Alles aus einer Hand

Die Strüby Konzept und Holzbau AG, eine Unternehmensgruppe aus Seewen, projektiert und realisiert Bauten aus Holz im industriellen, gewerblichen und privaten Bereich. Mit grossem Erfolg: 2011 konnte in Root ein neues Produktionszentrum eröffnet werden.

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Robert Kündig (rechts) in der neuen Produktionshalle in Root. (Bild: AHY)

Robert Kündig (rechts) in der neuen Produktionshalle in Root. (Bild: AHY)

«Unsere Kundinnen und Kunden haben eine Affinität zu Holz.» Robert Kündig, Delegierter des Verwaltungsrates, nennt ein emotionales Argument vorab, um die Frage nach den Vorteilen des Baustoffs zu beantworten. Es mache einfach Freude, in diesem weichen, warmen Naturmaterial zu leben und zu arbeiten. Dann aber folgen harte Fakten: Holz ist ein nachwachsendes, einheimisches Naturprodukt, das mit grösster Flexibilität als Baustoff eingesetzt werden könne und eine sehr gute Ökobilanz aufweise: Der am Ursprung des Produktes stehende Baum hat der Luft CO2 entzogen.

Rasante Entwicklung

Ein durchschnittliches Holz-Einfamilienhaus benötigt rund 40 m3 des Rohstoffs. Dieses Holz hat das CO2 von rund 300 000 zurückgelegten Kilometern eines Mittelklasse-Autos (130 g CO2/km) gebunden. Pro Jahr verarbeitet die Firma Strüby rund 15 000 m3 Konstruktionsholz aus Schweizer Wäldern und bindet damit rund 15 000 Tonnen schädliches CO2. Dies entspricht dem durchschnittlichen jährlichen Ausstoss von rund 800 Haushalten oder 7500 Mittelklasse-Autos (15 000 km/Jahr). Dieses heutzutage schwer in der Waagschale wiegende Argument zu Gunsten des Werkstoffs Holz war 1949 noch kein Thema. In diesem Jahr wurde in Seewen gemäss Kündig eine einfache Zimmerei eröffnet, die sich den klassischen Disziplinen wie Dachstühlen, Chalets und landwirtschaftlichen Gebäuden widmet.

Als entscheidender strategischer Schritt für die rasante Entwicklung des immer noch von Familienhand geführten Unternehmens sieht Kündig die spätere Gründung des eigenen Planungs- und Architekturbüros. «Wir sind heute ein Gesamtleistungsanbieter mit 215 Mitarbeitenden und betreuen unsere Kunden von der Planung über die Baueingabe und die Realisation bis zur Übergabe der Schlüssel.» Nebst den konzeptionellen und logistischen Vorteilen der «Alles-aus-einer-Hand-Strategie» hat diese Geschäftsstruktur natürlich auch kommerzielle Vorteile: «Wir können Planungs- und Architekturarbeiten zu vernünftigen Konditionen ins Budget des Gesamtprojektes einsetzen, da bleibt mehr für die Realisation und somit das Produkt an sich» erklärt Robert Kündig.

Bis fünf Stockwerke

Die Geschäftsidee funktioniert bestens am Markt. Ein Kundenbeispiel sind die bekannten Landi-Verkaufsläden: Seit 15 Jahren realisiert die Firma Strüby sämtliche Neu- und Umbauten in der ganzen Schweiz in enger Partnerschaft mit dem Kunden. «Wir sind zuständig für die gesamte Planung, Architektur, Verkehrskonzepte, Baueingaben und anschliessend natürlich die Realisation.» Dieser Auftrag habe dem Unternehmen einen, wie Kündig sagt, grossen Schub gegeben. Das Planungsbüro wurde massiv ausgebaut. Heute baut Strüby Projekte mit bis zu fünf Stockwerken aus Holz. Das sind Grössenordnungen, die vor wenigen Jahren aus feuerpolizeilichen, statischen und akustischen Gründen noch nicht realisierbar waren. «Heute darf man feststellen, dass Holz für Gebäude bis zu dieser Grösse der muralen Bauweise ebenbürtig gegenübersteht.»

Auch im Ballenberg tätig

So ist die Firma Strüby im Jahre 2012 auf allen Gebieten des Gebäudebaus aktiv: zu den traditionellen Bereichen Landwirtschaft und Gewerbebau kommt immer mehr auch der private Sektor mit den Ein- und Mehrfamilienhäusern in Holzkonstruktion. Und der Bereich Umbauten: «Mit Holz lässt sich zum Beispiel sehr gut ein mural gebautes Haus um einen Stock erhöhen, ohne dass die Statik damit gross tangiert wird» erzählt Robert Kündig. Ein Fachgebiet für sich sind die historischen Gebäude, die von einem Team von Spezialisten betreut werden. «So waren wir auch schon im Ballenberg tätig» erzählt Robert Kündig. Durch diese Tätigkeit besteht ein reger Kontakt zu den kantonalen Stellen für Denkmalpflege.

Ein Befreiungsschlag

2011 wurde hinter dem D4 Center in Root-Längenbold eine neue Produktionshalle in Betrieb genommen, was eine Verdoppelung der Kapazitäten ermöglicht. «Das war ein richtiger Befreiungsschlag! Die Grösse des Gebäudes ermöglicht es unseren Mitarbeitern, für mehrere Gebäude parallel Fassaden, Zwischendecken und Dachelemente zusammenzubauen.» Auch Bereiche der Inneneinrichtungen wie elektrische Installationen werden vor Ort bereits verlegt. «Dies erlaubt es uns anschliessend, zum Beispiel ein Sechsfamilienhaus auf der Baustelle innert einer Woche aufzustellen.» Und damit ist ein weiterer grosser Vorteil der Holzbauweise in Holz genannt: die Schnelligkeit des Errichtens. «Denn bei aller Affinität zum Werkstoff Holz: Ein Projekt muss sich immer auch rechnen», schmunzelt Robert Kündig.

Andréas Härry