Ladestationen für Elektroautos, papierlose Büros: Amag zeigt sich am neuen Hauptsitz in Cham progressiv

Der Autoimporteur Amag hat erstmals die Räumlichkeiten am neuen Hauptsitz in Cham der Öffentlichkeit vorgestellt. Weil es auf den Strassen im Kanton Zug zu Stosszeiten regelmässig staut, hat der Konzern flexible Arbeitszeiten eingeführt.

Christopher Gilb
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Wöchentlich 140 Mitarbeiter zogen im Herbst 2019 in den neuen Hauptsitz des Autoimporteurs Amag in der Chamer Städtler Allmend ein. Anfang Dezember hatten dann alle 950 Mitarbeiter der bisherigen Standorte Schinznach-Bad und Buchs ZH, Baden-Dättwil und der Zentralverwaltung am Utoquai Zürich die zwei Häuser der Überbauung Helix bezogen.

Der neue Hauptsitz, auf dem Bild die Aussenansicht, sei eine moderne Welt, wie Amag-CEO Morten Hannesbo an der Medienorientierung am Freitag betonte.

Bild: Manuela Jans-Koch (17. Januar 2020)

Die Mitarbeiter haben weder feste Arbeitsplätze – selbst die Firmenleitung muss ihre Einzelbüros erst buchen – noch feste Parkplätze, noch wird Papier eingesetzt.

Amag-CEO Morten Hannesbo bei der Führung durch den neuen Hauptsitz in Cham.

Amag-CEO Morten Hannesbo bei der Führung durch den neuen Hauptsitz in Cham.

Bild: Manuela Jans-Koch (17. Januar 2020)

«Das ist auch für mich nicht ganz ohne Herausforderungen, macht uns aber attraktiv für neue Mitarbeiter», so Hannesbo. Diese können sich über konzerneigene Fitnessräume freuen, in denen auch Mitarbeiter selbst Kurse anbieten können, wie dieses Bild zeigt. 

Bild: Manuela Jans-Koch (17. Januar 2020)

Und auch im Mobilitätsbereich hat der Konzern viel getan.

Umsatz konnte gesteigert werden

Amag feiert dieses Jahr das 75-jährige Bestehen. «Wir sind ein Autounternehmen und fahren Auto», so Hannesbo. «Wir wollen aber viel testen.» Damit gemeint ist beispielsweise eine App, mit der Mitarbeiter Fahrgemeinschaften bilden können. Diese wird bereits rege genutzt. E-Bikes, die der Konzern gratis zur Verfügung stellt und Ladestationen für Elektroautos im Parkhaus, das die Amag in der Nähe gebaut hat – ein Teil der Parkplätze dort ist öffentlich, was eine Auflage der Gemeinde war. Ladestationen für Elektroautos gibt es aber auch in der Tiefgarage des Hauptsitzes, wo die Dienstwagen der Amag stehen. Derzeit gebe es dort 25 Ladestationen, die aber auf 50 aufgestockt würden, so Konzernsprecherin Roswitha Brunner. Ein Grund dafür: Die Autokonzerne bieten immer mehr Elektroautos an, so dass auch mehr dieser als Dienstwagen im Einsatz sind. Rund ein Viertel der Dienstwagen seien bereits Elektro- oder Hybridfahrzeuge.

Innenhof des Amag-Hauptsitzes in Cham.

Innenhof des Amag-Hauptsitzes in Cham. 

Bild: Manuela Jans-Koch (17. Januar 2020)

Der Verkehr allgemein war ein grosses Thema rund um den Umzug der Amag, denn auf den Strassen im Kanton Zug staut es sich zu Stosszeiten regelmässig. Auch deshalb habe der Konzern flexible Arbeitszeiten eingeführt, so Brunner, denn 60 Prozent der Angestellten pendelt aus dem Kanton Aargau nach Cham. Und 80 Prozent davon mit dem Auto. Das Familienunternehmen hatte am Freitag ausserdem gute Zahlen fürs Geschäftsjahr 2019 zu verkünden. 4,7 Milliarden Franken betrug der konsolidierte Umsatz der Amag-Gruppe (2018: 4,6 Mrd.). Mit 99140 erreichte die Gruppe zudem eine Höchstzahl an neuen Autozulassungen. Insgesamt konnten die Marken des Konzerns 2019 einen Marktanteil von 29,4 Prozent erreichen.

Schwerpunkt von Hannesbos Referat war die Elektromobilität. «Die Zukunft ist elektrisch», zeigte er sich überzeugt. Der Amag-CEO rechnet damit, dass in weniger als zehn Jahren jedes zweite neuzugelassene Auto ein Elektroauto ist. Bei den reinen E-Modellen hat sich der Marktanteil 2019 in der Schweiz mit 4,2 Prozent mehr als verdoppelt. 2020 soll der Anteil auf 10 Prozent steigen. Doch mit dem grossen Durchbruch rechnet er für 2020 noch nicht. «Viele Kunden sagen, sie überlegen sich, nächstes Mal ein E-Auto zu kaufen, aber eben noch nicht jetzt.»

Grund dafür sei, dass die Infrastruktur noch nicht gut genug sei. Die meisten Schweizer seien Mieter und dürften nicht einfach eine Ladebox an die Hauswand hängen und auch für unterwegs fehle es an Stationen.

«Was wir benötigen, ist, dass wir überall E-Autos aufladen können.»

Wenn dies so weit sei, komme auch der grosse Durchbruch der E-Autos, so Hannesbos Fazit. Er gab aber auch zu bedenken, dass elektrisch nicht gleich sauber sei und deswegen der Bau von Fotovoltaikanlagen gefördert werden müsse. Denn es helfe nichts, wenn man mit Strom aus Braunkohle elektrisch fahre.