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AKTIEN: Wie lange geht der Höhenflug?

Die Schwankungen an den Aktienmärkten haben zugenommen. Zudem sorgen Turbulenzen bei den Staatsanleihen für Unruhe. Eine Crashgefahr an den Börsen sehen Analysten aktuell aber nicht.
Die Entwicklung des SMI seit 2005. (Bild: Grafik: Janina Noser)

Die Entwicklung des SMI seit 2005. (Bild: Grafik: Janina Noser)

Hans-Peter Hoeren

In den vergangenen vier Jahren hat sich der Schweizer Leitindex SMI fast verdoppelt. Die Verluste nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses sind längst aufgeholt. Doch seit einigen Wochen kommt es immer wieder zu Korrekturen. Ist der Höhenflug endgültig vorbei, steigt gar die Crashgefahr?

Christian Gattiker winkt ab. Es gebe eine Diskrepanz zwischen den gefühlten und den tatsächlichen Schwankungen der Aktienkursentwicklung der vergangenen Wochen, sagt der Leiter Finanzanalyse bei der Bank Julius Bär. «Die Kursschwankungen in der Schweiz und in den USA liegen im langjährigen Vergleich im unterdurchschnittlichen Bereich», bei den europäischen Aktien hingegen habe es grössere Korrekturen gegeben. Hauptgrund hierfür seien Verschiebungen auf der Währungsseite, vor allem die jüngste Abschwächung des US-Dollars.

«Unkontrollierte Bewegungen»

«Im Währungsbereich und besonders in der auseinanderdriftenden Geldpolitik in den USA und der Eurozone liegen die grössten Unsicherheitsfaktoren für die künftige Aktienentwicklung», sagt Gattiker. Eine Crashgefahr sieht er aber aktuell nicht. Die Risiken gingen aktuell eher von «unkontrollierten Bewegungen am Kapitalmarkt aus», sagt Gattiker.

Ein Mini-Crash am Staatsanleihenmarkt war denn auch in den vergangenen Wochen das dominierende Thema an den Kapitalmärkten. Betroffen waren vor allem langjährige deutsche Staatsanleihen. Spekulanten sorgten dafür, dass innerhalb weniger Tage die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen von 0,05 auf knapp 0,7 Prozentpunkte anstiegen. Normalerweise dauert solch ein Sprung Monate. Die Rendite zehnjähriger Schweizer Bundesobligationen sprang zeitweilig von 0,17 Prozent auf 0,29 Prozent. «Dieser scharfe Zinsanstieg in einem vermeintlich sehr sicheren und liquiden Segment hat Schockwellen durch die Märkte gejagt. Das ist wie wenn der Beton unter dem Haus plötzlich beginnt, sich zu bewegen», kommentiert Gattiker.

«Aktien sind eher billig»

Er geht davon aus, dass die gröbsten Verwerfungen im Anleihenbereich jetzt vorbei seien und deren Entwicklung wieder stärker von fundamentalen Daten wie der Inflation und dem Marktumfeld beeinflusst werde. Das wäre auch gut für den Aktienmarkt.

«Überbewertet sind Aktien trotz des jahrelangen Höhenflugs aber nicht», sagt Gattiker. Im Vergleich mit der Entwicklung der vergangenen 15 Jahre seien Aktien sogar durchschnittlich bewertet. «Im Vergleich zu Anleihen sind Aktien eher billig», stellt Gattiker klar. Als Massstab dient ihm das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). An diesem lässt sich genau ablesen, wie oft der Gewinn eines Wertpapieres im Kurs enthalten ist. Ein KGV von 30 bedeutet quasi, dass der Kurs einer Aktie 30-mal so hoch ist wie der Gewinn.

Zinsloses Darlehen oder Aktie?

Gemäss Gattiker liegt das KGV der Aktien im SMI aktuell bei 19. «Das ist in etwa das Niveau von 2007, im langfristigen Durchschnitt liegt das KGV der SMI-Aktien bei 14», sagt Gattiker. 1998 aber habe das KGV der Aktien im SMI noch bei 29 gelegen, 2004 dann bei 24.

Zum Vergleich: Die Rendite von zehnjährigen Schweizer Staatsanleihen liegt aktuell bei knapp 0,02 Prozent. «Wenn eine Anlegerin zurzeit 100 Franken zur Verfügung hat, erhält sie 0 Franken beim Kauf einer Bundesobligation oder aber eine Dividendenrendite von rund 3 Franken bei der Anlage in bestimmte Aktien aus dem SMI», sagt Gattiker. Aktuell habe der Anleger eigentlich nur die Wahl, sein Geld als zinsloses Darlehen der Bank oder dem Staat zu überlassen oder aber in eine Aktie anzulegen.

Nur bestimme Sektoren profitieren

«Die Aktie dürfte noch auf längere Zeit als Anlageform relativ alternativlos bleiben, sofern die Anleger sich in jederzeit veräusserbaren Anlagen bewegen wollen und nicht lange Haltefristen wie in private Anlagen», prognostiziert Gattiker. Nach dem mehrjährigen Höhenflug würden aber künftig wohl eher bestimmte Sektoren des Aktienmarktes künftig weiter profitieren und weniger der Gesamtmarkt. Aktien mit Wachstumspotenzial im Gesundheitswesen und der Technologie dürften gemäss Gattiker gesucht bleiben.

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