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ANLAGEEXPERTEN BLEIBEN DEN AKTIEN TREU: Das Gold lockt wieder

Die erste Hälfte des Anlagejahres hat zahlreiche Überraschungen gebracht. Trotz Brexit und Putsch in der Türkei scheint der Appetit nach Aktien ungestillt – gleichzeitig kommt es zu Umschichtungen.
Ernst Meier
Bild: Grafik Neue LZ

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Ernst Meier

Die Gefahren, welche Anlegern schlaflose Nächte bereiten können, scheinen immer zahlreicher zu werden. Nebst den bekannten Sorgen (langsameres Wachstum in China, Flaute in Europa) kamen heuer die zunehmende Terrorgefahr, turbulente Vorwahlen in den USA, Bankenkrise in Italien und der Brexit dazu. Der Putsch in der Türkei hat die Sorgenliste jüngst um einen weiteren Gefahrenherd erweitert.

Der Brexit-Entscheid zeigte denn auch kurzfristig seine Auswirkungen. Hiesige Finanztitel gaben auf breiter Front nach. Anleger schichteten in defensive Werte um. Nach dem Brexit-Ja vom 23. Juni gaben die Aktien von UBS und CS innert zwei Wochen um 25 Prozent nach. Im gleichen Zeitraum legte Nestlé um 8, Emmi um 4 Prozent zu. Der Höhenflug soll weitergehen. Die US-Bank JP Morgan hat jüngst das Kursziel für Nestlé auf 88 Franken erhöht. Derzeit notiert die Aktie bei 78 Franken.

Die Flucht in sichere Anlage-Häfen zeichnete sich schon zu Jahresbeginn ab. So verabschiedete sich der Goldpreis aus einer während vier Jahren andauernden Talfahrt. Seit Januar verteuerte sich die in US-Dollar gehandelte Feinunze (31,1 Gramm) kontinuierlich. Der Brexit gab dem Edelmetall einen zusätzlichen Schub. Gold gehört mit einem Jahresplus von 22 Prozent zu den Gewinnern des bisherigen Anlagejahres.

«Keine Rezessionsgefahr»

Trotz den steigenden Gefahren und dem Comeback von Gold, Aktien werden auch im zweiten Halbjahr eine beliebte Anlageklasse bleiben. Darin sind sich die befragten Experten einig (siehe Kasten unten). «Der Brexit dürfte nur begrenzten Einfluss auf die Wirtschaft der Eurozone haben, auch wenn die politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten vorerst anhalten dürften», wie die Bank Julius Bär in ihrer Lagebeurteilung schreibt. «Fundamental läuft die Weltwirtschaft mit einem Wachstum von rund 2 Prozent weiterhin gut. Wir sehen keine Rezessionsgefahr», sagt Sandro Dittli, Anlagechef beim Vermögensverwalter WM Partners. Das Vertrauen der Konsumenten in der Eurozone sei sogar gestiegen. «Immer mehr kommt das Geld der Zentralbank via den Kreditmechanismus der Banken in der Realwirtschaft an», erklärt Dittli.

Lösung für Bankenkrise in Italien

Wegen der Verunsicherung, wie es mit dem Finanzplatz London weitergeht und den Sorgen um die verschuldeten Banken in Italien, kam in den letzten Wochen die Angst vor einer «Finanzkrise 2.0» auf. Obwohl man die langfristigen Folgen des Brexit noch nicht richtig abschätzen kann und den europäischen Banken noch ein Stresstest bevorsteht, glaubt Sandro Dittli nicht an ein solches Szenario. «Ich denke, dass die europäischen Instanzen den gefährdeten italienischen Banken rechtzeitig unter die Arme greifen und so den nötigen Support geben werden, damit eine Eskalation der Gefahr verhindert wird.»

Trotz Korrekturen, wie sie die Börsenwelt soeben wieder erlebt, glaubt Cash-Guru Fredi Herbert nicht an eine Trendumkehr. «Brexit und der Putsch in der Türkei haben den Risikoappetit an den Börsen nicht stoppen können. Auch der Dollar oder der Schweizer Franken sind dadurch nicht markant gestiegen», sagt Fredi Herbert, der das Auf und Ab an den Börsen seit 1953 aktiv verfolgt.

Anlageexperten bleiben den Aktien treu

eme. Allen Ängsten und Warnungen zum Trotz, am Anlageinstrument Aktie scheint weiterhin kein Weg vorbeizuführen. Hauptgrund: Wer das Geld auf dem Sparkonto lässt, kriegt keine Zinsen. Auch wenn die Augen misstrauisch auf die Politik gerichtet sind, so ist die Hoffnung, dass die Konjunkturerholung anhält, gestiegen.

Europäische Aktien sind günstig

«Wir sind zuversichtlich, was Aktien betrifft. Die Weltwirtschaft wächst, wenn auch im Schildkrötentempo. Wir bevorzugen europäische und insbesondere Schweizer Aktien, das Erholungspotenzial ist hier grösser als in den USA, wo sich die Märkte auf Höchstständen befinden. Entscheidend wird jedoch zunehmend die Selektion. Enttäuschende Unternehmensnachrichten werden kräftig abgestraft. Es gilt, die Perlen zu finden, wie beispielsweise Lonza, welche gerade das beste Halbjahresergebnis in der Unternehmensgeschichte bekannt gegeben hat. Auch der Zuger Finanzdienstleister Partners Group gefällt uns, das Wachstum ist beeindruckend. ABB behauptet sich in einem anspruchsvollen Umfeld gut. Zurückhaltend sind wir bei den Banken. Selbst die Tiefstpreise bei UBS und CS sind für uns kein Kaufsignal. Banken bleiben eine Blackbox.

Bei den Anleihen wird es immer schwieriger. Erträge gibt es fast nur noch in tieferen Schuldnersegmenten oder bei sehr langen Laufzeiten. Letzteres birgt aber hohe Risiken im Falle der Zinswende, welche früher oder später kommen wird. Im Anleihen-Segment ist heute eine grosse Expertise gefragt. Gold ist für uns kein Thema, es wirft keine Erträge ab. Hier würden wir die kürzliche Rallye nutzen, um zu verkaufen.»

Timo Dainese, CEO Zugerberg Finanz

Selektiv bei Schweizer Titeln

«Grundsätzlich bin ich positiv gestimmt für Aktien, denn andere Anlagen bleiben aufgrund der Nullzinsen, ja gar Negativzinsen, keine Alternative. Die politischen Turbulenzen (Türkei, US-Wahlen, Brexit) sorgen jedoch immer wieder für Verunsicherung an den Börsen. Die Märkte versuchen das zwar abzuschütteln; in den USA verzeichnet man sogar Höchststände. Durch politische Ereignisse kann es aber jederzeit zu Rückschlägen kommen. In dieser unsicheren Zeit bleiben Schweizer Titel attraktiv. Zunehmend muss aber hier selektiv investiert werden.

Die bisherigen Halbjahresergebnisse und auch die Zahlen der Schweizerischen Exportstatistik von dieser Woche zeigen, wo die Musik spielt. Swatch gilt es zu meiden, auch die Maschinenindustrie läuft nur noch mässig, Pharmatitel bleiben gefragt. Für die Schweizer Exportunternehmen ist der Schweizer Franken weiterhin ein grosses Handicap. Der Brexit macht die Situation noch schwieriger.

Bei Bankentiteln gilt: Hände weg. Versicherungen können in Betracht gezogen werden, zumal vielerorts ansehnliche Dividenden gezahlt werden. Gold und auch Silber bleiben im zweiten Halbjahr attraktiv. In Asien, vor allem Indien, wird zugekauft.»

Fredi Herbert, «Cash»-Guru

Pharma- und Konsumaktien

«Trotz hoher Bewertung und einer US-Börse mit neuer Höchstmarke sehen wir keinen Grund, aus Aktien auszusteigen, und bleiben in Aktien übergewichtet. Gerade Konsumtitel wie Nestlé oder Pharmatitel wie Roche und Novartis erachten wir als stabil. In der Eurozone hat die Inlandnachfrage angezogen. Wir sehen dies als positive Folge der expansiven Geldpolitik der EZB. Die Kreditvergabe der Banken steigt, und das Geld kommt vermehrt in der Wirtschaft an. Bei Anleihen sind wir untergewichtet. Wir berücksichtigen für unsere Kunden vermehrt alternative Anlagen. Darunter sind Mikrofinanzanlagen, versicherungsbasierte Anlagen, privat platzierte Versicherungsanleihen oder Infrastrukturanlagen. Investitionen sind via Fonds möglich. Gold macht für uns nur als Absicherung und Diversifizierung Sinn. Einen sinnvollen Goldanteil in einem Portfolio sehen wir bei 4 bis 6 Prozent.

Sandro Dittli, Anlagechef WM Partners

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