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CPH: Alles begann mit der Chemiefabrik

Die Chemie und Papier Holding AG (CPH) feiert ihr 200-Jahre-Jubiläum. Über die ganze Zeit hatte die gleiche Familie das Sagen im Unternehmen. Dessen Wurzeln gehen auf Färbemittel für die Textilindustrie zurück.
Rainer Rickenbach
Illustration des Fabrikgeländes von 1896. (Bilder: CPH)

Illustration des Fabrikgeländes von 1896. (Bilder: CPH)

Die Papierfabrik Perlen hatte im 19. Jahrhundert einen holprigen Start. Die Idee von Luzerner ­Geschäftsleuten, aus Holzstoff Papier herzustellen, war zwar ­bestechend, da der Krienser ­Maschinenfabrikant Theodor Bell in Perlen unter Nutzung der Reuss-Wasserkraft bereits 1872 eine Holzstofffabrik zu erstellen begann. Auch die Marktlage war viel versprechend. Die Nachfrage nach Papier wuchs damals ­kometenhaft. Denn Drucken war dank des technischen Fortschritts kein Luxus mehr.

Papiermaschine von 1954.

Papiermaschine von 1954.

Doch die Initianten hatten den Geldbedarf unterschätzt, als sie ein Jahr nach Baubeginn der Holzstofffabrik mit zwei Papiermaschinen ins Papiergeschäft einsteigen wollten. Etwa 2,5 Millionen Franken hatten sie dafür veranschlagt. Trotz Bankhypotheken, Aktienkapital und Obligationenanleihen bekamen sie diese Summe nicht zusammen, und dass sich Bell beim Bau der Papiermaschinen schwertat, war auch nicht hilfreich. Die Zukunft hing an einem seidenen Faden: Im Herbst 1877 befanden sich ­gerade mal 136.18 Franken in der Firmenkasse und ein Liquidationsbeschluss schon auf dem Pult. Es muss den Neu-Unternehmern wie ein gewaltiges Weihnachtsgeschenk vorgekommen sein, als die «Eidgenössische Bank» Ende Jahr mit einem Vorschuss zu Hilfe eilte. Dank ihm war die Liquidation vom Tisch, die Papierfabrik begann zaghaft Tritt zu fassen. Ein paar Jahre später zählte sie bereits zu den grössten Papierherstellern der Schweiz.

Wohnungen für die Mitarbeiter

Schon früh stieg der Unternehmer Rudolf Schnorf aus dem zürcherischen Uetikon in die Holzstoff- und Papierfabrik Perlen ein. «Er beteiligte sich an der notwendigen Sanierung der Firma und hielt danach 14 Prozent der Prioritätsaktien», heisst es im heute erschienenen Buch «Familie Schnorf und die Schwefelsäure»*. Die Familie hatte ihr Geld mit Färbemittel für Textilien verdient und in Uetikon direkt am Zürichsee eine Chemiefabrik erstellt, die rasch wuchs. Sie gilt als Keimzelle der heutigen Chemie und Papier Holding AG (CPH), ihre Tätigkeit nahm sie vor 200 Jahren auf. Dieses Jubiläum feiert die Unternehmensgruppe am Freitag (siehe Kasten). Ins Papiergeschäft hatte sie investiert, um breiter abgestützt zu sein und nicht mehr mit Haut und Haaren den Konjunkturrisiken des Chemiegeschäftes ausgeliefert zu sein.

Die Rechnung ging auf: Nach und nach baute die Uetikoner «Chemiefamilie» ihr Engagement in Perlen aus. 1958 wurde sie Mehrheitsaktionärin der Papierfabrik, in den 1990er-Jahren kam diese zusammen mit den Sparten Chemie und der Verpackung unter das neu gegründete Holdingdach der CPH. Die Gruppe beschäftigte 970 Mitarbeitende und erwirtschaftete 1992 einen Umsatz von 280 Millionen Franken. Der Löwenanteil entfiel auf das Papiergeschäft.

Papiersortierhalle im Jahr 1900.

Papiersortierhalle im Jahr 1900.

Die Papierfabrik galt als sozialer Arbeitgeber. Sie baute für ihre Mitarbeitenden günstige Wohnungen und betrieb für sie eine eigene Krankenkasse und Pensionskasse, lange bevor die jeweilige Versicherungspflicht Tatsache war. 1973 schrieb der damalige Verwaltungsratspräsident Ulrich Geilinger, die Aktionäre seien nicht verwöhnt worden: «Der Ausbau des Werkes und seiner Sozialeinrichtungen hatte stets Vorrang vor den Gewinnausschüttungen.»

Heute trägt die mit modernsten Maschinen ausgestattete Papiersparte 56 Prozent zum Gruppenumsatz bei. Das Spartenpendel schlägt aber in die ­andere Richtung aus. Perlen ist der letzte verbliebene Zeitungspapierhersteller der Schweiz und bekommt den heftigen Strukturwandel der Medienbranche in Form eines Preiszerfalls zu spüren. Der Verwaltungsrat forciert darum die rentablen Bereiche Chemie und Verpackung. Ziel ist es, deren Umsatzanteil auf 50 Prozent zu erhöhen. Die börsenkotierte CPH ist heute international aufgestellt und betreibt auch Produktionsstandorte in Amerika und China. Der Gruppenumsatz beziffertet sich im vergangenen Jahr auf knapp 470 Millionen Franken (siehe Grafik), die Zahl der Mitarbeitenden auf weltweit 1019 Personen.

Hinweis
* Matthias Wiesmann: «Familie Schnorf und die Schwefelsäure». Herausgeber: Verein für wirtschaftshistorische Studien, 168 Seiten, 111 Bilder, 33 Franken. Bestellbar unter www.pioniere.ch.

Familie prägt die Firma seit 200 Jahren

Peter Schaub, Verwaltungsratspräsident der Chemie und Papier Holding AG, ist ein Nachfahre der «Chemiefamilie» Schnorf, die vor 200 Jahren damit begann, Textilfärbemittel im zürcherischen Uetikon herzustellen und sich 1876 an der neugegründeten Papierfabrik Perlen beteiligte. Dass eine Familie über eine derart lange Zeit die Geschicke eines Unternehmens massgeblich prägt, ist ungewöhnlich. Vielleicht ist darum Bundesrat Johann Schneider-Ammann heute Freitag an der Jubiläumsfeier in Uetikon zu Gast.

«Die Familie steht voll und ganz hinter dem Unternehmen. Für sie ist der nachhaltige und langfristige Erfolg der Gruppe entscheidend. Das ist wichtig, da in unserem Geschäft die Investitionszyklen sehr lange sind», sagt CPH-Unternehmenschef Peter Schildknecht.

Operativ sind die Familienaktionäre zwar nicht mehr in der Unternehmensgruppe tätig. «Doch sie sind im Verwaltungsrat präsent und bringen sehr viel Erfahrung ein», erklärt Peter Schildknecht. Die Besitzerfamilien kontrollieren heute 57 Prozent der CPH-Aktien, drei Vertreter von ihnen gehören dem sechsköpfigen Verwaltungsrat an. Das Unternehmen ist börsenkotiert, die Namenaktie hat seit Jahresbeginn um stolze 58 Prozent zugelegt.

Dass sich die CPH-Gruppe entgegen dem derzeitigen Trend nicht ausschliesslich auf eines ihrer Standbeine Papier, Chemie und Verpackung konzentriert und die anderen abstiess, ist nach Einschätzung von CEO Schildknecht ein Glücksfall. «Modeströmungen kommen und gehen. Der Erfolg der Unternehmensgruppe basiert auf den drei industriellen Standbeinen, die in unterschiedlichen Märkten und Marktzyklen tätig sind. Dadurch kann auch mal eine schwächere Marktphase in einem Bereich durch die anderen Standbeine ausgeglichen werden. Das reduziert das unternehmerische Risiko zusätzlich», sagt Schildknecht.

Zudem sei es der Chemie und Papier Holding immer wieder gelungen, sich «neu zu erfinden». Schildknecht: «Vor zwanzig Jahren war die CPH noch fast ausschliesslich auf die Schweiz ausgerichtet. Heute sind wir eine international tätige Gruppe und produzieren an neun Standorten rund um die Welt.» (rr)

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