Export-Wirtschaft
Alt Bundesrätin Ruth Metzler: «Das Bild der Schweiz bekam Kratzer»

Im Interview verrät Ruth Metzler, alt Bundesrätin und VR-Präsidentin von Switzerland Global Enterprise (S-GE), wie sie den Standort Schweiz fördern will.

Roman Seiler
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Die ehemalige Bundesrätin Ruth Metzler (Archiv)

Die ehemalige Bundesrätin Ruth Metzler (Archiv)

Keystone

Die Exporte sind im ersten Quartal um 1,4 Prozent geschrumpft. Wegen des starken Frankens oder wegen Standortschwächen?

Ruth Metzler: Die Rahmenbedingungen des Standorts haben sich nicht verschlechtert. Aber andere Länder haben diesbezüglich zugelegt. Für exportierende Firmen gilt daher, sich stets neu zu erfinden, innovativ zu bleiben. Diesbezüglich sind Schweizer KMU gut positioniert. Zudem zeigen diese Zahlen, wie wichtig es ist, dass Firmen wegen des starken Frankens nicht nur auf Europa setzen, sondern in verschiedene Märkte exportieren.

Unternehmen sind wegen des starken Frankens nach 2011 erneut von Margen-Erosionen betroffen. Verlagern sie nun Tausende von Arbeitsplätzen?

Das ist eine Realität in der Wirtschaftswelt. Dass einige davon auch bei uns anklopfen, ist naheliegend, weil unser Auftrag darin besteht, Firmen bei der Internationalisierung ihres Geschäfts zu helfen.

Kommen Sie also wieder in die Kritik, weil Sie Firmen dabei mit Steuergeldern unterstützen?

Gerade wegen dieses Auftrags können wir uns bei solchen Anfragen nicht hinter dem Argument verstecken, wir seien mit Steuergeldern finanziert. Dabei geht es nicht immer um die Verlagerung von Arbeitsplätzen. Firmen fragen uns auch, wie sie gewisse Güter statt in der Schweiz im Ausland beschaffen können.

Auch das schadet einheimischen Firmen.

Für uns gilt, was wir schon 2011 auf unsere Fahne geschrieben haben: Wir haben den Auftrag, Schweizer Firmen bei Exportprojekten zu unterstützen; und wir wollen letztlich den Standort Schweiz stärken. Wenn ein Unternehmen auf uns zukommt, um sich zu informieren, um etwas im Ausland zu beziehen oder Arbeitsplätze zu verlagern, hilft das den Unternehmen zu überleben. Das hilft auch dem Standort in der Schweiz.

Wie stark erodiert Ihr zweites Standbein: die Ansiedlung von Firmen aus dem Ausland in der Schweiz und die damit einhergehende Schaffung von Arbeitsplätzen?

Seit 2005 geht die Ansiedlung neuer Firmen zurück. Damals zogen 507 Firmen in die Schweiz, die 3461 Arbeitsplätze schufen. 2014 waren es noch 274 Firmen und 780 Arbeitsplätze. Das hat auch damit zu tun, dass nicht mehr jede Firma erwünscht war. Es war positiv, eine Diskussion darüber zu führen, welche Firmen aus welchen Branchen man hier ansiedeln will.

Andererseits stieg auch die Kritik, weil sich mehr Ausländer in der Schweiz niederliessen.

Die Standortförderung schafft vorzugsweise Arbeitsplätze für Schweizer oder für Personen, die schon hier wohnen. Firmen, die hier angesiedelt werden, sind nur für zwei bis vier Prozent der Zuwanderung zuständig, wie eine Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft zeigt.

Nicht nur der Franken wird härter, sondern auch das politische Klima gegenüber Ausländern. Inwieweit ist es deswegen schwieriger geworden, Firmen in die Schweiz zu locken?

Das Bild betreffend die Stabilität und die Rechtssicherheit der Schweiz bekam wegen diverser Volksinitiativen Kratzer ab. Auch wenn nicht alle angenommen worden sind. In diesem Bereich haben wir einen Informationsauftrag – primär in der Standortpromotion gegen aussen. Die Einwanderungsinitiative wirft so schon viele Fragen auf.

Mehr Arbeit, weniger Budget. Wie verhindern Sie, dass der Bundesrat Ihnen die Mittel für die kommenden vier Jahre kürzt?

Das war bereits vor vier Jahren so. Der Bundesrat verlangte eine Budgetkürzung. Das Parlament folgte dann unserem Antrag. Es könnte auch jetzt wieder so kommen. Ich bin mir bewusst, wie schwierig das in einer Situation ist, wo man überall sparen sollte. Aber letztlich ist die Standortförderung eine Investition in die Zukunft. Darauf müssen wir in der politischen Diskussion hinweisen.

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