Aldi will die Schweizer Stadtzentren erobern

Aldi Suisse eröffnet am Donnerstag seine 200. Filiale in der Schweiz. In zehn Jahren sollen es dann 300 sein. Der Discounter will auch die Stadtzentren erobern. Damit verstärkt Aldi den Druck auf die Konkurrenz.

Stefan Borkert
Drucken
Teilen
Aldi Suisse expandiert und will bis 2029 in der Schweiz durchschnittlich zehn Filialen pro Jahr eröffnen. (Bild: Laurent Gilliéron/Keystone)

Aldi Suisse expandiert und will bis 2029 in der Schweiz durchschnittlich zehn Filialen pro Jahr eröffnen. (Bild: Laurent Gilliéron/Keystone)

Die 199. Filiale von Aldi steht in Wallisellen auf dem Zwicky-Areal. Timo Schuster, Chef von Aldi Suisse erklärt, dass diese Filiale Sinnbild für den Expansionskurs des Discounters in der Schweiz sei: Aldi-Läden am Stadtrand und auf der grünen Wiese wird es weiter geben, aber der Discounter hat die Innenstädte entdeckt. Kunden wollen dort sowie im Quartier einkaufen. «Das ist der Trend, und dem folgen wir», sagt Oliver Wulkan, Management­direktor am Aldi-Suisse-Hauptsitz in der Ostschweiz.

Am Donnerstag wird in Lugano die 200. Aldi-Filiale eröffnet. Schon bald werden weitere folgen. In den kommenden zehn Jahren sollen es insgesamt 100 weitere ­Filialen sein. 2005 hat Aldi mit vier Filialen begonnen. Anders als die ständig wachsende Kundschaft hatten Mitbewerber kritisch auf den Markteintritt des deutschen Discounters reagiert. Inzwischen hat man sich bei ­Migros, Coop, Spar, Volg und Co. an den Discounter gewöhnt und mit ebenfalls günstigen Angeboten gekontert. Lidl folgte Aldi vier Jahre später in die Schweiz und expandiert ebenfalls. Der Markt ist weiter stark umkämpft.

Aldi Suisse steuert dabei immer mehr weg vom Billigheimer und setzt auf Qualität, Frische, Bio und einheimische Produkte. «Wir wollen sehr nahe am Kunden sein und dessen Bedürfnissen nachkommen», sagt Schuster. Und trotzdem, so der Chef von Aldi Suisse, wolle man stets vorneweg marschieren, unter ­anderem mit dem günstigsten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Experiment im Bahnhof

Aber nicht nur das. Schuster sagt, das Filialkonzept werde ständig überarbeitet und angepasst. Quartierläden seien dafür ein Beispiel. Und auch die Stadtzent­ren hat er im Visier. Dort entstünden Lücken, die Aldi füllen wolle. «Wir sehen grosses Potenzial in den Schweizer Innenstädten. Kunden wollen uns genau da ­haben», sagt Schuster. Lugano sei ein erstes Beispiel. Weitere Läden seien schon in Zürich und Luzern geplant. Genf und weitere habe man im Visier. Ein Versuchsballon ist der erste Bahnhofsladen in Lausanne. Noch sei es zu früh für ein Urteil. Aber die Erwartungen würden bisher übertroffen. Solche Kleinläden seien für weiteres Wachstum ­sicher denkbar. Der Wachstumskurs von Aldi wird auch an Zahlen des Unternehmens, das keine Umsatz- und Gewinnmarken ­publiziert, deutlich.

In 13 Jahren hat der Discounter 3200 Arbeitsplätze in der Schweiz geschaffen. Seit dem Markteintritt hat Aldi Suisse 1,5 Milliarden Franken investiert. Den Umsatz schätzt das Marktforschungsinstitut GfK für 2017 auf 1,9 Milliarden Franken.