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ALTERSRENTEN: UBS sieht Vorsorgesystem in Gefahr

Die UBS sieht schwarz: Ohne Reform drohen den Jungen sehr hohe Altersvorsorge-Beiträge oder den Ruheständlern Rentenkürzungen. Ihr Vorsorgeindex rutscht so tief ab wie seit 2005 nicht mehr.
Rainer Rickenbach
Ruhestand gefährdet: Derzeit sind fast 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung über 65 Jahre alt, Tendenz steigend. (Bild: Christof Schürpf/Keystone)

Ruhestand gefährdet: Derzeit sind fast 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung über 65 Jahre alt, Tendenz steigend. (Bild: Christof Schürpf/Keystone)

Rainer Rickenbach

Ob sie im Alter ausreichend Einkommen haben, bereitet gemäss Sorgenbarometer den Schweizerinnen und Schweizern derzeit den grössten Kummer. Gestern lieferte die Grossbank UBS die Gründe für die Angst nach. «Die Rentenlücke wird ansteigen», heisst es in ihrem Vorsorgeindex. Mit der Lücke meint sie: In Zukunft zahlen weniger Berufstätige in die Vorsorgeeinrichtungen ein, gleichzeitig beziehen immer mehr Rentner von dort das Geld, das ihnen zusteht. Da die Lebenserwartung steigt, erhalten sie zudem länger Rente.

In ihrem Index misst die Bank für das Rentensystem wichtige Daten zur Demografie, zur Finanzlage der Vorsorgeeinrichtungen, zu den politischen Reformen sowie zur Wirtschaftsentwicklung und vergleicht sie mit dem Vorjahresquartal. Das aktuelle Ergebnis für dieses Jahr fällt ernüchternd aus: Seit 2005, als der «Pulsmesser für das Schweizer Vorsorgesystem» zum ersten Mal ermittelt wurde, fiel die Indexkurve noch nie so tief in den Keller wie heuer. Selbst nach der ­Finanzkrise, als die taumelnden Finanzmärkte krasse Spuren in den Anlagevermögen von AHV und Pensionskassen hinterliessen, waren die Daten besser als jetzt, nachdem die Stimmberechtigten die Reformvorlage Altersvorsorge 2020 versenkt haben. Einzig die Wirtschaftslage gibt etwas Anlass zur Hoffnung.

Bevölkerungsanteil der Rentner steigt stetig

«Auch wenn es auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist – die Renten werden ja vorläufig wie bisher ausbezahlt –, befindet sich das Schweizer Vorsorgesystem ohne weitere Reformen in Gefahr», sagt Jacki Bauer, Autorin des Index-Textes. Viele Gefahren verschärfen sich nach dem Nein zur Rentenreform, weil die Zeit davonzulaufen droht.

Demografie:Die Zahl der Geburten stagniert und die Zuwanderung von jüngeren ausländischen Arbeitskräften, die in die Vorsorgeeinrichtungen einzahlen, ist rückläufig. Da die geburtenstarken Jahrgänge in den Altersruhestand gehen, verschiebt sich das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentnern weiter. 2016 waren 29,3 Prozent der Bevölkerung im Alter von 65 und mehr. In diesem Jahr dürften es bereits 29,9 Prozent sein – Tendenz weiter steigend. Bauer: «Die demografische Entwicklung stellt die grösste Belastung für das Vorsorgesystem dar.»

Umverteilung:Als Folge der demografischen Entwicklung müssen die Jungen bei der AHV mit dem Umlageverfahren früher oder später stärker zur Kasse gebeten werden. In den Pensionskassen kommen die Erwerbstätigen bei der Renditeverteilung zu kurz, da ein Teil des Gewinnes systemwidrig in die Renten fliesst. Zu erwarten haben die Jungen aber wenig. Bauer: «Die Nachhaltigkeit des Vorsorgesystems ist nicht gewährleistet. Zukünftige Generationen müssen mit erheblichen Rentenkürzungen oder massivem Anstieg der Beiträge und Steuern rechnen.»

Finanzen:Dem Aktienboom stehen dieses Jahr die Anlagen von AHV und Pensionskassen in Anleihen mit kümmerlichen Zinsen gegenüber. Immerhin: Die Pensionskassen brachten es dank der Aktien in den ersten drei Quartalen auf eine Rendite von 4 Prozent und ihre Kapitaldecken sind ausreichend. An der überschaubaren Renditesituation dürfte sich nach Einschätzung der UBS so schnell nichts ändern. Da die Gehälter stagnieren, nimmt die AHV keine wachsenden Lohnabgaben ein. Ohne Reform dürfte der mit heute 35 Milliarden Franken dotierte AHV-Fonds in rund zehn Jahren aufgebraucht sein.

Wirtschaftsentwicklung:Sie bildet momentan den einzigen Lichtblick. Die UBS rechnet mit einem Aufschwung. Die Wirtschaft soll dieses Jahr um 1 Prozent wachsen, im kommenden Jahr um 1,8 Prozent. Das bedeutet weniger Arbeitslose und stabilere AHV-Beiträge von Arbeitnehmern und -gebern.

Die UBS mahnt Reformen an und empfiehlt, eigenverantwortlich zu sparen – letzteres freilich nicht ohne Eigeninteresse, denn die Grossbank ist eine wichtige Anbieterin der dritten Säule. Vor allem für Frauen sei die private Vorsorge wegen Babypausen und tieferen Löhnen wichtig.

Schätzung der Lebenserwartung und der Geburtenrate. (Bild: Quelle: UBS, Grafik: Isi)

Schätzung der Lebenserwartung und der Geburtenrate. (Bild: Quelle: UBS, Grafik: Isi)

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