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ANSICHTEN: Die Fasnacht aus dem Blickwinkel des Ökonomen

Marco Passardi
Marco Passardi, Professor, Dozent und Projektleiter an der Hochschule Luzern – Wirtschaft und am Institut für Finanzdienstleistungen Zug.

Marco Passardi, Professor, Dozent und Projektleiter an der Hochschule Luzern – Wirtschaft und am Institut für Finanzdienstleistungen Zug.

Am Donnerstagmorgen um fünf Uhr war es (wieder einmal) so weit: Der Urknall eröffnete die Luzerner Fasnacht. Bis auf weiteres wird in Luzern und in vielen weiteren Regionen der Zentralschweiz das öffentliche Leben durch diesen schönen Brauch geprägt sein. Viele Begeisterte geniessen das Fest; an Volksschulen und Hochschulen fallen Unterricht und Vorlesungen aus, und das tägliche Leben läuft ganz anders ab als sonst. Wer allerdings Fasnacht nicht mag, der dürfte sich dieser Tage unwohl fühlen und muss zwangsweise für einige Tage die Region meiden.

Aus ökonomischer Sicht sei an dieser Stelle einmal ein etwas anderer Blick auf die Fasnacht erlaubt. Umzüge, Konfetti auswerfen (und wegputzen), Orangen verteilen und vieles Weitere mehr sind Vorgänge, die in erster Linie wohl auch Kosten verursachen. Die Aufwände des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK), nach eigener Deklaration auf seiner Homepage eine Non-Profit-Gesellschaft, werden über die Erträge des Finanzkomitees finanziert, die sich hauptsächlich aus dem Plakettenverkauf – heuer unter dem Motto «Lozärner Chatzeschtrecker» – und dem Verkauf von Werbeflächen im offiziellen Umzugsprogramm zusammensetzen. Die verlangten Preise dafür sind öffentlich bekannt. Im Weiteren ist vielen Fasnächtlern zu attestieren, dass sie (unzählige) Stunden in ihrer Freizeit gratis leisten und damit viel zur Bewahrung dieses schönen Brauchtums beitragen.

Wer nun allerdings genauer wissen möchte, wie die Jahresrechnung des LFK insgesamt ausschaut, sprich, in welchem Verhältnis die Erlöse und die Kosten stehen – mit oder ohne versuchte Quantifizierung der Arbeiten in der Freizeit – findet auf besagter Homepage keine Informationen; Angaben über die Aufwendungen und Erträge werden nicht veröffentlicht; eine Anfrage des Autors beim LFK nach einer entsprechenden Aufstellung wurde negativ beantwortet.

Aus Sicht von Stadt – und zum Teil Kanton – Luzern dürfte insbesondere auch die bei Betriebswirten bekannte und auch von der Öffentlichkeit gewürdigte Wertschöpfung der Fasnacht von Interesse sein. Das heisst, ein Vergleich über die aus dem Fasnachtstreiben zu erwartenden Nutzen­zuflüsse, etwa in Form von zusätzlichen Übernachtungen in Hotels, Konsumationen in Restaurants und vielem mehr. Dann aber auch die durch den Anlass verursachten Kosten in Form von Reinigungsarbeiten, Material, Strassensperrungen, Polizeiarbeit etc.

Damit soll nicht gesagt sein, dass Sinn oder Nachhaltigkeit von Volksfesten wie der Fasnacht zwingend mit diesen Instrumenten beurteilt werden müssen; aber als Grundlage für das Wirken aller Beteiligten könnten solche Zusammenstellungen hilfreich sein. So hat eine früher durch­geführte Studie im Auftrag des Basler Fasnachts-Comités («d Frau Fasnacht in Frangge und Räppli») – ein Quervergleich mit Basler Verhältnissen sei hier ausdrücklich erlaubt – vor einiger Zeit ergeben, dass das dortige närrische Treiben Ausgaben zu Gunsten des Gewerbes von 28 Millionen Franken auslöst. Verglichen mit den in der Studie zitierten Aufwendungen des Staates und der öffentlichen Verkehrsmittel von 1 Millionen Franken erscheint die Fasnacht damit ökonomisch hoch profitabel.

Der Anlass hat laut dieser Studie eine Bedeutung, die weit über ein «blosses» Fest hinausgeht; er stellt vielmehr ein betriebswirtschaftlich relevantes Mittel zur Wirtschaftsförderung dar. Anzumerken ist, dass sich solche Zahlen selten exakt erheben lassen und von Annahmen der Studienverfasser abhängen; Befragungen von einzelnen Personen erlauben höchstens Schätzungen.

Mit ganz anderen, mitunter sehr eindrücklichen Zahlen wird in der deutschen Fasnachtshochburg Köln operiert. Dort wurde sogar ein renommiertes internationales Beratungsunternehmen engagiert, das sonst Strategien für weltweit tätige Konzerne er­mittelt und internationale Top Shots berät. Dieses renommierte Institut ermittelte eine Wirtschaftskraft des Kölner Karnevals von rund 460 Millionen Euro, zirka 5000 Arbeitsplätze würden im regionalen Umfeld unterstützt, das Gewerbesteueraufkommen – so heisst in Deutschland die von Unternehmen verlangte direkte Steuer – der Stadt Köln würde sich auf 4 bis 5 Millionen Euro belaufen. Auf eine Abgrenzung der Kosten des Anlasses hat die Studie im Detail verzichtet. Im Weiteren wurde dort auch betont, dass der Nutzen der Fasnacht weit über das finanzielle Zahlenwerk hinausgehen würde: Nachhaltigen Wert würde der Karneval auch für das Image der Stadt Köln stiften.

Wie auch immer man diese Zahlen erstellen und interpretieren will: Anlässe wie die Fasnacht umgibt eine besondere Aura, die sich mit Zahlen wohl kaum ausdrücken lässt.

Hinweis: Marco Passardi (43) ist Professor, Dozent und Projektleiter an der Hochschule Luzern – Wirtschaft und am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ).

Marco Passardi

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

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