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Credit Suisse: Aktionäre mucken auf

Nach Ethos will auch der US-Stimmrechtsberater Glass Lewis den Vergütungsbericht zurückweisen. Doch durch ISS wird dieser von einem zweiten wichtigen Stimmrechtsberater abgenickt.
Daniel Zulauf
Blick auf den Eingang des CS-Hauptsitzes auf dem Zürcher Paradeplatz. (Bild: Melanie Duchene/Keystone)

Blick auf den Eingang des CS-Hauptsitzes auf dem Zürcher Paradeplatz. (Bild: Melanie Duchene/Keystone)

Die diesjährige Lohnerhöhung für Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam geht dem amerikanischen Stimmrechtsberater Glass Lewis zu weit. Die für das Geschäftsjahr 2018 vorgesehene Gesamtentschädigung des CEO in der Höhe von 12,7 Millionen Franken (+13 Prozent) sei mit Blick auf dessen Leistung bei der Erreichung der finanziellen Ziele und aufgrund der schlechten Kursentwicklung der Aktien 2018 nicht gerechtfertigt, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters. Dies unter Verweis auf die gestern von Glass Lewis ausgegebenen Stimmempfehlungen. Die Stimmrechtsberater empfehlen ihren Kunden, den Vergütungsbericht der Bank auf der Generalversammlung vom 26. April zurückzuweisen. Zum gleichen Schluss gelangte in der vorigen Woche auch die Genfer Anlagestiftung Ethos.

Nicht zum ersten Mal sind in der Vergütungspraxis der Grossbank Zeichen von Willkür zu erkennen. So hat der Vergütungsausschuss allein für Thiam die Obergrenze für den Bonus erhöht, auf den die Mitglieder der Geschäftsleitung für die Erreichung kurzfristiger Leistungsziele («Short Termin Incentive») Anspruch haben. Demgemäss kann Thiam einen Bonus erhalten, der um den Faktor 1,83 über dem Basissalär von 3 Millionen Franken liegt.

93 Prozent des Maximalbonus

Der Bonus beträgt bei vollständiger Zielerreichung also 5,5 Millionen Franken. Im vergangenen Jahr hatte sich die Bonus-Obergrenze auf das 1,5-fache des (unveränderten) Basissalärs belaufen. Durch die individuelle Anpassung der Obergrenze liegt Thiams Maximalbonus heuer also 1 Million Franken höher als vor Jahresfrist. Von dem Maximalbonus hat der Manager rund 93 Prozent eingefahren. So hoch liegt seine vom Verwaltungsrat festgelegte Erreichung der finanziellen und nicht finanziellen Leistungsziele.

Der durchschnittliche Zielerreichungsgrad der übrigen Geschäftsleitungsmitglieder liegt mit rund 85 Prozent deutlich tiefer. Der Verwaltungsrat begründet Thiams Sonderbehandlung mit dessen guten Leistungen seit Beginn seiner Tätigkeit im Sommer 2015. Diese Erklärung ist allerdings nicht konsistent mit dem Vergütungssystem, denn mit dem erwähnten Bonus wird eigentlich nur die Erreichung kurzfristiger Leistungsziele honoriert. Für die Erreichung langfristiger Ziele bekommen die Manager andere Anwartschaften («Long Term Incentive»).

Heftige Diskussionen stehen bevor

Der Leiter des Vergütungsausschusses im Credit-Suisse-Verwaltungsrat, Kai S. Nargolwala, hatte im vergangenen Jahr anlässlich der von den Aktionären geforderten Anpassungen des Vergütungssystems gelobt, den Anliegen der wichtigsten Aktionäre Rechnung zu tragen. Wie es nun scheint, hat er dieses Ziel nur teilweise erreicht. Der 66-jährige Brite war 2010 selber als Spitzenverdiener der Credit Suisse in die Schlagzeilen geraten. Er hatte 2009 in seiner damaligen Funktion als Asien-Chef 19 Millionen Franken nach Hause genommen

Ungeachtet der Kritik von Ethos und Glass Lewis will die grösste amerikanische Stimmrechtsberaterin ISS Thiams Gehalt durchwinken, wie Reuters gestern berichtete. Das Vergütungssystem der Bank entspreche in groben Zügen der Marktpraxis. Die Diskussionen an der Generalversammlung dürften dennoch heftig werden, immerhin hat sich der Börsenwert der Bank 2018 um 17 Milliarden Franken verringert.

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