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ALTERSRENTEN: Die Jungen tragen die Hauptlast

Die Reform der Altersvorsorge bringt für die jungen Generationen happige Kosten mit sich. Trotzdem löst sie das sich abzeichnende Finanzierungsproblem lediglich für die nächsten 15 Jahre.
Rainer Rickenbach
Für wen bringt die Rentenreform eine Mehrbelastung? Vor allem jüngere Beitragszahler werden zur Kasse gebeten. (Bild: Christoph Schürpf/Keystone)

Für wen bringt die Rentenreform eine Mehrbelastung? Vor allem jüngere Beitragszahler werden zur Kasse gebeten. (Bild: Christoph Schürpf/Keystone)

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Eine Altersgruppe kommt bei der Altersvorsorgereform richtig gut weg: Für die heute 53- bis 63-Jährigen bleiben unter dem Strich mehrere tausend Franken mehr übrig als ohne Reform. Bei einer 63-jährigen berufstätigen Person summiert sich der Unterschied bis zum statistischen Lebensende sogar auf mehr als 10 000 Franken (Grafik), falls die Stimmberechtigten am 24. September das Reformwerk gutheissen. Denn die älteren Berufstätigen werden nach ihrer Pensionierung monatlich 70 Franken mehr AHV-Rente erhalten als die heutigen Rentner. Gleichzeitig sind sie von den höheren Lohnabgaben für die AHV weniger lang betroffen, weil sie bereits in den nächsten Jahren von Beitragszahlern zu Rentenempfängern werden.

Wie viel die verschiedenen Altersgruppen zur grössten Reformvorlage dieses Jahrzehnts beisteuern, haben die Vorsorgefachleute der UBS ausgerechnet. Gestern stellten sie am Vorsorge­forum in Zürich die Ergebnisse vor. «Die Reform bringt zwar Verbesserungen bei der Rentenfinanzierung. Das Ziel der Generationengerechtigkeit erreicht sie aber nicht», sagte Studienmitverfasserin Veronica Weisser. Die Kosten für die Reform sind in der Tat ungleich verteilt. Den grössten Teil schultern die Jungen: Sie haben höhere AHV-Beiträge zu berappen und wegen der gestaffelt steigenden Mehrwertsteuer mehr Konsumausgaben zu stemmen. Die Mehrkosten bis zum Lebensende für 18- bis 35-Jährige beziffert die UBS auf 9000 bis 15'000 Franken. Die bereits Pensionierten bekommen die Reform über die steigende Mehrwertsteuer weniger stark zu spüren. Sie werden bis zum statistischen Lebensende mit 600 bis 4000 Franken zur ­Kasse gebeten. Von den umstrittenen 70 Franken mehr AHV-Rente haben sie nichts, die gehen nur an Neurentner.

Es wird mehr als eine Reform notwendig sein

«Heute lautet das Versprechen: Jede Generation erhält im Alter mehr, als sie einbezahlt hat. Das kann nicht funktionieren», sagte Weisser. Diese Rechnung ging lange auf, weil im letzten Jahrhundert die Zahl der Beitragszahler stärker wuchs als die Anzahl Rentner. Doch seit acht Jahren verabschiedet sich die Babyboomer-Generation nach und nach aus dem Erwerbsleben. Sie kommt heute zwar immer noch für den Löwenanteil der AHV-Einnahmen auf, denn die älteren Berufstätigen sind zahlreich und mit 50 plus in einem Alter, in dem viele gut verdienen. Aber mit jedem Jahr bröckelt dieser Beitragssockel stärker, gleichzeitig steigt die Zahl der Rentner rasant an. Bis 2035 nimmt sie um 60 Prozent zu, bis 2060 verdoppelt sie sich sogar. Heute beziehen in der Schweiz mehr als 2,2 Millionen Personen eine AHV-Rente. Mit diesem Tempo kann die Zahl der Beitragszahler nicht Schritt halten. Heute entfallen auf einen Rentner 3,5 Berufstätige, 2060 werden es nur noch 2 Beitragszahler sein. Mit der Einwanderung von ausländischen Fachkräften lässt sich das Ungleichgewicht nicht abwenden. Weisser: «Sie verschiebt bloss zeitlich das Problem. Denn sobald ein Immigrant Rentenbeiträge einzahlt, beginnt für den Staat eine neue Leistungspflicht.»

Für Weisser ist klar, dass die aktuelle Reform erst ein Anfang sein kann. Denn selbst wenn die Vorlage angenommen wird, klafft laut UBS langfristig eine Finanzierungslücke von 826 Milliarden Franken. Wenn sie scheitert und nichts geschieht, würde sich die Lücke bis nach 2060 sogar auf über 1 Billion Franken vergrössern. Bei ihren Berechnungen ging die UBS von einem realen Zinssatz von durchschnittlich 2 Prozent und einem jährlichen Produktionszuwachs in der Höhe von 1 Prozent aus.

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