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Alles aus einer Hand: Neues Label soll Bio-Angebot in Fachläden beleben

Dreiviertel des Umsatzes mit Bioprodukten wird von den Grossverteilern Coop und Migros gemacht. Das Nachsehen haben die kleineren Fachgeschäfte. Das Label «bioPunkt» soll ihnen jetzt zu mehr Schwung verleihen

Sabina galbiati
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Trockenerbsen, Birnentomaten, Kefen und Brokkoli von Pro Specie Rara lassen Bio-Herzen höher schlagen.

Trockenerbsen, Birnentomaten, Kefen und Brokkoli von Pro Specie Rara lassen Bio-Herzen höher schlagen.

HO

Immer mehr Kunden kaufen Bio. Doch davon merken Fachhändler kaum etwas. Wer in einen Bio-Apfel beisst, hat diesen meistens bei Coop oder in der Migros gekauft. Nur jeder vierte Franken wird im Fachgeschäft oder im Hofladen umgesetzt.

Biopunkt: Das steckt drin

Unter Biopunkt laufen die drei Labels Knospe, Demeter und Pro Specie Rara. Die Richtlinien entsprechen jenen von Bio Suisse für Knospe-Produkte. Diese sind strenger als die von Bundesbern vorgeschriebenen Mindestanforderungen. Auf Bio-Knospe-Bauernhöfen muss auf dem gesamten Hof in Bio-Qualität produziert werden, nicht nur in einzelnen Betriebsteilen. Bei Dünger und Pflanzenschutzmitteln gibt es zusätzliche Einschränkungen. Es gelten höhere Auflagen an die Flächen zur Förderung der Artenvielfalt. Pro Specie Rara setzt sich für die Erhaltung bedrohter Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen ein. Demeter-Bauern verwenden biologische Präparate, die homöopathisch dosiert werden und Nützlinge von Pflanzen und Tieren fördern sollen. (Gal)

Die Gründe: Kleinere Händler haben kaum Werbebudgets, kämpfen oft mit dezentralen Standorten und können mit den tiefen Preisen der Grossverteiler nicht mithalten. Die Umsatzzahlen zeichnen dieses Bild nach: Coop und Migros beherrschen den Markt. Von den zwei Milliarden Bio-Franken gingen 2013 eine Milliarde an Coop und eine halbe Milliarde an die Migros.

Priska Roth kennt die Probleme der Kleinhändler. Sie führt in Zofingen das Bio-Fachgeschäft Portanatura. «Gegenüber den Preisen der Grossverteiler können wir nur mit Fachwissen, guten Geschäftsideen und Herzlichkeit bei unseren Kunden punkten.»

Die Bio Partner Schweiz AG will Abhilfe schaffen. Sie ist einer der grössten Handelspartner für Bio-Fachgeschäfte in der Schweiz.

Kommende Woche lanciert sie das neue Label «bioPunkt». Früchte und Gemüse der Label Knospe von Bio Suisse, Demeter und Pro Specie Rara sollen eine eigene Verkaufstheke unter dem «bioPunkt»-Logo erhalten (siehe Infobox).

«Nebst der Beratung durch die Angestellten sollen Rezeptkarten und Hintergrundinformationen zu besonderen Produkten die Kunden zum Kaufen animieren», sagt Andreas Jiménez, Geschäftsführer der Bio Partner.

Portanatura in Zofingen ist einer der Pilotläden, die «bioPunkt» einführen. «Die neue Dachmarke soll unseren Kunden die Entscheidung für ein Produkt erleichtern, weil sie sicher sein können, dass «bioPunkt» nur die drei strengsten Labels mit Produkten vorwiegend aus der Schweiz beinhaltet», sagt Roth.

50 Geschäfte bis Ende Jahr

Roth erhofft sich durch das Label auch einen steigenden Umsatz und sie rechne mit einem Wiedererkennungseffekt, sobald das Logo in vielen Bio-Fachgeschäften eingeführt sei. Bis Ende Jahr will Bio Partner schweizweit 50 Fachgeschäfte ausstatten. «Zudem sollen später weitere Produktgruppen unter «bioPunkt» Platz finden», so Jiménez.

Roth sieht im Verkaufsprogramm auch den Vorteil, dass keine Lieferengpässe entstehen: «Neben den Grossverteilern, die die Biobauern unter Vertrag nehmen, haben es die Fachgeschäfte oft schwer, genügend biologische Ware zu bekommen. Wenn im Regal die Birnen oder der Salat fehlen, dann fällt das den Kunden natürlich negativ auf», sagt sie.

Stefan Rot, Geschäftsführer der Egli- Biofachgeschäfte, kennt dieses Problem. Er sieht das Verkaufsprogramm zwar als Chance: «Die Bio Partner AG als Zwischenhändler kann den Bauern grössere Mengen abnehmen und dadurch garantieren, dass die Fachgeschäfte keine Engpässe haben oder gar leere Regale.»

Allerdings verweist Rot auf einen Knackpunkt, «gerade die Regionalität ist vielen Kunden wichtig und die kann das Konzept von «bioPunkt» nur bedingt gewährleisten».

Den Fünfer und das Bio-Rüebli wird es also nicht geben. Es ist sogar möglich, dass Obst und Gemüse aus dem Ausland geholt werden. Zwar will man unter der neuen Konzeptmarke Produkte aus der Schweiz fördern, heisst es. «Doch je nach Ernte und Angebote der Bauern können wir Produkte von Demeter und zum Teil Knospe im Notfall auch aus dem Ausland beziehen», sagt Jiménez. Die Herkunft sei aber immer deklariert und die Qualität bleibe die gleiche.