Am Montag um 6.30 Uhr platzte die Bombe: So lief die grösste Bankenfusion der Schweiz

1997 schlossen sich Bankgesellschaft und Bankverein zur UBS zusammen, 13'000 Jobs fielen weg. Erstaunlich ist rückblickend, wie der Mega-Deal kommunikativ abgewickelt wurde.

Patrik Müller
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Dieses Bild blieb haften: Marcel Ospel (links), der Chef des Bankvereins, und Mathis Cabiallavetta, der Chef der Bankgesellschaft, geben am 8. Dezember 1997 die Grossfusion bekannt.

Dieses Bild blieb haften: Marcel Ospel (links), der Chef des Bankvereins, und Mathis Cabiallavetta, der Chef der Bankgesellschaft, geben am 8. Dezember 1997 die Grossfusion bekannt.

Martin Ruetschi / KEYSTONE

«Da waren’s nur noch zwei»: Diesen Titel setzte die britische «Financial Times» am 9. Dezember 1997, als sie die Fusion von Bankgesellschaft (SBG) und Bankverein (SBV) vermeldete. Die neue UBS war auf einmal die grösste Bank der Welt.

«Da war es nur noch eine»: Diese Schlagzeile wird wohl auf absehbare Zeit nicht erscheinen – und falls doch: Eine kombinierte UBS/Credit Suisse würde es nicht einmal mehr unter die Top 10 weltweit schaffen. Die Bankenwelt hat sich komplett gewandelt.

Und mit ihr die Kommunikation. Heute lautet die Standardantwort der Medienstellen bei Fusionsspekulationen: «Wir nehmen zu Gerüchten keine Stellung.» Fragt man die Bankchefs von UBS und CS direkt zu Sinn oder Unsinn einer Fusion, so weichen sie aus: «Sie werden verstehen, dass ich das schon aus Prinzip nicht kommentiere», sagte UBS-Chef Sergio Ermotti in einem Interview mit der «Schweiz am Wochenende».

Als 1996 Rainer E. Gut, der Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, mit der SBG fusionieren wollte, lief er auf. SBG-Präsident Robert Studer reagierte nicht mit «kein Kommmentar», sondern bezeichnete eine Fusion als «verantwortungslos», auch wegen des Stellenabbaus.

Im April 1997 gings los - im Dezember wars vollendet

1997 bandelte die SBG mit dem SBV an. Die Gespräche zwischen deren Chefs Mathis Cabiallavetta und Marcel Ospel begannen im April. Die Sache blieb geheim. Am 1. Juli brach die SBG die Verhandlungen ab. Erste Fusionsgerüchte machten die Runde.

Am 9. Oktober beschloss die SBG, dem Bankverein eine Fusionsofferte zu unterbreiten. Zwei Monate später, am Freitag, 5. Dezember, stimmten die Verwaltungsräte von SBG und SBV der Fusion zu. An der Börse machten Gerüchte die Runde, doch Analysten sagten, eine Fusion sei kaum vorstellbar, da die Kulturen der Banken zu unterschiedlich seien.

Diese hielten eisern an ihrem Kommunikationsplan fest. Im vordigitalen Zeitalter funktionierte das so: Noch am Freitag wurden die Personalvertreter der Banken informiert, am Sonntag die Bundesräte sowie die Präsidenten von SP, FDP, CVP und SVP, und um 20 Uhr verschickte die SBG per Fax eine Einladung für eine Medienkonferenz am Montag, 8. Dezember.

Die Bombe platzte dann mit dem Communiqué am Montagmorgen um 6.30 Uhr.