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Andermatt: Das Feriendorf von Samih Sawiris wird greifbar

Lange Zeit kam das Feriendorf-Projekt von Samih Sawiris nicht recht vom Fleck. In diesem Jahr legt der Wohnungsverkauf nun deutlich zu. Die steigende Nachfrage findet ihren Niederschlag in den Preisen.
Rainer Rickenbach
Der CEO der Andermatt Swiss Alps, Franz-Xaver Simmen, vor den Gotthard Residences in Andermatt. (Bild: Boris Bürgisser)

Der CEO der Andermatt Swiss Alps, Franz-Xaver Simmen, vor den Gotthard Residences in Andermatt. (Bild: Boris Bürgisser)

Bringt dieser Winter die Wende? Die Zeichen für das Feriendorf Andermatt des ägyptischen Investors Samih Sawiris standen jedenfalls noch nie so gut: Mit dem neuen, bis Sedrun reichenden Skigebiet schliesst die Urner Region zu den Pisten-Topdestinationen des Landes auf. Im Dezember eröffnet das Hotel Radisson Blu, und das Interesse an den Ferienwohnungen treibt die Preise in die Höhe. Das Nobelhotel The Chedi weist im Ganzjahresbetrieb bislang eine Auslastungsquote von beachtlichen 60 Prozent aus. Sein Umsatz stieg innerhalb von drei Jahren von 15 auf 25 Millionen Franken.

Gute Nachrichten aus dem Urserntal waren in den zurückliegenden Jahren eher die Ausnahme. Meistens drehten sich die Neuigkeiten um langwierige Verhandlungen und um das harzig anlaufende Verkaufsgeschäft mit den Ferienwohnungen. «Es brauchte eben Zeit. Heute sind viele Gebäude und ein schöner Teil der Infrastruktur erstellt. Was früher eine Vision war, ist jetzt greifbar. Was greifbar ist, verkauft sich leichter», sagt Franz-Xaver Simmen, CEO der Andermatt Swiss Alps AG. Das Unternehmen ist für Planung, Vermarktung, Bau und Betrieb des Feriendorfs verantwortlich. Es gehört zu 51 Prozent Sawiris und zu 49 Prozent dessen Hotel- und Immobilienkonzern Orascom.

Radisson Blu schliesst eine Lücke

Greifbar geworden ist etwa das Radisson Blu, ein massiver Gebäudekomplex mit 179 Hotelzimmern und 100 Wohnungen (Gotthard Residences). Eröffnet wird das Viersternhaus anfangs Dezember. Es handelt sich nach The Chedi um das zweite Hotel im neuen Feriendorf. Das Radisson Blu schliesst nach Einschätzung von Simmen die Lücke zwischen dem noblen The Chedi und den älteren Hotels im Dreisternbereich, die schon Gäste beherbergten, als sich noch vor allem Armeeangehörige in Andermatt aufhielten. Simmen: «Das zusätzliche Bettenangebot ist dringend notwendig. Mit dem neu erschlossenen Skigebiet steigt der Hochsaison-Bedarf auf rund 10000 Übernachtungsmöglichkeiten. Wir haben aber aktuell nur 1500 zu bieten.»

Der jüngste Ableger der in Europa verwurzelten Hotelkette verfügt anders als The Chedi über eine Konferenzinfrastruktur, die Firmen von beiden Seiten des Gotthards nach Andermatt locken soll. Das Hallenbad mit Fitness Center sowie Wellness-Zone ist auch für Leute zugänglich, die nicht im Hotel wohnen. Auf der Hauptseite des Radisson Blu sind die finalen Arbeiten für einen Dorfplatz mit Ladengalerie im Gang. Victorinox ist bereits eingezogen, ein Mammut-Geschäft und weitere folgen bald. Wenige Meter davon entfernt entsteht eine Konzert- und Veranstaltungshalle, die bis zu 700 Personen Platz bietet. Sie war ursprünglich kleiner geplant. Doch Sawiris, ein Liebhaber der klassischen Musik, hat die Bauarbeiten unterbrechen lassen, als er erkannt hatte, dass bloss mittelmässige Akustik droht, und begann, selber Planskizzen zu entwerfen. Für ihn ist die Halle eine Herzensangelegenheit. Er strebt eine Zusammenarbeit mit Lucerne Festival an.

Das Swiss Alps Resort, mit dem Radisson Blue. (Bild: Boris Bürgisser)
Impressionen vom Swiss Alps Resort in Andermatt. (Bild: Boris Bürgisser)
Das Dorf Andermatt. (Bild: Boris Bürgisser)
Das Dorf Andermatt mit dem Hotel Chedi. (Bild: Boris Bürgisser)
Baustelle des neuen Bahnhofs in Andermatt. (Bild: Boris Bürgisser)
Impressionen vom Swiss Alps Resort in Andermatt. (Bild: Boris Bürgisser)
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Andermatt: Ein Dorfbild im Wandel

Die Hälfte der 100 Wohnungen der Gotthard Residences ist bereits verkauft. Bekanntester Wohnungsbesitzer ist Louis van Gaal, der als Trainer früher den Fussballern der niederländischen Nationalmannschaft und von Bayern München Beine gemacht hat. Eine Verkaufsquote von etwas mehr als 50 Prozent zeugt zwar noch nicht von einem Run auf Wohneigentum in Andermatt. Trotzdem: Der lange Zeit äusserst schleppend verlaufene Wohnungsabsatz nimmt deutlich Fahrt auf. Simmen: «Wir haben in diesem Jahr für mehr als 100 Millionen Franken Wohnungen verkauft.» Das unwiderlegbare Indiz für die gestiegene Nachfrage sind die steigenden Preise, Andermatt Swiss Alps verlangt im kommenden Jahr 5 bis 10 Prozent mehr für das Land der Eigentumswohnungen. Das untere Preisniveau bewegt sich zwischen 10000 bis 12000 Franken pro Quadratmeter. Zum Vergleich: In den noblen Wintersportorten Gstaad und St. Moritz sind Quadratmeterpreise von 16000 bis 20000 Franken üblich. «Davon sind wir weit entfernt. Doch es ist erfreulich, dass sich die Ferienwohnungen in Andermatt auch als Kapitalanlage zu lohnen beginnen», sagt Simmen.

Das nächste Hotel wird eines für Familien

Dafür war freilich ein Lernprozess notwendig. Die ersten Wohnungen waren grosszügig gestaltet – mit 250 Quadratmetern zu grosszügig, wie sich herausstellte. Sie wurden zu Ladenhütern. Als die kleineren Formate auf den Markt kamen, griffen vor allem die Schweizer häufiger zu. Sie machen rund die Hälfte der Käufer aus. Die andere Hälfte entfällt auf Kunden aus Grossbritannien, Deutschland, Benelux und Asien. Simmen: «Vor allem aus China verzeichnen wir ein stark steigendes Interesse.» Das Kaufinteresse schlägt sich auch in den entsprechenden Zahlen von Andermatt Swiss Alps nieder. Das Unternehmen dürfte dieses Jahr erstmals schwarze Zahlen schreiben. «Es stehen aber noch hohe Investitionen an», gibt Simmen zu bedenken.

Die Zwischenbilanz im Wohnungsgeschäft lässt sich heute sehen. Von den insgesamt 193 Wohnungen – die des Radisson Blu nicht mitgerechnet – haben 137 oder 71 Prozent einen Käufer gefunden. Ermutigt durch den Aufwärtstrend kehrt Andermatt Swiss Alps zum ursprünglichen Vorgehen zurück. «Als Sawiris mit dem Projekt begann, galt die Vorgabe: Die Bauarbeiten für ein Apartmenthaus beginnen erst, wenn mindestens die Hälfte der Wohnungen verkauft sind. Wegen der fehlenden Infrastruktur wurde diese Marke aber für mehrere Jahre unterschritten. Nun halten wir uns wieder daran.» Die Ortsplanung lässt insgesamt 800 Ferienwohnungen und vier weitere Hotels zu. Simmen: «Sie zu realisieren dürfte sich über 20 bis 30 Jahre hinziehen. Konkrete Formen bei den Hotels hat einzig ein Familienhotel neben der Konzerthalle angenommen.»

Nachfrage macht den Tageskarten-Preis

Den Wintersportlern stehen in Andermatt während der kommenden Saison neue Bahnen und erstmals ein Skigebiet, das bis nach Sedrun reicht, zur Verfügung. «Mit 22 Anlagen, 30 Abfahrten und über 120 Pistenkilometern brauchen wir den Vergleich mit den grossen Skigebieten in Graubünden und dem Wallis nicht zu scheuen», sagt Franz-Xaver Simmen, CEO der Andermatt Swiss Alps AG. Tageskarten gibt es ab 39 Franken. Die Preisgestaltung funktioniert ähnlich wie bei Fluggesellschaften und Hotels: Je mehr Nachfrage sich für einen Tag abzeichnet, desto tiefer müssen die Skifahrer in die Tasche greifen. Im Winter schneesicher, im Sommer weniger heiss Wer an sonnigen Wochenenden und zu Ferienzeiten in der Skiarena Andermatt unterwegs sein will, zahlt also mehr als an gewöhnlichen Wochentagen. Abstand genommen hat Andermatt Swiss Alps vorläufig von den Plänen, eine Fast-Line-Karte auf den Markt zu bringen, mit der sich die Warteschlangen an den Talstationen umgehen lassen. Ihre Ankündigung hatte in den sozialen Medien für ziemlichen Wirbel gesorgt. Simmen: «Wir verfügen über viele und moderne Anlagen mit hohen Transportkapazitäten. Warteschlangen werden darum ohnehin die Ausnahme bilden. Wir kommen aber den Familien entgegen, diese erhalten Parkplätze an bevorzugter Lage.» Das Skigebiet erstreckt sich über Höhen von 1447 (Andermatt) bis fast 3000 Meter (Gemsstock) und gilt für die Zeit von November bis Mitte Mai als schneesicher. In Zeiten des Klimawandels bedeutet das einen starken Trumpf im Wettbewerb um Wintertouristen. Der Trumpf stach aus einem andern Grund bereits in diesem Sommer. «Wegen der Hitzewelle begaben sich deutlich mehr Golfspieler als sonst nach Andermatt. Die Anlage verzeichnete rund 30 Prozent mehr Besucher als im Vorjahr», so Simmen.

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