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Putzkräfte: Schwarzarbeit kann für Arbeitgeber teuer werden

Fast die Hälfte der selbstständigen Putzkräfte ist gemäss einer Umfrage nicht unfallversichert. Das kann für die Wohnungsbesitzer ins Geld gehen.
Rainer Rickenbach
Arbeitgeber stehen in der Pflicht, eine Unfallversicherung für ihre Putzkraft abzuschliessen. (Bild: Getty)

Arbeitgeber stehen in der Pflicht, eine Unfallversicherung für ihre Putzkraft abzuschliessen. (Bild: Getty)

Jeder siebte Schweizer beschäftigt eine Putzkraft, die regelmässig seine Privatwohnung reinigt. Das geht aus einer Umfrage des Internet-Vergleichsdienstes Comparis hervor. Die meisten Putzfrauen arbeiten auf eigene Rechnung, sorgen also nicht als Angestellte einer Reinigungsfirma für Ordnung und Sauberkeit.

«Ein grosser Teil der Arbeitgeber hat seine Putzkraft jedoch nicht korrekt versichert», schreibt Comparis in der Auswertung. Das könne für die Arbeitgeber «dramatische Kostenfolgen» mit sich bringen. Denn: «Verunfallt eine Putzhilfe während der Arbeit, muss der Arbeitgeber mit enormen Kosten rechnen.»

Unfallversicherung kostet 100 Franken pro Jahr

Fast die Hälfte der Befragten, nämlich 46 Prozent, gaben an, keine Unfallversicherung für ihre selbstständige Putzkraft abgeschlossen zu haben. Ein schöner Teil von ihnen hat sich nicht einmal schlau darüber gemacht, ob ihre Teilzeitangestellte überhaupt gegen Unfälle versichert ist. Sie können in Teufels Küche kommen, wenn die Putzfrau bei der Arbeit verunfallt. Denn der Arbeitgeber steht in der Pflicht, für Versicherungsschutz zu sorgen. Auch wenn die Putzfrau in mehreren Haushalten arbeitet, muss jeder Auftraggeber für sie eine Unfallver­sicherung abschliessen. «Der Haushaltsführende ist verpflichtet, seine Hausangestellten gegen Berufsunfall und Berufskrankheit zu versichern. Wenn das Arbeitspensum acht Stunden pro Woche oder mehr beträgt, ist auch eine Versicherung gegen Nichtberufsunfall obligatorisch», sagt Suva-Sprecherin Erika Rogger. Für die Unfallversicherungen in Privathaushalten ist freilich nicht die Suva, sondern Privatversicherungen zuständig. Die Prämie kostet in der Regel 100 Franken pro Jahr.

Drückt sich der Arbeitgeber davor und die Putzfrau verunfallt bei der Arbeit in seiner Wohnung, wird der Fall einer Ersatzkasse zugewiesen und die zieht erst einmal die geschuldeten Prämien ein. Je nach Situation muss sich der säumige Prämienzahler an den Kosten für die ärztliche Behandlung , allfällige Reha-Kur bis zu Invaliditätsrenten beteiligen – dort lauern die «dramatischen Kostenfolgen», vor denen Comparis warnt. Wer das Teilzeit-Arbeitsverhältnis mit der Reinigungskraft bei der AHV-Ausgleichskasse meldet, muss dort auch Auskunft über die Unfallversicherung geben. Das hilft indes nicht weiter, wenn der Arbeitgeber auch diese Abgabe ignoriert. Auch bei den Sozialabgaben steht er in der Pflicht. Doch für rund einen Viertel der frei arbeitenden Putzkräfte fliessen gemäss Umfrage keine AHV-Einzahlungen.

Schweizer bügeln nicht gerne

Es fehlt an Zeit und Lust: Das gibt die Mehrheit der vom Online-Vergleichsdienst Comparis befragten Personen als Grund an, warum sie eine Putzkraft beschäftigt. Die Zeit fürs Putzen zu Hause sei wegen eines «stressigen Berufs» nicht vorhanden, geben 86 Prozent der Befragten an. In der Regel erscheint die Putzfrau einmal pro Woche. Kleiderbügeln ist bei den Befragten die ungeliebteste Haushaltstätigkeit. Abstauben und Badzimmer-Reinigung folgen auf der Unbeliebtheitsskala auf Platz zwei und drei. (rr)

«Der Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, die Löhne zur Abrechnung zu bringen», sagt Alain Rogger, Bereichsleiter Beiträge bei der Ausgleichskasse Luzern. Nebst der AHV gehen dort auch die Abgaben für die IV-Versicherung, die Arbeitslosenkasse und die Erwerbsersatzordnung sowie Mutterschafts­entschädigung ein. Fliegt ein schwarzes Arbeitsverhältnis auf, kommt der Wohnungsbesitzer im besseren Fall mit einer Beitragsnachzahlung davon, im schlimmeren Fall bekommt er es mit dem Staatsanwalt zu tun. Das ist der Fall, wenn er sich trotz amtlicher Mahnung um die Abrechnung der Beiträge foutiert.

«Oder sind es mehrere Jahre, welche nicht abgerechnet wurden, so kann er ohne Mahnverfahren bei der Staatsanwaltschaft zur Verzeigung gebracht werden, was Bussen auslösen kann», so Rogger. Unterbleiben die Lohnabrechnungen für die AHV-Stelle, wird die Putzkraft im Alter wahrscheinlich mit einer tieferen Rente über die Runden kommen müssen. Denn ob Maximal-, Voll- oder wie viel Teilrente, entscheidet sich an der Höhe der versicherten Lohnsummen. Wenn die Ausgleichskasse von Löhnen nichts weiss, werden sie auch nicht angerechnet. Arbeitgeber von frei arbeitenden Putzkräften können sich bei den AHV-Ausgleichskassen ihrer Kantone erkundigen. Auf deren Websites finden sich Merkblätter zur Beschäftigung von Haushaltshilfen.

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