AIRLINE: «Wir sind in der Schweiz auf der Gewinnseite»

Der Druck auf die Preise ist gross, der Wettbewerb unter den Airlines hart, trotzdem ist Emirates gut unterwegs. Vor allem in einem Punkt zeigt sich die Schweiz sehr robust.

Dominik Buholzer
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Schweiz-Chef Jürg Müller. Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone (Genf, 29. Juli 2014)

Schweiz-Chef Jürg Müller. Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone (Genf, 29. Juli 2014)

Er arbeitete bei der Swissair und dann später nach der Übernahme durch die Lufthansa bei der Swiss, jetzt erlebt er den rasanten Aufstieg von Emirates: Jürg Müller (55) aus Zürich ist Länderchef der internationalen Airline in der Schweiz und hat allen Grund, entspannt zu sein. Emirates fliegt von Erfolg zu Erfolg, trotz des starken Kapazitätsausbaus in den vergangenen Jahren.

«Bei Emirates ist das Glas immer halb voll. Das ist schon mal ein mentaler Unterschied zu einer europäischen Airline», sagt Müller. Zudem stünden ihm hier ganz andere Möglichkeiten zu Verfügung.

Herr Müller, die Schweizer Wirtschaft stockt noch immer ein wenig. Hinterlässt dies auch bei Emirates Spuren?

Wir haben gemerkt, dass es derzeit in der Schweiz nicht einfach ist, dass die Reisebürobranche stark mit sich selbst beschäftigt ist. Wir stellen aber fest, dass Dubai immer zieht.

Das heisst, Sie werden schwarze Zahlen schreiben?

Wir sind in der Schweiz auf der Gewinnseite. Wir verzeichnen hierzulande ein grosses Wachstum, insbesondere im Premiumsegment. Das ist sozusagen das Brot-und-Butter-Geschäft. Als äusserst robust erweist sich zudem der Geschäftsreisesektor.

Auf was führen Sie dies zurück?

Dubai ist für Geschäftsreisende schon an und für sich eine sehr lukrative Destination. Und wenn dann in Europa die Wirtschaft ins Stocken gerät, spüren wir schnell, wie die Firmen nach neuen Absatzmärkten suchen. Und dann landen sie schnell im asiatischen Markt und bei uns als Fluggesellschaft, die sie zu diesen Märkten bringt.

Hat der Schweizer Markt noch Potenzial?

Auf jeden Fall. Wir haben in Genf und Zürich in der jüngsten Vergangenheit an der Kapazitätsschraube gedreht. Das hat sich gelohnt. Im Premiumbereich wurden unsere Erwartungen übertroffen. In der Economy haben wir in Genf noch Luft nach oben.

Emirates war die erste Airline, die im Jahr 2000 den Airbus A380 mit zwei durchgehenden Passagierdecks bestellt hat. Seit 2014 fliegt sie mit einem ersten in die Schweiz, seit 2015 mit zwei. Wie kommt der Riesenflieger an?

Sehr gut. Wir schätzen uns glücklich mit der aktuellen Lage. Das Flugzeug ist unverändert Publikumsmagnet.

Gibt es Ausbaupläne?

Immer (lacht). Mit den beiden A380 sind wir in Zürich gut aufgestellt. Dies wollen wir jetzt mal festigen.

Der Kampf der Airlines um Marktanteile ist härter geworden. In welche Richtung werden sich die Flugpreise entwickeln?

Die Preise sind bereits dieses Jahr unter Druck geraten. Für den Konsumenten ist dies ja erfreulich. Ich gehe davon aus, dass der Druck 2017 anhalten wird, die Preise sich aber eher stabil verhalten werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich die Wirtschaft international relativ stabil entwickelt.

Die Erdöl fördernden Staaten haben beschlossen, die Mengen zu drosseln. Wird dies zu einem Preisanstieg führen?

Wir sichern unsere Treibstoffpreise nicht ab, sondern sind den tagesaktuellen Preisen ausgesetzt. Sorgen mache ich mir deswegen nicht. Denn im Moment scheint kein grosser Handlungsbedarf zu sein. Ausser Sie sagen mir jetzt, wo der Erdölpreis in zwei Monaten sein wird (lacht).

Haben die Airlines aus den arabischen Staaten einen Wettbewerbsvorteil?

Ein 24-Stunden-Betrieb auf dem Flughafen in Dubai bietet unglaubliche Möglichkeiten. Dafür müssen wir uns aber nicht entschuldigen. Zudem profitieren wir sicherlich davon, dass für die Regierung die Aviatik ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig ist, den sie bewusst unterstützt. Subventionen erhalten wir allerdings nicht.

Interview: Dominik Buholzer