Aktienkurs bricht ein: Landis+Gyr befindet sich im Abwärtssog

Die Aktien des Zuger Stromzählerherstellers Landis+Gyr haben seit dem Börsengang im Juli 2017 einen Viertel ihres Wertes eingebüsst. Auf operativer Ebene sorgen gewichtige Abgänge für Aufsehen.

Maurizio Minetti
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Eichung von Industrie-Stromzählern bei Landis+Gyr. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, Zug, 2. Oktober 2017)

Eichung von Industrie-Stromzählern bei Landis+Gyr. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, Zug, 2. Oktober 2017)

Die Ankündigung kam überraschend: Am Mittwochmorgen schrieb der Vermögensverwalter Vontobel, man nehme ab sofort die Beobachtung der Aktien von Landis+Gyr (L+G) auf. Und gleich die erste Analyse hat es in sich. Vontobel rät, sich von den Aktien des Zuger Stromzählerherstellers zu trennen. Das Kursziel beträgt 50 Franken. Zum Vergleich: Am Dienstag war die Aktie mit einem Wert von knapp 66 Franken aus dem Handel gegangen.

Zwar erwartet Vontobel für die beiden Geschäftsjahre 2018 und 2019 Wachstumsraten von 4,2 beziehungsweise 3,8 Prozent, danach gehen die Analysten aber von einer Stagnation aufgrund der Sättigung des Marktes im Raum EMEA (Europa, Nahost, Afrika) aus. Die meisten Mitgliedsstaaten der EU hätten ihre Umstellung auf intelligente Verbrauchsmessung bereits vollzogen oder stünden kurz davor. Die Gewinnmargen sollen im Geschäftsjahr 2020 ihren Höhepunkt erreichen und danach zurückgehen, glaubt Panagiotis Spiliopoulos, Leiter Aktien-Research bei Vontobel.

Keine andere Bank hat bislang eine Verkaufsempfehlung für L+G-Aktien herausgegeben. An der Börse sorgte der Vontobel-Bericht entsprechend für heftige Reaktionen. Am Mittwochvormittag sank der Aktienwert schnell unter 60 Franken. Der Spitzenwert von rund 80 Franken vom Februar ist in weiter Ferne. Seit dem Börsengang im Juli 2017 haben die Aktien des Stromzählerherstellers einen Viertel ihres Wertes verloren.

Manager haben keine Aktien verkauft

Die von Vontobel angesprochenen Probleme waren eigentlich bekannt. Umso überraschender war der Kurseinbruch. Ein Sprecher von L+G sagte auf Anfrage lediglich, man habe die Markteinschätzung von Vontobel «zur Kenntnis genommen». Derweil rumort es auch in der Teppichetage des Smart-Meter-Herstellers. Mitte September nahm Strategiechef Roger Amhof den Hut. Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass die langjährige Asien-Chefin Ellie Doyle per sofort die Firma verlässt. Gründe gab L+G in beiden Fällen nicht an.

Firmenkenner setzen vor allem beim Weggang der Asien-Chefin ein Fragezeichen. Derzeit verdient das Unternehmen nur in Nordamerika Geld; Asien sollte ab 2020 zum Wachstumstreiber werden.

Sowohl Amhof als auch Doyle waren zusammen mit CEO Richard Mora, Finanzchef Jonathan Elmer und EMEA-Chef Oliver Iltisberger Mitglieder des Group Executive Managements. Diese Führungskräfte sind auch nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen an Verkaufsbeschränkungen für Wertpapiere gebunden. Bei Roger Amhof und Ellie Doyle ist diese sogenannte Lock-up-Frist zwar abgelaufen, bislang haben aber gemäss Börsenbetreiber SIX keine L+G-Manager eigene Aktien verkauft.

Kursziele von Vontobel gelten typischerweise für eine Frist von zwölf Monaten. Doch Landis+Gyr könnte das von Vontobel erwartete Kursziel von 50 Franken viel eher erreichen: Am Donnerstag ging die Aktie mit einem weiteren Minus von knapp 7 Prozent bei 57.70 Franken aus dem Handel.