Stellenabbau
Alarmierender Verlust: Chemieriese BASF zieht seine Forschungsabteilung ab

Trotz Milliardengewinn will das Chemieunternehmen sparen. Arbeitsplätze in Forschung und Produktion werden globalisert. Die Schweiz hat das Nachsehen. 350 Arbeitnehmer im Raum Basel sind betroffen.

Isabel Strassheim
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BASF ist der grösste Chemiekonzern der Welt (Symbolbild)

BASF ist der grösste Chemiekonzern der Welt (Symbolbild)

Keystone

Die Basler Chemieindustrie schrumpft weiter. BASF will bei der ehemaligen Ciba erneut Stellen streichen. In den nächsten zweieinhalb Jahren sollen bis zu 350 der noch insgesamt 2600 in der Schweiz angesiedelten Stellen verschwinden. Dieser Abbau trifft ausschliesslich den Grossraum Basel.

Damit verabschieden sich die Produktion wie auch die Forschung der Chemiebranche Stück für Stück aus der Region: Erst kürzlich hatten auch Huntsman und Clariant weitere Stellenstreichungen bekannt gegeben.

Weltweit will BASF neben dem Abbau in Basel weitere 150 Stellen streichen, wie der deutsche Konzern gestern mitteilte. BASF ist das grösste Chemieunternehmen der Welt mit einem Umsatz von 78,7 Milliarden Euro und einem Nettogewinn von 4,8 Milliarden.

BASF ist das nicht genug: «Bei Standardprodukten entsprechen Wachstum und Profitabilität noch nicht unseren Anforderungen», liess sich der für den Bereich Performance Products zuständige BASF-Vorstand Michael Heinz zitieren.

Weitere Massnahmen würden noch geprüft. Zu seiner Sparte zählt die hauptsächlich in der Region Basel angesiedelte Herstellung von Plastikzusätzen und Pigmenten. Dieses Geschäft leidet unter Preisdruck und konjunkturellen Zyklen, im Gegensatz zur BASF-Sparte der Chemikalien für die Ölbohr- und Bergbauindustrie.

Mehr Marktnähe

BASF will nun durch eine Verlagerung die Profite in diesem Geschäftsfeld erhöhen, und zwar durch eine «marktnähere Aufstellung». Im Klartext: Die Arbeitsplätze für die Entwicklung von neuen Plastikzusätzen wandern von Basel in die ganze Welt ab, nämlich an die jeweiligen Produktionsorte.

Zudem werden Bürojobs in die Zentrale ins deutsche Ludwigshafen verlegt. Auch bei den Pigmenten wird das Produktmanagement für Europa neu beim Konzernsitz in Deutschland angesiedelt. Die Leitung des weltweiten Produktmanagements wird in Hongkong gebündelt.

Der Trend ist klar: Die Produktion, aber auch die Entwicklung wandern dorthin, wo die wichtigsten Kunden sind. Und das ist vorwiegend in Asien. «Ciba geht den gleichen Weg wie schon Clariant», sagt ein Branchenexperte. Schon wegen der Transportkosten sei es nicht mehr sinnvoll, in Europa zu forschen und zu produzieren.

Clariant hat seine Textilsparte verkauft und plant die Devestition der Lederdivision. Bei BASF heisst es nun: «Im Geschäft mit Leder- und Textilchemikalien wird BASF ihre Aktivitäten auf die Wachstumsregion Asien-Pazifik sowie auf spezielle Anwendungen mit hoher Wertschöpfung, wie beispielsweise Automobilleder und Textilartikel im Premiumsegment, ausrichten.» Die weltweite Forschung und Entwicklung für beide Geschäfte sollen in Schanghai angesiedelt werden.

Ein Weckruf für die Schweiz

Für den Standort Schweiz besonders alarmierend ist die Verlagerung der Forschung, da damit auch hoch qualifizierte Arbeitsplätze verschwinden. Diese, so dachte man, stehen nicht unter dem Druck der Billiglohnländer.

Bei BASF heisst es dazu auf Nachfrage der «Nordwestschweiz»: «Das Forschungszentrum Basel bleibt für die Forschung in der Spezialitätenchemie weiterhin gut aufgestellt.» Aber: Die Forschung werde stärker auf die Märkte ausgerichtet.

Sodass es zu «Anpassungen» komme. Auch die Forschung wird also globalisiert. Am einfachsten zeigt dies das Ziel des Konzerns: Bis ins Jahr 2020 soll die Forschung zu 50 Prozent in Europa angesiedelt sein und jeweils zu 25 Prozent in Asien sowie in Nord- und Südamerika.