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ANDERMATT: «Das war für mich wie eine Ohrfeige»

Das Luxushotel The Chedi weist wenig berauschende Zahlen auf. Samih Sawiris sagt im Interview, weshalb dies nur die halbe Wahrheit ist.
Interview Dominik Buholzer
Samih Sawiris: «Es ist wichtig für Andermatt, für die ganze Region, dass das ‹Chedi› während des ganzen Jahres offen ist.» (Bild: Keystone / Christian Beutler)

Samih Sawiris: «Es ist wichtig für Andermatt, für die ganze Region, dass das ‹Chedi› während des ganzen Jahres offen ist.» (Bild: Keystone / Christian Beutler)

Die Meldung warf Wellen. Am vergangenen Montag berichtete die Nachrichtenagentur SDA, dass die Andermatt Swiss Alps AG, die das Luxushotel Chedi in Andermatt betreibt, seit 2013 nur Verluste schreibt. Auf rund 7 Millionen Franken belief sich der Fehlbetrag im ersten Halbjahr 2015 bei einem Umsatz von lediglich 39 Millionen. Im Geschäftsjahr 2014 generierten Einnahmen von 108 Millionen Franken einen Verlust in Höhe von rund 13 Millionen Franken. Die SDA stützt sich bei ihrer Meldung auf Angaben eines Anleiheprospekts.

Aus den Unterlagen zur Kapitalaufnahme geht im weiteren hervor, dass das Luxushotel The Chedi nur mässig läuft. Die Auslastungsquote beträgt im Durchschnitt 29,5 Prozent. Der ägyptische Unternehmer Samih Sawiris, der Vater des Ferienresorts in Andermatt, reagiert deutlich. Er spricht von einer Ohrfeige, von einem Sturm im Wasserglas.

Herr Sawiris, haben Sie sich wieder ein wenig beruhigt?

Samih Sawiris: Natürlich, das Leben geht weiter. Aber es ist schon unverschämt, was alles getan wird, um «Andermatt» schlecht zu machen. Hätte der Autor die Realität einigermassen korrekt wiedergegeben, hätte die Meldung überhaupt keine Wellen geworfen. Ich habe 500 Millionen in Andermatt investiert. Jetzt wird suggeriert, dass ich wegen eines – budgetierten! – Verlustes von 7 Millionen kalte Füsse bekäme. Wie dumm muss man sein, um so etwas in die Welt zu setzen. Die Meldung war für mich wie eine Ohrfeige.

Die Meldung fusst auf Unterlagen einer Anleihe, die Andermatt Swiss Alps platziert hat, um an frisches Geld zu gelangen. Und dieser Prospekt erweckt den Eindruck, als liefe das Luxushotel Chedi in Andermatt nicht, sei viel zu wenig ausgelastet. All das soll falsch sein?

Sawiris: Sehen Sie: Ein solcher Prospekt ist ein offizielles Dokument, in dem man auf alle irgendwie möglichen Risiken hinweisen muss. Es ist wie der Begleitzettel bei einem Medikament. Da werden Sie auch auf eine lange Liste möglicher Nebenwirkungen hingewiesen. Das heisst aber in keiner Art und Weise, dass Sie diese auch bekommen müssen.

Mit Verlaub: Der Prospekt vermittelt nicht gerade ein sehr rosiges Bild vom wirtschaftlichen Zustand des «Chedi».

Sawiris: Wenn die Lage tatsächlich so schlimm wäre, weshalb haben dann Ende November professionelle Anleger unsere Anleihe von 50 Millionen Franken vollumfänglich gezeichnet? Das ist ein grosser Erfolg! Die Nachfrage war nur deshalb so gross, weil die Anleger die Risiken als vertretbar anschauen und weil sie wissen, dass sie ihr Geld wieder bekommen. Gleichzeitig wurde völlig ignoriert, dass wir mit der Credit Suisse einen Rahmenkreditvertrag in der Höhe von 30 Millionen abschliessen konnten.

Was freut Sie mehr: die erfolgreich platzierte Anleihe oder der Rahmenkreditvertrag?

Sawiris: Beide sind für mich sehr freudige Entwicklungen. Aber der Abschluss des Rahmenkreditvertrages ist noch ein Stück höher zu gewichten. Ich spreche seit zehn Jahren mit Schweizer Banken – bis vor kurzem ohne Erfolg. Es überwog stets die Skepsis. Jetzt glaubt mit der Credit Suisse erstmals eine Schweizer Grossbank an mein Projekt. Das ist ein zentraler Meilenstein in der Entwicklung des Resorts. Das erfüllt mich mit Stolz.

Aber wie steht es nun um die Auslastung im «Chedi»?

Sawiris: Die Auslastung ist völlig in Ordnung, sie wird mit jedem Quartal besser. Wir haben ja ganz bewusst auch in der Zwischensaison geöffnet, wenn wenig Gäste kommen und die meisten anderen Hotels geschlossen sind. Das verschlechtert die Durchschnittsauslastung. Aber wir stehen vor einer interessanten Wintersaison.

Auf was ist dies zurückzuführen?

Sawiris: Dies hat mit dem Angebot zu tun. Wir können im «Chedi» jetzt nicht mehr wie bis anhin nur 80 bis 90 Zimmer anbieten, sondern 150. Das macht es für uns einfacher, Geschäfte auch mit Gruppen zu machen. Bislang waren uns diesbezüglich die Hände gebunden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir 2016 ohne operativen Verlust abschliessen werden.

Dann war bislang die zu geringe Anzahl Betten das Hauptproblem?

Sawiris: Das war in der Tat ein grosses Problem. Grosse Touroperator haben aus diesem Grund das «Chedi» gar nicht erst in ihr Programm aufgenommen.

Weshalb haben Sie denn nicht mit der Eröffnung des «Chedi» gewartet, bis Sie die volle Kapazität anbieten konnten?

Sawiris: Ich stand unter Erwartungsdruck und konnte nicht warten, bis alle Zimmer fertig sind. Ich hatte leider mit meinem bisherigen Leistungsausweis in der Schweiz nicht alle Skeptiker überzeugen können.

Was die aktuelle Wintersaison anbelangt, sind Sie sehr zuversichtlich. Wie war denn 2015?

Sawiris: Vor allem der Herbst war sehr gut. Wir waren im Oktober und November an mehreren Wochenende fast voll und schrieben so erstmals keinen Verlust. Das muss uns erst mal jemand nachmachen – keine zwei Jahre nach der Eröffnung eines völlig neuartigen Hotels.

Andere Hotels sind in dieser Zeit aus Rentabilitätsgründen geschlossen. Weshalb sind Sie das Risiko eingegangen?

Sawiris: Ich will ein Zeichen setzen. Es ist wichtig für Andermatt, für die ganze Region, dass das «Chedi» während des ganzen Jahres offen ist. Die Einwohner, die bei uns arbeiten, sollen nicht gezwungen sein, einer Nebenerwerbstätigkeit nachgehen zu müssen.

Ein Fünfsternehotel in der Nebensaison zu betreiben, kostet Geld.

Sawiris: Das stimmt, doch dies ist es mir wert. Viele Häuser sind nur noch während der Winter- und Sommersaison offen. Damit erreichen sie zwar eine höhere Rentabilität, fürs Image eines Dorfes ist dies aber nicht gut. Wir haben immer mehr Geisterorte. Ich nehme dafür eine schlechtere Durchschnittsauslastung in Kauf.

Themenwechsel: Mehrere Schweizer Fluggesellschaften werden bis im März nicht mehr die klassischen Badeorte in Ägypten bedienen, weil die Nachfrage eingebrochen ist. Das dürfte Ihnen keine Freude bereiten – oder?

Sawiris: Ich habe Mühe damit. In Orten wie El Gouna oder Hurghada hatten wir noch nie Probleme mit Terroristen. Doch wenn dies so weitergeht, werden wir weltweit ganz andere Probleme haben. Wenn die Bevölkerung keine Arbeit mehr hat, wächst die Gefahr, dass sie sich radikalisiert.

Spüren Sie denn wirtschaftlich bereits das Ausbleiben der Gäste?

Sawiris: Nicht in El Gouna. Dort läuft das Geschäft gut – dank ägyptischen Gästen, die vermehrt auch für ein verlängertes Wochenende kommen. Zudem haben wir viele Wiederkehrer auch aus Europa. Wir weisen in Ägypten die höchste Repeater-Rate auf.

Und wie läuft es in Ihrem Resort in Taba Heights auf der Halbinsel Sinai, wo Sie bereits Hotels schliessen mussten?

Sawiris: Wir werden dort im kommenden Jahr weniger Verluste einfahren als heuer, weil wir den Betrieb vorderhand vollständig schliessen, also auch den Strom abschalten.

Dumpingpreise: Nach Ägypten kriselt nun die Türkei

Tourismus bu. Die Türkei war in den vergangenen Jahren stets ein sicherer Wert in Sachen Badeferien und für die Reiseanbieter ein gutes Geschäft. 2014 zog es 394 458 Schweizer oder 4 Prozent mehr als im Vorjahr an den Bosporus. Die Türkei ist nicht nur bei Schweizern beliebt, sondern insbesondere bei Russen, die mit rund 4 Millionen Ferienreisenden jährlich das grösste Kontingent darstellen.

Nach dem Abschuss eines russischen Militärjets durch die Türken boykottieren viele Russen das Ferienland. Das fügt dem türkischen Tourismus einen schweren Dämpfer zu. Und dies hat Auswirkungen bis in die Schweiz. «Der Buchungseingang für den nächsten Sommer ist noch sehr verhalten», sagt Tim Bachmann von Hotelplan Suisse.

Wenig Zuversicht für Ägypten
Die Probleme begannen sich laut Bachmann bereits im September zu mehren, und ein Ende ist so schnell nicht in Sicht: «Wir sehen Anzeichen für einen aggressiven Preiskampf», sagt er. Oder anders ausgedrückt: Ferien in der Türkei werden billiger. Das ist zwar gut für die Kunden, aber schlecht für die Reiseanbieter. Sie verdienen weniger Geld.

Hotelplan zieht Konsequenzen und hat sein Angebot reduziert. Auf das könnten die Reiseanbieter gut verzichten. Denn Probleme bereiten ihnen bereits Ägypten und Tunesien. Wegen der sehr schlechten Nachfrage stellt Hotelplan die Flüge nach Hurghada und Scharm el Scheich bis kurz vor Ostern ein. Hotelplan ist kein Einzelfall. Das Ägypten-Geschäft ist schon länger nicht mehr das, was es mal war. Hotelplan-CEO Kurt Eberhard glaubt denn auch nicht so schnell an ein Revival. «Ich hege keine Hoffnung», sagt er. Damit zeichnet sich das nächste Problem ab. Denn eine preislich gleich gute Alternative hat sich noch nicht herauskristallisiert. «Die Wintersaison wird schwierig», sagt Eberhard.

Interview Dominik Buholzer

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