ANLAGE: Schweizer Börse schlägt die Konkurrenz

Der Swiss Market Index zählt in diesem Jahr zu Aktienindizes mit der höchsten Wertsteigerung. Trotz des hohen Kursniveaus kann ein Einstieg in Aktien noch lohnen.

Hans-Peter Hoeren
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Trotz den gestrigen Verlusten hat die Schweizer Börse seit Jahresbeginn 10,4 Prozent zugelegt. (Bild: Keystone)

Trotz den gestrigen Verlusten hat die Schweizer Börse seit Jahresbeginn 10,4 Prozent zugelegt. (Bild: Keystone)

Die Unsicherheit scheint wieder zurück an den Börsen. Gestern gab es europaweit einen deutlichen Dämpfer. Der Swiss Market Index verlor rund 2,38 Prozent, der breiter gefasste Swiss Performance Index 2,26 Prozent. Über die Gründe gingen die Meinungen auseinander. «Die Wirtschaftsschwäche in Europa könnte sich weiter vertiefen und auch Deutschland stärker mitziehen», erklärte Renato Flückiger, Leiter Investment bei der Bank Valiant. Gemäss der Deutschen Bundesbank ist die Finanzkrise noch nicht annähernd bewältigt. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann schliesst eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank deshalb nicht aus.

Es gibt aber auch andere Erklärungsansätze. So spekulierte das deutsche Handelsblatt gestern darüber, dass der jüngste Zerfall des Goldpreises (siehe Box) auf Manipulationen von Marktteilnehmern beruhen könnte. Diese Mutmassungen brächten auch Unruhe in den Aktienmarkt.

«Keine Chance für Höchststände»

Wohin geht der Trend? In den letzten Wochen hat der SMI 4,2 Prozent verloren, seit Jahresbeginn liegt er aber immer noch mit 10,4 Prozent im Plus, der SPI gar mit knapp 12,3 Prozent. «Damit ist der SMI immer noch einer der am besten laufenden Indizes in diesem Jahr», sagt Renato Flückiger. Zum Vergleich: Der DAX hat seit Jahresbeginn 1,4 Prozent verloren, der Eurostoxx 50 gar über 3 Prozent. Der Dow Jones hingegen hat um 11,2 Prozent zugelegt.

Dass der SMI so gut abgeschnitten hat, hängt mit seiner Zusammensetzung zusammen. Defensive Sektoren wie die Pharma- und die Nahrungsmittelindustrie sind im Schweizer Leitindex überproportional stark gewichtet. «Solange die zyklischen Titel aus dem Industrie- und Finanzbereich nicht deutlich zulegen, sehe ich keine Chance für neue Höchststände», stellt Flückiger klar. Die aktuelle Rally werde überschätzt, weil sie nicht breit abgestützt sei.

Ähnlich sieht es der unabhängige Luzerner Vermögensberater Christof Strässle. «Aktuell rechne mit einer kurzfristigen Konsolidierungsphase und Korrekturen von vielleicht 5 Prozent», sagt der Inhaber der Strässle & Partner Vermögens-Engineering AG. Für den Rest des Jahres sei er vorsichtig optimistisch. «Der grösste Kurs-Schub für dieses Jahr dürfte jedoch gelaufen sein», sagt Strässle voraus.

Aktien gestaffelt kaufen

Den bisherigen Höhenflug im laufenden Jahr erklärt der Vermögensberater mit dem aktuellen Anlagenotstand. «Bei den Immobilien sind die Risiken gestiegen, Obligationen werfen nur wenig Rendite ab», sagt Strässle. Die einzige für den normalen Investor verfügbare Anlageklasse, bei der mehr als 3 Prozent Rendite erzielt werden könnten, seien die Aktien. Angesichts der hohen Verschuldung vieler Länder der Eurozone, Japans und der USA spricht noch ein weiteres Argument für die Aktie. Sie bietet einen guten Schutz gegen Inflation. Da aber viele der hoch verschuldeten Länder versuchen dürften, ihre Schulden über Inflation zu senken, könnte diese langfristig auch in der Schweiz deutlich anziehen.

«Wer jetzt noch Aktien erwerben will, sollte es auf jeden Fall gestaffelt machen und defensive Werte bevorzugen», ergänzt Renato Flückiger. Vom Kursniveau her seien Roche, Nestlé und Novartis zwar nicht mehr günstig, die Dividendenrendite zwischen 3 und 4 Prozent bleibe aber attraktiv. Gilles Bey, Portfoliomanager Aktien Schweiz bei Valiant, bewertet zudem die Aktien von Geberit, Sika, ABB, Dätwyler, Lonza, Givaudan und Swiss Re als attraktiv.

US-Markt mit viel Potenzial

Christof Strässle empfiehlt neben defensiven Titeln Anlagefonds, die beispielsweise den Schweizer Aktienmarkt abbilden. Beispiele sind passiv verwaltete Fonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF) oder aber so genannte Indexfonds. «Mit diesen partizipiert man 1:1 an der Entwicklung des Aktienindex, hat aber deutlich geringere Kosten als bei einem aktiven Fonds, der viel handelt und umschichtet», sagt Strässle. Ein Schweizer Aktienfonds kostet in der passiven Form zwischen 0,35 und 0,5 Prozent. Bei einem aktiven Fonds würden 1,2 bis 1,5 Prozent belastet.

Die interessantesten Aktienmärkte sind für Strässle und Flückiger die Schweiz, die USA und mit etwas Zurückhaltung die Schwellenländer. Anlegern, die am Wachstum ausländischer Märkte teilhaben wollen, empfehlen sie eine Risikostreuung über Kollektivanlagen.