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Aluflexpack kommt an die Schweizer Börse

Mit Aluflexpack kommt ein neues Unternehmen an die Schweizer Börse. Der bisherige Besitzer Montana Tech Components will mit dem Börsengang rund 140 Millionen Euro lösen und gleichzeitig Mehrheitsaktionär bleiben.
Niklaus Vontobel
Mit dem Börsengang soll weiteres Wachstum finanziert werden: Aluflexpack-Werk in Zadar, Kroatien. (Bild: PD)

Mit dem Börsengang soll weiteres Wachstum finanziert werden: Aluflexpack-Werk in Zadar, Kroatien. (Bild: PD)

Die ersten Gerüchte waren bereits Mitte letzter Woche durchgesickert. Der Verpackungsspezialist Aluflexpack wolle seine Aktien noch im Juni an die Schweizer Börse bringen. Am Montagmorgen folgte die offizielle Bestätigung per Medienmitteilung. Kurz darauf erklärte Konzern-Chef Igor Arbanas in ­einer Pressekonferenz, warum der Hersteller von Aluminium-Kaffeekapseln rund 140 Millionen Franken lösen will an der Börse.

Aluflexpack gehört derzeit noch vollumfänglich der «Montana Tech Components». Deren Mehrheitsaktionär, der österreichische Unternehmer Michael Tojner, will nun einen Teil davon verkaufen, aber die Mehrheit behalten. Von dem Geld soll Aluflexpack rund 60 Millionen in den Ausbau von bestehenden Fabriken investieren. Mit den übrigen 80 Millionen sollen weitere Übernahmen bezahlt werden. Die zusätzlichen Kapazitäten hätten die global agierenden Kunden gewünscht, sagte Aluflexpack-CEO Arbanas. Auch er stammt aus Österreich.

Mehr kroatisch als aargauisch

Aluflexpack hat den Hauptsitz in Reinach im Kanton Aargau und wird entsprechend rasch einmal als «Reinacher Unternehmen» wahrgenommen. Doch dürfte es die Nachrichtenagentur Reuters besser getroffen haben, als sie Alu­flexpack als kroatisch bezeichnete. So betreibt der Konzern allein vier Fabriken in Kroatien – eine Fabrik in der Schweiz, eine in Frankreich und eine in der Türkei. Operativ wird Aluflexpack ebenfalls von Kroatien aus geleitet und auch die Wurzlen liegen dort.

Der Fussabdruck in der Schweiz ist denn auch vergleichsweise bescheiden, was die Arbeitsplätze anbelangt. Weltweit beschäftigt Aluflexpack rund 1150 Mitarbeitende, nicht einmal 5 Prozent davon arbeiten in der Schweiz. So arbeiten am Hauptsitz in Reinach gemäss Angaben des Unternehmens weniger als zehn Angestellte. Nicht allzu viel mehr sind es in der Klosterstadt Einsiedeln. Rund 40 Mitarbeiter stellen dort pro Jahr eine Milliarde Kaffeekapseln für die kürzlich übernommene Process Point Service her.

Chice Verpackungen sind aufwendig

Dass Aluflexpack überhaupt Mitarbeiter in Hochlohnländern wie der Schweiz oder in Frankreich hat, ist auf den ersten Blick erstaunlich. Immerhin gehö­ren blosse «Verpackungen» vermeintlich nicht zu jenen Hightech-Gütern, in denen westeuropäische Industrieunternehmen bestehen können. Doch auch «Verpackungen» sind zu Hightech geworden in einem Detailhandel mit Kaffee oder Schokolade, der heutzutage vielen Ansprüchen gleichzeitig genügen muss. So werden zum Beispiel in Einsiedeln Kaffeekapseln hergestellt für den globalen Kaffeeriesen Jacobs. In dieser Massenanfertigung muss dennoch jede einzelne Kapsel chic daherkommen, passend zum sorgfältig aufgebauten Image. Kleinste Qualitätsmängel genügen und der Kaffeegenuss ist dahin.

Dieses Miteinander von Masse und Klasse muss Aluflexpack auch schaffen, wenn es Verpackungen herstellt für den italienischen Weltkonzern Ferrero. Deren in goldenem Papier luftig eingewickelten Ferrero Rocher zählen zu den meistverkauften Pralinen überhaupt.

Dann ist da noch der Trend zu «Zero Waste», null Müll also, der einem Verpackungshersteller zu schaffen machen könnte. Aluflexpack sieht sich auch in dieser Hinsicht gut aufgestellt. Dank hochwertigen Verpackungen liessen sich beispielsweise Lebensmittel länger frischhalten. Dadurch wiederum würden weniger Lebensmittel verschwendet, so die Argumentation. Zudem liessen sich Verpackungen aus Aluminium mit vergleichsweise geringem Energieaufwand wiederverwenden. Allerdings bleibt die Frage, wie viele Aluverpackungen nicht im Müll landen, sondern überhaupt zurück in den Kreislauf gelangen. Das ist besonders bei Kaffeekapsel oft die unbekannte Grösse.

Der starke Mann bei Montana Tech Components ist Michael Tojner, von der NZZ einst als «fescher Wagniskapitalist» bezeichnet. Der 53-jährige Vater von sechs Kindern hält die Mehrheit der Stimmrechte, und zwar auf etwas verschachtelte Weise. Gemäss Geschäftsbericht des Unternehmens «direkt oder indirekt über mehrere von ihm kontrollierte Gesellschaften».

Michael Tojner präsidiert zugleich den Verwaltungsrat und führt das Konglomerat als CEO. Für das vergangene Jahr liess er sich einen fixen Lohn von knapp einer Million Euro auszahlen, aber wie schon im Vorjahr keinen Bonus. Den Grundstein für die Montana legte er im Jahr 2007, als er die Varta Microbattery übernahm. Das Traditionsunternehmen war ein paar Jahre zuvor zerschlagen worden von der deutschen Industriellenfamilie Quandt, die auch am Autohersteller BMW beteiligt ist. Im gleichen Jahr kaufte Tojner noch den Aargauer Metallverarbeitungskonzern Alu Menziken dazu.

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