Onlinehandel
Amazon mischt Weihnachtsgeschäft auf

Der US-Riese Amazon ist zur Nummer zwei in der Schweiz aufgestiegen — doch das ist erst der Anfang. Amazon werde den Schweizer Markt stark bearbeiten.

Fabian Hock
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Lager des Onlineportals Amazon

Lager des Onlineportals Amazon

Keystone

Deutschland bestreikt den Weihnachtsmann. Mal wieder. Der Online-Handelsriese Amazon, der auch in diesem Jahr einen beträchtlichen Teil der Geschenke unter die Christbäume liefern wird, steht vor dem dritten Streik im Weihnachtsgeschäft in Folge.

Über die Gewerkschaft Verdi haben des Weihnachtsmanns Angestellte angekündigt, erneut zur umsatzstärksten Zeit des Jahres die Arbeit niederzulegen. Die deutschen Kunden dürfte das, wie auch schon in den vergangenen Jahren, wenig interessieren. Amazon wird in Deutschland aller Voraussicht nach in diesem Jahr einmal mehr einen Umsatz von etwa zehn Mrd. Euro einfahren.

Während im Euro-Raum kaum noch einer am alles überschattenden Warenhandels-Dominator vorbeikommt, hält sich Amazon in der Schweiz vornehm zurück. Noch. Denn ein grösseres Engagement wird greifbarer. «Amazon wird irgendwann kommen und den Schweizern wehtun», sagt Thomas Lang, Chef der E-Commerce-Unternehmensberatung Carpathia.

«Gerade jetzt erleben wir ja die kostenlose Lieferung von Amazon in die Schweiz bis zum Jahresende.» Ab einem Warenwert von 49 Franken können ausgewählte Artikel versandkostenfrei bestellt werden. Die hiesigen Händler, ob stationär oder online, werden diese Ankündigung von Anfang November nicht ohne Schrecken aufgenommen haben.

«Der Druck wird sicher weiter zunehmen», sagt Lang. Er geht davon aus, «dass Amazon den Schweizer Markt stark bearbeiten wird» – allerdings werde der Handelsriese dies von Deutschland, Frankreich und auch von Italien aus tun und angesichts der Marktgrösse keine eigene Infrastruktur in der Schweiz aufbauen. Dies gelte so lange, wie der Markt von ausserhalb gut bedient werden könne und «die Zoll- wie auch Währungsschranken überwindbar sind».

Landesweit schon Nummer zwei

Hinter dem Elektronik-Shop Digitec ist Amazon zur schweizweiten Nummer zwei aufgestiegen – obwohl der US-Konzern gar nicht im Land präsent ist. Über den deutschen Shop Amazon.de wurden laut einer gestern publizierten Statistik des Kölner EHI Retail Institute in der Schweiz 288,5 Millionen Euro umgesetzt. Dicht dahinter folgt der Onlineshop von Nespresso mit 287,9 Millionen Euro und Zalando.ch mit 266,5 Millionen Euro. Digitec liegt laut EHI bei über 424 Millionen Euro.

Generalisten, zu denen Amazon oder inzwischen auch Brack.ch zählen, machten in der Schweiz mit 31,5 Prozent fast ein Drittel des Gesamtumsatzes aus, heisst es in der EHI-Analyse. Dahinter folgen Unterhaltungselektronik und Bekleidung. Im internationalen Vergleich bemerkenswert sei der hohe Anteil des Lebensmittel-E-Commerce. 675 Millionen Euro, rund 14 Prozent des Gesamtumsatzes, erwirtschafteten die vertretenen Lebensmittel-Anbieter.

Von einem stärkeren Amazon-Engagement in der Schweiz könnten vor allem die Kunden profitieren – und Amazon selbst. Für die hiesigen Anbieter sieht es laut E-Commerce-Experte Lang dagegen schlecht aus. «Auf Schweizer Seite wird es vor allem Verlierer geben.» Dies gelte besonders für die, die mit austauschbaren Waren und Markenartikeln von Dritten handeln. Wie weit an den Rand Amazon heimische Anbieter drängen kann, zeigt ein Blick nach Österreich. Der US-Konzern setzt hier mehr als viermal so viel um wie die Nummer zwei im Land (siehe Grafik oben).

«Eine Bedrohung könnte Amazon zudem für die Logistik-Branche werden, sollte sich der Konzern eines Tages überlegen, auch in der Schweiz mit eigenen Logistik-Dienstleistungen zu starten und die Pakete selber zu den Kunden zu bringen», sagt Lang. Dies könne bereits in Grossbritannien, Frankreich und Deutschland beobachtet werden.

Eine Chance könnte ein stärkeres Amazon dagegen für kleine Nischenanbieter darstellen, die Waren anbieten, welche es bei Amazon nicht zu kaufen gibt. Dies gelte vor allem für Anbieter, «welche ein eigenes Profil, einzigartige mit der Schweiz verknüpfte Services und Eigenmarken haben».