sieht man, dass es Wohnungen gibt, die permanent angeboten werden», erklärt Roth. Er habe verglichen, wie andere Städte mit dem Problem umgingen. Ob die Gastgeber die obligatorische Kurtaxe bezahlen würden, liesse sich leicht kontrollieren, meint Roth: «Stichprobenkontrollen würden zur Abschreckung reichen.»

Auch der Mieterverband Luzern befürchtet, dass Airbnb die Wohnungsnot in den Städten befeuert. «Spätestens, wenn Immobilienbesitzer ihre Wohnungen bloss noch über Airbnb mit einem viel höheren Gewinn vermieten und die klassischen Mietwohnungen verdrängen, ist der Schaden angerichtet», sagt Geschäftsleiter Cyrill Studer Korevaar. Airbnb könne für einzelne Mieter ein Segen sein, die Mieterschaft als Ganzes kann mittelfristig aber unter Druck kommen. «Dagegen muss sich der Gesetzgeber wappnen», so Studer Korevaar.

Airbnb-Chef weist Vorwürfe zurück

Und wie stellt sich Airbnb Schweiz zu dieser Situation? Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» wies Länderchef Alexander Schwarz die Vorwürfe vor kurzem zurück: «Wir erwarten von unseren Gastgebern und Gästen, dass sie Kurtaxen, Steuern und Abgaben bezahlen.» Dazu zwingen könne Airbnb sie allerdings nicht: «Das ist nicht unsere Art.»

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