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Happige Vorwürfe gegen Swissmem-Präsident

Im Herbst seiner glanzvollen Karriere pfeift Hans Hess plötzlich ein eisiger Wind entgegen. Die Beteiligungsgesellschaft Veraison erklärt seine Strategie mit der Comet Holding AG als gescheitert. Hess selbst soll die Kritik gelassen nehmen.
Beat Schmid
Wird derzeit nicht nur auf beruflicher Ebene angefeindet: Hans Hess. Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Zürich, 24. Januar 2018)

Wird derzeit nicht nur auf beruflicher Ebene angefeindet: Hans Hess.
Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Zürich, 24. Januar 2018)

Selbst sein PR-Berater kann sich an keine kritische Schlagzeile ­erinnern. Hans Hess geniesst in der Schweiz den makellosen Ruf eines Vorzeige-Industriellen. Man kennt ihn als integrativen Präsidenten des mächtigen Industriellenverbands Swissmem, der es gut mit den Gewerkschaften kann. Hess sitzt zudem im Vorstandsausschuss von Economiesuisse, der eigentlichen Machtzentrale der Schweizer Wirtschaft. Sein Wort hat Gewicht: So war es Hess, der den Spitzenverband auf ein Ja zum Rahmenabkommen einschwor.

Doch das sorgsam gepflegte Image des 64-jährigen Industriellen bekommt Kratzer. Diesen Donnerstag sind rund 30 Finanzanalysten und Investoren an eine Konferenz im «Au Premier» beim Zürcher Hauptbahnhof gekommen. Geladen hat die Investmentgesellschaft Veraison. Dabei handelt es sich um einen aktivistischen Investor, der 10,04 Prozent an der Comet Holding AG hält. Hans Hess ist Verwaltungsratspräsident der Halbleiterfirma aus dem freiburgischen Flamatt.

Professor versus Macher

Das Businessmodell von Veraison ist simpel: Die Finanzgesellschaft bündelt Gelder von Investoren und nimmt damit Betei­ligungen an börsenkotierten Unternehmen. Weil Veraison oft grosse Anteile kauft, fühlt sie sich legitimiert, direkt auf die Strategie oder die Zusammensetzung des Verwaltungsrats einzuwirken. Seit mehreren Monaten macht sie nun schon Druck auf die Comet-Führung. Letzten ­Dezember gab Veraison bekannt, dass sie die Wahl von Heinz Kundert (Ex-Chef von Unaxis und VAT) als Nachfolger von Hans Hess unterstützt. Dieser scheidet nach 14 Jahren aus dem Gremium aus. Doch der von Hess präsidierte Verwaltungsrat hat sich anders entschieden und schlägt Christoph Kutter vor, ­einen unbekannten deutschen Professor ohne grosse Führungserfahrung. Das brachte offenbar das Fass zum Überlaufen. Veraison sah sich gezwungen, direkt an die Öffentlichkeit zu gehen. «Wir machen das eigentlich nicht gerne», sagte Gregor Greber, Co-Gründer und Partner von Veraison, an der Konferenz. Aber angesichts der schwierigen Situation sei das ein nötiger Schritt. Speziell ist, dass die Veranstaltung von Veraison unmittelbar im Anschluss an die Bilanzmedienkonferenz von Comet stattfand. Die Analysten und Journalisten mussten lediglich ins Nebenzimmer wechseln. Einem Vertreter von Comet wurde der Zugang zur Gegenveranstaltung verwehrt.

Gregor Greber ist der starke Mann von Veraison. Hans Hess’ Leistungsausweis beurteilt er diplomatisch: Er habe vieles richtig gemacht, Comet sei ein gutes Unternehmen mit exzellenten Mitarbeitern, «aber man muss sagen, dass in den letzten drei Jahren einiges nicht so gelaufen ist, wie wir uns das gewünscht haben», sagte Greber. Die beiden lernten sich vor Jahren beim Börsengang von Leica Geosystems kennen. Hess war damals CEO des Messinstrumenteherstellers.

Kein gutes Haar an der Strategie von Comet lässt Veraison-Partner Valentin Chapero. Die jetzige Führung tue so, als ob «alles in Butter» sei. «Unsere These ist, dass dem so nicht ist.» Das lasse sich am Aktienkurs ablesen, der dramatisch abgenommen und gegenüber vergleichbaren Halbleiterunternehmen «überproportional» verloren habe. Das Unternehmen habe ein «fundamentales strategisches Problem». Wie Greber ist Chapero kein unbeschriebenes Blatt. Der Physiker mit spanischen Wurzeln war ab 2002 CEO des Hörgeräteherstellers Sonova, machte das Unternehmen zur Nummer eins, bis er 2011 spektakulär ausschied. Im Vorfeld einer Gewinnwarnung verkauften Mitglieder der Geschäftsleitung Aktien im grossen Stil. Chapero wirft Hess vor, «eine Wagenburg» um Comet herum gebaut zu haben.

Miserable Aktien-Performance, falsche Strategie, mangelnde Dialogbereitschaft – die Vorwürfe an Hans Hess sind ­happig. Doch Veraison trägt noch dicker auf: In einer 36-seitigen Präsentation, die den Investoren abgegeben wurde, wird Comet regelrecht zerlegt: Zwei von vier Einheiten würden unbefriedigende Resultate liefern. Die Margen im Kerngeschäft seien dramatisch gesunken, der Kauf von EBeam, eines Start-ups im Bereich Verpackungstechnologie, schreibt immer grössere Verluste. Insgesamt sei Hess mit seiner Diversifizierungsstrategie klar gescheitert. Das Papier greift Hans Hess auch persönlich an: So wird ihm vorgeworfen, widersprüchliche Aussagen gemacht zu haben. Als Beleg zitiert Veraison aus E-Mails. So soll Hess im Oktober 2018 geschrieben haben, dass Grossaktionäre nie mit einem Sitz im Verwaltungsrat vertreten gewesen seien. Veraison behauptet das Gegenteil. Zum Showdown zwischen Hans Hess und Veraison wird es am 25. April kommen. An der Generalversammlung müssen die ­Aktionäre dann entscheiden, ob sie für den offiziellen Kandidaten oder den Sprengkandidaten von Veraison stimmen. Hans Hess, so hört man aus seinem Umfeld, nimmt es gelassen.

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