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ANLAGESTIFTUNG ETHOS: Kritik an Präsident und zwei Abgänge in der Führungsetage

Aus Protest gegen die Geschäftsführung von Dominique Biedermann treten zwei prominente Mitglieder von Stiftungsrat und Verwaltungsrat zurück.
Daniel Zulauf und Roman Schenkel
Ethos-Präsident Dominique Biedermann steht in der Kritik. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 29. September 2016))

Ethos-Präsident Dominique Biedermann steht in der Kritik. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 29. September 2016))

Daniel Zulauf und Roman Schenkel

Bei der Genfer Anlagestiftung Ethos herrscht dicke Luft. Am Dienstag hat Monika Roth, die bekannte Basler Rechtsanwältin und Studienleiterin an der Hochschule Luzern für Wirtschaftsrecht, ihren sofortigen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der Ethos Services AG bekanntgegeben. Roth ist eine Spezialistin für Fragen rund um den Anlegerschutz. Sie gehört seit zehn Jahren dem Ethos-Verwaltungsrat an. Eine persönliche Auseinandersetzung zwischen ihr und Dominique Biedermann, dem Ethos-Präsidenten und langjährigen, früheren Direktor, soll dem seit Jahren schwierigen Verhältnis zwischen den beiden ein abruptes Ende bereitet haben. Roth sagt auf Anfrage, es seien verleumdende Äusserungen gewesen, die den Eclat mit dem in der Schweiz als «Robin Hood der Aktionäre» bekannten Anlageexperten provoziert hätten.

Gleichentags gab auch die zweite Frau in der Ethos-Führung ihren sofortigen Rücktritt bekannt. Françoise Bruderer Thom, Geschäftsführerin der Pensionskasse Post, sass als Vertreterin einer der grössten Kunden von Ethos im Stiftungsrat. Sie demissionierte ebenfalls am 5. Dezember nach einer Sitzung mit Biedermann. Sie begründet ihren Entscheid auf Anfrage als Protest gegen Biedermann, der sich «schwere und wiederholte Verstösse gegen die Corporate Governance» habe zuschulden kommen lassen.

Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

Die beiden Personen sind bereits von der Webseite von Ethos entfernt worden. Ethos selber hat die Rücktritte aber noch nicht aktiv kommuniziert. Auf Anfrage hat Biedermann die Demissionen gestern aber bestätigt. Er habe die Rücktrittsentscheidungen mit grosser Überraschung zur Kenntnis genommen.

Nach den unserer Zeitung vorliegenden Informationen kann die Überraschung für Biedermann aber nicht ganz so gross gewesen sein. Die Stimmung zwischen ihm und den beiden ausgetretenen Ratsmitgliedern sei schon seit geraumer Zeit stark belastet. Bruderer Thom soll am Dienstag Biedermanns Rücktritt als Präsident von Ethos gefordert haben. Offenbar hat sich der seit zwei Jahren als Präsident amtierende Genfer in seiner Rolle so gut eingerichtet, dass er bei seinen Kritikern nun als Sesselkleber in Verdacht steht. Schon bei seiner Wahl vor zwei Jahren, die den direkten Übergang von der Funktion des Direktors in die Funktion des Präsidenten markierte, habe es bei einigen Ratsmitgliedern schwere Bedenken gegeben. Der geforderte Plan nach einer zügigen Nachfolgeregelung sei nie auf den Tisch gekommen. Erst jetzt hat Biedermann unter Druck reagiert und eine Selbstevaluation des Verwaltungsrates aufgegleist.

Biedermann war während vieler Jahre das Gesicht von Ethos, und es gab Befürchtungen, dass er durch seine fortgesetzte Leitungsfunktion die Entwicklung seines Nachfolgers im Direktorium, Vincent Kaufmann, behindern könnte. Das Problem wurde von den Bedenkenträgern als umso grösser wahrgenommen, als Biedermanns Ehefrau als Leiterin der Research-Abteilung ebenfalls eine Schlüsselfunktion in der Stiftung einnimmt. Die promovierte Ökonomin ist seit 19 Jahren für Ethos tätig, ihre Kritiker bezeichnen sie als dominante Persönlichkeit, ausgestattet mit einer hohen fachlichen Kompetenz.

Biedermann sagt, die Governance sei streng geregelt. Die Behandlung der Interessenkonflikte seien unter dem geltenden Reglement klar geregelt. Biedermann hält Françoise Bruderer Thom vor, die Pensionskasse Post sei als Kundin und Aktionärin von Ethos seit kurzem als Mitbegründerin der Stiftung SVVK-ASIR, einem Verein für nachhaltige Kapitalanlagen, bei der Konkurrenz an Bord gegangen. Auch dieser Zug berge potenzielle Interessenkonflikte. So oder so hat der Eklat das Potenzial, die Glaubwürdigkeit der Anlagestiftung zu beschädigen.

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