Alle Züge fahren, jetzt geht's ums Geld

Mit bis zu sieben Monaten Verspätung hat Stadler Rail 16 Doppelstöcker an die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft geliefert. Mängel sind behoben, nun wird noch ums Finanzielle gefeilscht.

Thomas Griesser Kym
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Ein Kiss-Zug von Stadler im Einsatz im Osten Deutschlands. (Bild: www.odeg.de)

Ein Kiss-Zug von Stadler im Einsatz im Osten Deutschlands. (Bild: www.odeg.de)

BUSSNANG/BERLIN. Mitte vergangenen Monats hat Stadler Rail den letzten der 16 bestellten vierteiligen Doppelstöcker vom Typ Kiss an die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (Odeg) ausgeliefert. Damit hat diese ihren Fuhrpark komplett – mit einer Verzögerung von über einem halben Jahr. Denn eigentlich hätten die 16 Züge bis spätestens Ende 2012 abgeliefert sein sollen.

Nicht nur die Verzögerungen haben Odeg-Chef Arnulf Schuchmann verärgert, sondern auch Mängel an den Fahrzeugen. Mal war es in den Zügen «extrem warm und manchmal zu kalt», weil die Klimaanlagen nicht oder unzureichend arbeiteten, dann versagten die elektrischen Schiebetüren zwischen den Wagen ihren Dienst. «Immer wieder hatten wir Anfragen und Beschwerden unserer Fahrgäste», sagt Schuchmann. Als Reaktion und zur Information der Kunden richtete die Odeg auf ihrer Website unter «Fragen & Antworten» einen eigenen Katalog zu den Kiss-Zügen ein.

«Am Riemen gerissen»

Mittlerweile aber äussert sich Schuchmann «grosso modo sehr zufrieden» mit den Stadler-Zügen im täglichen Fahrbetrieb. Die gröberen Probleme seien behoben, die Klimaanlagen würden nochmals verbessert, und inzwischen «erhalten wir auch viel Lob von den Fahrgästen». Schuchmann attestiert dem Unternehmen von Peter Spuhler, dass sich Stadler Rail «am Riemen gerissen hat» und zusammen mit den Modullieferanten dafür besorgt gewesen sei, die Probleme «so rasch wie möglich» zu beheben. Michael Daum, Geschäftsführer der Berliner Stadler-Tochter Stadler Pankow, welche die Züge gebaut hat, pflichtet dem Odeg-Chef bei: «Die Züge laufen sehr zuverlässig.»

Odeg hat Forderungen plaziert

Bleibt noch die Frage nach dem Schadenersatz. Die Mängel und die Verzögerungen bei den Auslieferungen haben die Odeg laut Schuchmann «12 bis 13 Millionen Euro» gekostet, wie er schon vor gut drei Monaten sagte (vgl. Ausgabe vom 18. Mai). So musste die Odeg, um den Fahrdienst zu gewährleisten, von der Deutschen Bahn Ersatzzüge mieten. Diese waren obendrein langsamer als die neuen Kiss-Züge, was zum Ärger der Kunden Verspätungen verursachte und die Odeg zwang, Zwischenhalte zu streichen.

Laut Schuchmann steht die Odeg bezüglich ihrer Forderungen nach wie vor in Gesprächen mit Stadler Rail. «Wir hoffen auf eine gütliche Einigung, damit uns der Gerichtsweg erspart bleibt.»