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ANLAGEN: Gratistest für klimaverträgliche Investitionen

Schweizer Pensionskassen und Versicherungen können ihr Anlageportefeuille jetzt auf die Klimaverträglichkeit prüfen lassen – eine vom Bund unterstützte Möglichkeit zur Umsetzung der Pariser Klimaziele.
Balz Bruppacher
Ein Kohlekraftwerk bei Grevenbroich im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. (Bild: Sascha Schürmann (3. April 2014))

Ein Kohlekraftwerk bei Grevenbroich im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. (Bild: Sascha Schürmann (3. April 2014))

Balz Bruppacher

Nachhaltigkeit erschöpft sich oft in Floskeln über hehre Ziele und nötige Verhaltensänderungen. Nach dem Motto «Taten statt Worte» kommt hierzulande nun Bewegung in die Bemühungen, die Finanzflüsse besser mit den Zielen des Umweltschutzes in Einklang zu bringen. In diesen Tagen ist ein Pilotprojekt angelaufen, das allen Schweizer Pensionskassen und Versicherungen offensteht. Ein kostenloser Test untersucht, wie kompatibel die Anlagen dieser Firmen mit dem Klimaziel sind, die globale Erwärmung unter zwei Grad zu halten. Ermöglicht werden die Tests durch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF).

Mit dem Pilotprojekt unterstützt der Bund die Branche bei der freiwilligen Umsetzung des Ziels aus dem internationalen Klimaabkommen von Paris. In diesem hat sich die internationale Staatengemeinschaft verpflichtet, auch die Finanzflüsse klimaverträglich auszugestalten. Zudem entspricht das Projekt den Grundsätzen der Strategie, die der Bundesrat vor gut einem Jahr zum Thema Nachhaltigkeit im ­Finanzgeschäft festgelegt hat.

Freiwillig, vertraulich und kostenlos

Das Bundesamt ist zu diesem Zweck eine Partnerschaft mit der in Paris, Berlin, London und New York ansässigen Denkfabrik «2 Degrees Investing Initiative» eingegangen, wie Projektleiterin Silvia Ruprecht-Martignoli von der Bafu-Sektion Klimapolitik erklärt. Die gemeinnützige Institution hat hauptsächlich mit Forschungsmitteln der EU ein Modell entwickelt, das bereits von über 100 institutionellen Investoren weltweit getestet wurde. Die Schweiz beteiligt sich mit 200 000 Franken an der Weiterentwicklung und Automatisierung und erhält eine anonymisierte Meta-Analyse. Parallel zu den Tests der Schweizer Versicherungen und Pensionskassen lassen auch zwei europäische Zentralbanken Daten ihrer Finanzinstitute auf die Klimaverträglichkeit prüfen. «Es handelt sich um eine freiwillige, kostenlose und vertrauliche Analyse», sagt Ruprecht-Martignoli.

Untersucht werden die Anlagen in Aktien und Unternehmensobligationen. Die teilnehmenden Pensionskassen und Versicherungen müssen die Resultate nicht veröffentlichen. Die Denkfabrik wird die Ergebnisse in anonymisierter Form einer Meta-Analyse ans Bafu und SIF weiterleiten. Die Versicherungen und Pensionskassen können ihre Eingaben noch bis zum 15. Juli machen. Ende September sollten die Analysen abgeschlossen sein.

Was bringen diese Tests den Beteiligten, und was erhoffen sich die Behörden? Nach Angaben der Denkfabrik haben seit der Einführung institutionelle Investoren in 16 Ländern ihre Aktienportfolios auf die Klimaverträglichkeit getestet. Die Rückmeldungen zeigten, dass fast vier Fünftel der Teilnehmer das Modell als gleich relevant oder relevanter als bestehende Analysen zu indirekten Klimawirkungen bewerteten. Ebenso viele Firmen gaben an, sie würden die Resultate wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich für ihre Investitionsentscheide verwenden.

Im Unterschied zu Analysen über den CO2-Fussabdruck enthält das Modell vorausschauende Elemente. Damit können auch Aussagen über potenzielle Risiken aufgrund von Investitionen in emissionsintensive Unternehmen gemacht werden. Es erhebt aber keinen Anspruch, die Risiken zu quantifizieren. Zudem erfasst der Pilottest neben Aktien und Unternehmensanleihen momentan keine weiteren Anlagekategorien.

Schweiz steuert auf vier bis sechs Grad Erwärmung zu

Aus Sicht der Behörden geht es um die Sensibilisierung und die Information über die Klimawirkungen der Finanzflüsse. Allein mit ihren Auslandaktien finanzierten Schweizer Pensionskassen heutzutage Unternehmen, die pro versicherte Person jährlich 6,4 Tonnen CO2-Äquivalente ausstiessen, ermittelte das Bafu 2015. Das ist etwa gleich viel, wie in der Schweiz direkt pro Kopf durch Heizen, Autofahren und Ähnliches emittiert wird. Das heutige Investitionsverhalten unterstützt gemäss Bafu eher eine Erwärmung von vier bis sechs Grad, also bis drei Mal so viel wie das international vereinbarte Ziel von weniger als zwei Grad. Nur ein Umdenken der Investoren kann dies ändern. «Dafür müssen Informationen zu den Klimafolgen von Geldanlagen sowie von Unternehmensbeteiligungen und –finanzierungen systematisch erhoben werden», sagt Ruprecht-Martignoli. Sie verweist zudem auf eine Studie vom letzten Herbst, wonach sich klimafreundliche Investitionen auch lohnen können. Acht von elf klimafreundlichen Strategien erreichten demnach ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis als der konventionelle Vergleichsindex.

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