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ALTISHOFEN: Peter Galliker: «Digitalisierung ist bereits Realität»

Transportunternehmer Peter Galliker erklärt, warum der Trend zu immer kleineren Paketen gefährlich ist. Und warum er ein Handy-Game entwickeln liess.
Maurizio Minetti
Peter Galliker (53), CEO der Galliker Transport AG, im Firmensitz in Altishofen. (Bild: Philipp Schmidli (Altishofen, 7. Februar 2017))

Peter Galliker (53), CEO der Galliker Transport AG, im Firmensitz in Altishofen. (Bild: Philipp Schmidli (Altishofen, 7. Februar 2017))

Interview: Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Peter Galliker, Sie haben vom Luzerner Game-Designer Christian Schnellmann das Handy-Spiel «Logistricks» entwickeln lassen. Warum das?

Das Game ist ein kleines Instrument, um jungen Leuten das Thema Logistik näherzubringen. Wir befinden uns in einer Transformationsphase: Eine neue, junge und digitale Generation steigt langsam auf, und wir wollen auch in Zukunft die richtigen Leute bei uns beschäftigen. Darum haben wir uns gefragt, wie wir diese Zielgruppe inspirieren können. So entstand die Idee eines Handy-Spiels. Die Digitalisierung ist für uns aber nicht nur ein Spiel, sondern bereits Realität.

Wie äussert sich das im Betrieb?

Wir mussten zum Beispiel früher palettenweise Lieferscheine lagern, heute legen wir sie nur noch digital ab. Somit kommen wir schneller zu den gewünschten Dokumenten und Daten.

Spielen Smartphones eine Rolle?

Ja, wir setzen gerade ein entsprechendes Projekt um. Bislang hatten wir ein fix montiertes Telematiksystem in den Lastwagen. Das ist heute ein Auslaufmodell. Unsere Chauffeure werden künftig nur noch ihre Smartphones dabei haben. Unsere Vorstellung ist es, dass der Kunde künftig eine Viertelstunde vor der Lieferung eine Nachricht bekommt mit dem Bild des Chauffeurs, der die Ware liefert.

Lohnen sich solche Digitalisierungs-Projekte finanziell?

Ja, wir haben eine Schaden-App für unseren Auto-Bereich. Früher mussten wir eventuelle Schäden auf Papier festhalten, heute geht das elektronisch. Diese App bietet einen Mehrwert, den wir auch verkaufen können – wir haben dank dieser Applikationen mehr Aufträge erhalten. Spannend wird es zudem, wenn wir unsere Daten auswerten. Wir werden in Zukunft genauer wissen, wie viel Diesel es für eine bestimmte Fahrt braucht. Dadurch können unsere Chauffeure ihre ökologische Fahrweise verbessern und so Ressourcen einsparen helfen.

Und was sagen die Chauffeure dazu?

Für die jüngere Generation ist das kein Problem, aber es stimmt, dass gewisse ältere Fahrer nun Mühe haben könnten, wenn alles digital ist. Es ist deshalb unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle Schritt halten können. Wir sind guten Mutes, dass auch die ältere Generation mit der Digitalisierung umzugehen lernt.

Wie viel investieren Sie ins Digitale?

In den nächsten zwei Jahren werden es 3 bis 4 Millionen Franken sein. Zudem werden wir den Bereich auch strategisch verstärken. Mein Schwager Fabian Studer, der in der Geschäftsleitung für Informatik zuständig ist, wird Spezialisten anstellen, die sich um nichts anderes als digitale Projekte kümmern werden.

Sie beschäftigen heute rund 1150 Chauffeure. Wie viele werden es in 20 Jahren sein?

Sie sprechen selbstfahrende Camions an. Eine gewisse Automatisierung wird sicher kommen, wir sind aber überzeugt, dass in der Logistik immer Menschen beschäftigt werden. Und zwar, weil wir physische Produkte bewegen. Auch wenn wir ein vollautomatisches Lager und Roboter haben: Irgendwo braucht es bei uns immer Menschen, die Paletten oder Pakete zu den Kunden bringen. Da sind Berufsgattungen, die ausschliesslich mit Daten und Zahlen arbeiten, wesentlich mehr gefährdet, weil Computer und Datenbanken immer autonomer werden.

Ein Trend in der Logistik ist, dass immer kleinere Pakete über immer grössere Distanzen geliefert werden. Sie sind aber auf grosse Stückzahlen spezialisiert.

Von der Umweltbelastung her geht dieser Trend völlig in die falsche Richtung. Dies führt nämlich dazu, dass in den Quartieren immer mehr Kleinfahrzeuge unterwegs sind, um jeweils zum Beispiel ein Handy abzuliefern. Für uns ist das tatsächlich ein schlechtes Szenario. Allerdings möchten wir nicht im Markt für Kleinpakete tätig sein.

Sie möchten in diesem boomenden Markt nicht mitmischen?

Wir haben vor einigen Jahren mit Qualipac einen Versuch gestartet, sind aber wieder ausgestiegen, weil wir preislich mit den Grossen der Branche nicht mithalten konnten. Seitdem konzentrieren wir uns auf Sendungen ab 30 Kilogramm. Spätestens wenn die Strassen so verstopft sind, dass man gar nicht mehr vorwärtskommt, wird man wieder wegkommen müssen von diesen Kleinpaketen.

Eine Lösung könnte Cargo Sous Terrain sein, eine milliardenteure unterirdische Bahn für Güter, die in der Schweiz in den nächsten Jahrzehnten gebaut werden soll. Wie stehen Sie dazu?

Wir unterstützen das Projekt grundsätzlich. Wenn es immer mehr Staustunden gibt und auch auf der Schiene die Kapazität nicht mehr reicht, liegt die einzige Ausbaumöglichkeit unter dem Boden. Ob das System dereinst wirklich realisiert werden kann, hängt aber von vielen Faktoren ab. Nicht zuletzt die Finanzierung dürfte eine Knacknuss sein.

Viel Geld investieren Sie aktuell in Altishofen? Hier planen Sie für 50 Millionen Franken ein «Car House», damit Sie 4500 Neuwagen lagern können. Was bringt Ihnen diese Mehrkapazität?

Wir haben zurzeit eine grosse Anzahl Neuwagen in mehreren Aussenanlagern bis nach Solothurn untergebracht. Diese werden wir im neuen Car House in Altishofen integrieren und dadurch rund 8700 LKW-Fahrten oder 350 Tonnen CO2-Emissionen im Jahr einsparen können. Das Projekt ist derzeit in Bearbeitung bei den kantonalen Behörden.

Planen Sie darüber hinaus weitere Investitionen?

Wir haben im Sommer das «Car Terminal» eingeweiht. Dank diesem Gebäude können wir die Anlieferung und den Verlad von Autos auf dem Areal effizienter abwickeln. Ausserdem haben wir vor eineinhalb Jahren mit dem Bau des Logistikcenter 4 begonnen. Die zweite Etappe wird im September fertiggestellt.

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