Alstom-Chef: «Das kann Arbeitsplätze in der Schweiz gefährden»

Seit sechs Jahren ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen Alstom wegen Korruptionsverdacht. «Zu lang», klagt Schweiz-Chef Andreas Koopmann.

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Aargauer Zeitung

Sven Millischer

«Die Bundesanwaltschaft ermittelt seit nunmehr sechs Jahren – das ist eindeutig zu lang», kritisiert Alstom-Schweiz-Chef Andreas Koopmann. Dieser Schwebezustand sei für die Firma unhaltbar: «Wir wollen, dass die Untersuchung nun zügig zu einem Ende gebracht wird», fordert Koopmann. Denn der Korruptionsvorwurf schade dem Unternehmen enorm. Zum einen schwäche er die Stellung von Alstom Schweiz innerhalb des Konzerns: «Am Ende gefährdet die lange Ermittlung womöglich noch Arbeitsplätze in der Schweiz.»

Hierzulande arbeiten rund 6300 Angestellte für Alstom. Zum anderen erhalte die Öffentlichkeit ein negatives Bild vom Industriekonzern: «Immer wieder fragen uns Geschäftspartner, was da eigentlich los sei», so Koopmann. Dennoch rechnet der Schweiz-Chef nicht mit einem raschen Abschluss der Untersuchungen: «Es kann noch mehrere Jahre dauern.»

Die Bundesanwaltschaft eröffnete 2003 das Korruptionsverfahren. Im Zentrum der Ermittlungen stand seither der Bankier Oskar Holenweger, gegen den Anfang Mai Anklage erhoben wurde. Er soll Alstom in den Neunzigerjahren über Offshore-Gesellschaften fiktive Rechnungen gestellt haben. Diese Bestechungsgelder soll Holenweger im Auftrag des Industriekonzerns an Dritte wie einen brasilianischen Amtsträger weitergeleitet haben. Dafür erhielt Alstom im Gegenzug den Zuschlag bei Grossprojekten.