ALTERSVORSORGE: Die Hypothek der Krisenkinder

Sie sind sehr gut ausgebildet, technikaffin und geprägt von der Finanzkrise: die Millennials. Und trotzdem müssen sie mehr leisten, um den Wohlstand ihrer Eltern zu erreichen

Daniel Zulauf
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Bild: Grafik: LZ

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Die Stabilisierung der Altersvorsorge in den westlichen Industrieländern erfordert die tatkräftige Mithilfe der jungen Bevölkerung. Nicht nur in der Schweiz muss die Generation der heute unter 30-Jährigen einen immer höheren Anteil ihrer Einkommen an die Sicherung der Pensionen bestehender Rentnergenerationen beisteuern. Dabei hält die Arbeitswelt schon genügend Herausforderungen für die Millennials bereit.

Diese Generation, die den Berufseinstieg während der globalen Finanz- und Schuldenkrise machen musste, ist bereits deutlich ärmer als die Generation ihrer Eltern (Babyboomer). Die US-Notenbank schätzt das durchschnittliche Vermögen der heute 25- bis 34-jährigen Amerikaner auf etwa 60 Prozent des Vermögens, das ihre Eltern im gleichen Alter besessen hatten. Ein Grund dafür ist zweifellos, dass die jungen Amerikaner immer mehr Geld zur Finanzierung ihrer Ausbildung benötigen. 1985 waren in den USA knapp 9 Millionen Studentenkredite im Gesamtvolumen von 64 Millionen Dollar ausstehend. 30 Jahre später beläuft sich die Anzahl Kredite auf 43 Millionen bei einem Volumen von 1,1 Milliarden Dollar.

Doch die Vermögenslücke, die in vielen Fällen auch eine Einkommenslücke sein dürfte, ist kein spezifisch amerikanisches Phänomen. Statistiken des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigen, dass sich die Einkommensverteilung in 29 der 50 grössten Volkswirtschaften der Welt in den letzten 25 Jahren teilweise deutlich von den Arbeitseinkommen zu Gunsten der Kapitaleinkommen verschoben hat.

Das alles macht es den Millennials nicht einfacher. Nach Berechnungen des IWF wird die Generation der heute 27-jährigen und Jüngeren ganze fünf Jahre länger arbeiten müssen (bis 68 statt bis 63) als die Generation der Babyboomer (48- bis 67-Jährige). Zudem werden die Millennials vom laufenden Einkommen über 6 Prozent mehr pro Jahr zur Seite legen müssen, um die Vermögenslücke zu ihren Eltern bis zur Pensionierung ausgleichen zu können (vgl. Grafik). Diese Herausforderung ist umso grösser, als sich auch in der Arbeitswelt grosse Umwälzungen ankündigen. Das Weltwirtschaftsforum zur Zukunft der Arbeit («World Economic Forum Future of Jobs») schätzt, dass zwei Drittel der Kinder, die derzeit eine Primarschule besuchen, einen Beruf ausüben werden, den es heute noch gar nicht gibt. Es wird vermutet, dass die Veränderungen der Arbeitswelt vor allem durch technische Entwicklungen geprägt sein werden. Laut den IWF-Ökonomen ist dies ein Grund, weshalb die junge Generation deutlich mehr Geld in die Ausbildung stecken will. Das Lohngefälle zwischen Hochqualifizierten und einfachen Arbeitern nimmt zu.

Weil die Millenials 50 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren, bilden sie eine Gruppe, deren Konsumbedürfnisse und deren Nachfrageverhalten auch ein grosses Investmentthema für die Zukunft werden wird. So sieht es jedenfalls die Credit Suisse. Die Bank hat die «Werte der Millennials» in einer in der vergangen Woche präsentierten Studie als einen von fünf «Supertrends» in der längerfristigen Geldanlage identifiziert. Millennials suchten nach sozial und ökologisch verträglichen Angeboten und hätten ein hohes Preisbewusstsein. Damit liesse sich wohl mindestens eine Streichliste mit den am wenigsten aussichtsreichen Investments erstellen.

Daniel Zulauf