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AKTIENMARKT: Blinde Hoffnung in Facebook & Co.

Der jüngste Schock trifft auch die Internetgiganten Facebook, Amazon, Netflix und Google. Für einige Beobachter waren die Kurskorrekturen überfällig – das Gros der Investoren zeigt sich jedoch unbeeindruckt.
Daniel Zulauf
Der Aktienkurs von Facebook brach zwischenzeitlich um mehr als 6 Prozent ein. (Bild: Pius Amrein)

Der Aktienkurs von Facebook brach zwischenzeitlich um mehr als 6 Prozent ein. (Bild: Pius Amrein)

Daniel Zulauf

Der jüngste Börsenschock hat auch die Aktien der grössten Internetkonzerne nicht verschont. Alphabet, das Unternehmen, hinter dem sich der Suchdienst Google verbirgt, sah den eigenen Marktwert in der kritischen Zeit vom 1. bis zum 5. Februar um 10 Prozent oder mehr als 80 Milliarden Dollar abschmelzen. Die Börsenkapitalisierung von Facebook erodierte in der gleichen Zeit um 37 Milliarden Dollar oder mehr als 6 Prozent. Die Aktien des Filmverleihers Netflix verloren etwas mehr als 4 Prozent, womit sie immerhin nicht tiefer als der Gesamtmarkt tauchten. Allein Amazon vermochte das Bewertungsniveau zu halten und ist – wie die vorgenannten Unternehmen – bereits wieder im Aufstieg begriffen.

Für manche Marktbeoachter waren die teilweise überdurchschnittlich scharfen Kurskorrekturen dieser mithin wertvollsten Publikumsgesellschaften der Welt geradezu überfällig. James Bateman, Anlagechef des grossen amerikanischen Fondsmanagers Fidelity, sagt: «Der Technologiesektor und insbesondere die sogenannten Fang-Aktien – Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google – haben sehr hohe Bewertungen erreicht. Sie unterstellen Geschäftsmodelle, die geradezu perfekt optimiert sind.» Daran mag der Analyst nicht glauben. Es sei ein Gebot der Logik, dass nicht jeder zum Erfolg komme, der sich mit grossem finanziellen Aufwand Marktanteile zusammenkaufe – in der Hoffnung, seine Konkurrenten auf Dauer aus dem Markt zu jagen.

Skeptiker stehen weitgehend allein da

Genau das aber erwarten jene Investoren, die Fang-Aktien ohne Rücksicht auf die klassischen Bewertungskriterien kaufen, wie sie Leute wie Bateman anwenden. Amazon erwirtschaftete 2017 einen Reingewinn von 3 Milliarden Dollar. Der Börsenwert der Firma ist 233-mal höher. Das ist so, als würde der Marktwert der UBS mehr als eine Billion Franken betragen – fast so viel wie derzeit alle Schweizer Börsenunternehmen zusammen, einschliesslich Novartis, Nestlé und Roche.

Doch Skeptiker wie Bateman stehen auch nach der jüngsten Korrektur weitgehend allein da. Finanzanalyst Allen Gillespie schaffte es dieser Tage sogar in die «New York Times» – weil er mit seiner pessimistischen Sicht auf die neuen Stars der Börse beinahe schon als Exot gilt. Gillespie glaubt, dass die tiefen Zinsen die Investoren kopflos gemacht haben. Diese übersähen Risiken und inflationierten den Wert von Firmen wie Amazon, meint er. Anklang findet er wenig: «Alle sagen zu mir, ich sei verrückt.»

En vogue ist dagegen eine schillernde Figur wie Henry Blo­d­get. Der Mann war vor 20 Jahren einer der meistbeachteten Internet-Analysten an der Wall Street – bis die Blase platzte. Dann kam heraus, dass er Titel, die er dem Publikum anpries, in internen Mails seiner Bank als «Scheisse» bezeichnete. Er musste eine Millionenbusse zahlen und wurde aus dem Geschäft verbannt.

Grenzenlose Fantasie der Investoren

Inzwischen erzählt Blodget als Chefredaktor und Gründer des Anlegerportals «Business Insider», wie er die Erfolgsgeschichte von Amazon von Beginn weg miterlebt hat und weshalb sie weitergehen wird. Der Analyst spricht aus, was alle denken, die Fang-Aktien kaufen. Die Firmen hätten bewiesen, dass sie das Geld richtig in das Wachstum zu investieren verstünden.

Nicht viele glaubten, dass Amazon nach dem Platzen der Internetblase die Kurve noch einmal kriegen würde. Das Kunststück gelang, weil die Zukunftshoffnungen grösser waren als der Wunsch der Investoren nach Dividende. Nach diesem Prinzip galoppieren die Fang-Aktien immer noch. Und sie scheinen kurzfristige Rückschläge wie jenen vom vergangenen Montag schnell wegzustecken. Inzwischen haben zwar auch die Gewinne der Fang-Unternehmen beeindruckende Ausmasse erreicht. Aber noch weit spektakulärer sind die liquiden Mittel, die den Gesellschaften Jahr für Jahr aus dem operativen Geschäft zufliessen.

Diese Cashflows perpetuieren die Fantasien der Investoren immer wieder aufs Neue – bis das sonst überall geltende Gesetz des abnehmenden Grenzertrages vielleicht doch einmal irgendwo erkennbar wird.

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