Deutschland
Angstschweiss: Hoeness führt zu Rekordzahl an Selbstanzeigen

Der Prozess von Uli Hoeness heizt die Zahl der Selbstanzeigen von deutschen Steuersündern weiter an. Im Februar gingen beim deutschen Fiskus mit 956 Selbstanzeigen die zweithöchste Zahl seit Einführung des Verfahrens ein.

Roman Seiler
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Seit das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen ein CD mit gestohlenen Bankdaten kaufte, haben sich in Deutschland 70000 Steuersünder gemeldet. (Symbolbild)

Seit das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen ein CD mit gestohlenen Bankdaten kaufte, haben sich in Deutschland 70000 Steuersünder gemeldet. (Symbolbild)

Keystone

Seit Februar 2010 haben in Deutschland mehr als 70 000 Steuersünder eine Selbstanzeige beim Fiskus eingereicht. Damals kam aus, dass Nordrhein-Westfalen eine CD mit Daten von mehr als 1000 Credit-Suisse-Kunden erworben hatte.

Allein im vergangenen Jahr waren es über 26 000 Selbstanzeigen. Das war zum einen eine Folge des von den deutschen Sozialdemokraten im Dezember 2012 versenkten Abkommens zur Einführung einer Abgeltungssteuer: Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass Steuerhinterzieher ihre vor dem Fiskus versteckten Vermögenswerte nicht anonym mit einer Einmalzahlung regularisieren konnten. Schweizer Banken forderten deshalb Steuersünder aktiv auf, ihre Vermögenswerte zu regularisieren.

Und das Steuerstrafverfahren gegen den Bayern-Präsidenten und Wurstfabrikanten Uli Hoeness führte anderen Steuersündern vor Augen, was ihnen droht, wenn sie auffliegen.

Doch offenbar gibt es noch immer eine hohe Zahl von Steuersündern, die sich erst jetzt beim Fiskus melden: So teilte das Finanzministerium Nordrhein-Westfalens mit, dass sich allein im Februar dieses Jahres 956 Bürger beim Fiskus gemeldet haben. Das ist die zweithöchste Zahl seit der Einführung der Zählung von Selbstanzeigen im Februar 2010. Seit damals gingen allein in Nordrhein-Westfalen 13 754 Selbstanzeigen ein.

«Nicht vermutetes Ausmass»

Der sozialdemokratische Finanzminister des Bundeslandes, Norbert Walter-Borjans, liess verlauten: «Die aktuellen Zahlen lassen auf ein in dieser Grössenordnung nicht vermutetes Ausmass an Steuerbetrug schliessen.» Diese sei noch lange nicht ausgeleuchtet.

In Deutschland wollen Bund und Länder nun die Bedingungen für eine strafbefreiende Selbstanzeige verschärfen. Die Verjährung soll verlängert und der Strafzuschlag bei schwerer Steuerhinterziehung erhöht werden. Die Details müssen noch ausgehandelt werden.