ANTRIEB: Der neue Glanz der Elektro-Autos

Am Donnerstag beginnt der 85. Auto-Salon in Genf. Elektro- und Hybridautos stehen dabei erneut im Fokus. Diese werden punkto Design und Leistungsstärke immer attraktiver. Ein Augenschein.

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Porsche Panamera S-E Hybrid Verbrauch: 3,1 Liter/100 Kilometer (kombiniert) Leistung: 416 PS Reichweite elektrisch: 36 Kilometer CO?-Ausstoss: 71 g/km Listenpreis: 139 100 Fr. (inkl. MWST) (Bild: PD)

Porsche Panamera S-E Hybrid Verbrauch: 3,1 Liter/100 Kilometer (kombiniert) Leistung: 416 PS Reichweite elektrisch: 36 Kilometer CO?-Ausstoss: 71 g/km Listenpreis: 139 100 Fr. (inkl. MWST) (Bild: PD)

Hans-Peter Hoeren

Ein 8-Gang-Getriebe, dazu eine Motorleistung von 416 PS. Auch punkto Design handelt es sich um einen attraktiven Sportwagen. Dennoch verbraucht der Porsche Panamera S-E Hybrid nur 3,1 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Das Auto kombiniert einen leistungsstarken 6-Zylinder-Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor.

Das Porsche-Modell ist eines von rund 100 Fahrzeugen, die beim 85. Internationalen Auto-Salon in Genf vom 5. bis 15. März auf einer Sonderausstellung umweltfreundlicher Autos zu sehen sind. Die ausgewählten Fahrzeuge haben eines gemeinsam: Sie alle werden mit alternativer Energie angetrieben oder stossen weniger als 95 Gramm CO pro Kilometer aus. Damit erfüllen sie bereits die ab 2021 geplanten verschärften Verbrauchsvorschriften. Zum Vergleich: Bis Ende Jahr müssen die CO-Emissionen von Neuwagen in der Schweiz auf durchschnittlich 130 Gramm pro Kilometer gesenkt werden.

Design wird immer wichtiger

«1997 hat Toyota das weltweit erste Auto mit Hybrid­antrieb präsentiert. Heute gibt es ein breites Angebot von Kleinwagen bis hin zu Luxusautos und SUV mit Hybridantrieb», sagt Anton Keller, Leiter Mobilitätsberatung beim TCS in Emmen. Die Elektrifizierung des Antriebs halte immer mehr Einzug im Autobau. «Früher reichte allein der Antrieb als Imageträger, heute müssen Hybrid- und Elektrofahrzeuge attraktiv sein», weiss er. Hintergrund sind die verschärften Verbrauchsrichtlinien: Die Gesetzgebung verpflichtet den Hersteller, den CO-Höchstwert von 130 Gramm pro Kilometer einzuhalten. Überschreitet er diesen, drohen Strafzahlungen. «Gerechnet wird jeweils der Verbrauch der gesamten verkauften Flotte, ein Elektro- oder ein Hybridmodell kann hier die Werte deutlich senken», sagt Keller. Die 3,1 Liter Benzin auf den ersten 100 Kilometern hält der Porsche Panamera S-E Hybrid denn auch nur ein, wenn er die Reichweite seines Elektromotors ganz ausnutzt. Diese liegt bei 36 Kilometern. Mit elektrischem Antrieb lassen sich Höchstgeschwindigkeiten von 135 Kilometern pro Stunde erreichen, mit dem Verbrennungsmotor bis zu 270 Stundenkilometer. Bei diesen Geschwindigkeiten respektive bei Fahrten im Benziner­modus dürfte der Verbrauch schnell auf bis zu 8 bis 10 Liter oder darüber ansteigen.

Trügerische Werksangaben

20 bis 30 Prozent des Benzinverbrauchs hängen zudem vom Fahrverhalten und der Fahrstrecke ab. «Für einen 3-Liter-Verbrauch braucht es auch einen 3-Liter-Fahrer und eine 3-Liter-Strasse», stellt Anton Keller klar. Die von den Herstellern angegebenen Verbrauchsangaben liessen sich zudem vor allem unter Laborbedingungen erzielen. In der Praxis liege der Verbrauch pro 100 Kilometer laut TCS-Messungen etwa 1 Liter über den Werksangaben (siehe Box).

Erstmals in Genf zu sehen ist die reine Elektrolimousine Tesla S mit einem Dualmotor-Allradantrieb. Diese verfügt über zwei Elektromotoren einen an der Hinter- und einen an der Vorderachse. Dies ermöglicht es, das Drehmoment an den Vorder- und Hinter­rädern separat zu steuern. Mit dem Dualmotor kann man einen Tesla S mit einer 85-kWh-Batterie ausstatten lassen. Ein solches Auto hat eine geschätzte Reichweite von 502 Kilometern. Die Motorleistung liegt bei 380 PS, die Höchstgeschwindigkeit bei 250 Kilometern/pro Stunde. Das Fahrzeug beschleunigt in 5,4 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer.

Noch schneller beschleunigt das Modell S Performance nämlich innerhalb von 3,4 Sekunden. Dieses Modell enthält den Dualmotor-Allradantrieb serienmässig. Die Motorleistung liegt bei 700 PS, die Reichweite bei 480 Kilometern. Gemäss Listenpreis kostet das Fahrzeug in der Schweiz 101 900 Franken, Lieferbeginn ist ab Mai.

Tesla konkurrenziert Mercedes

Mit 497 Neuzulassungen war das Tesla-Modell S im vergangenen Jahr das meistverkaufte Elektroauto der Schweiz. Die Elektrolimousinen aus Kalifornien konkurrenzieren vor allem Fahrzeuge der Oberklasse, wie beispielsweise BMW oder Mercedes. Die Stuttgarter Autobauer präsentieren in Genf einen Plug-in-Hybrid für die C-Klasse, den Mercedes C 350 Plug-in-Hybrid. Dieser fährt 31 Kilometer rein elektrisch. Bei voller Ausnutzung dieser Reichweite verbraucht das Fahrzeug in Kombination mit dem Benzinmotor auf 100 Kilometer rund 2,1 Liter. Der CO-Ausstoss liegt bei 48 Gramm pro Kilometer. Das Fahrzeug ist ab März in der Schweiz bestellbar. Auch in der unteren Mittelklasse sind alternative Antriebe mittlerweile reichlich vertreten. VW beispielsweise präsentierte vor einem Jahr den Golf GTE, in diesem Jahr wird der Passat GTE vorgestellt.

Erstes Brennstoffzellenauto

«Diese Hybridfahrzeuge der Ober- und Mittelklasse sind vor allem für kürzere Strecken gut geeignet, auf längeren Strecken werden sie die angegebenen Verbrauchswerte nicht erreichen», sagt Anton Keller. Auf längeren Strecken sei ein Dieselfahrzeug punkto Verbrauch im Vorteil. Auch der Toyota Prius sei für den Stadtverkehr geeigneter, da hier der Elektroanteil der Antriebsenergie wesentlich grösser ausfalle als auf der Autobahn. Beim Prius ohne Steckdose (Plug-in) laden sich die Batterien über den Benzinmotor wieder auf. Den Japanern ist es zudem gelungen, mit dem Toyota Mirai das erste Brennstoffzellenfahrzeug in Serienproduktion herzustellen. Dieses ist unter anderem mit einem Elektromotor ausgestattet und hat eine Reichweite von rund 480 Kilometern. Dennoch steckt die Technologie in den Kinderschuhen. «Das Problem der Brennstoffzelle ist die Speicherung der Energie und dass es praktisch noch keine Tankstellen gibt», sagt Keller.

Sparsame Benziner und Diesel

Welcher Antrieb zu welchem Fahrer passt das hängt vor allem von seinen Ansprüchen und dem Nutzungsverhalten ab. «Auch herkömmliche Verbrennungsmotoren werden immer besser», sagt Anton Keller. Im TCS-Verbrauchskatalog für 2015 finden sich in den Rubriken Klein- und Mittelklassewagen beispielsweise einige Benziner- und Dieselfahrzeuge mit einem Benzinverbrauch von unter 4 Litern und einem CO-Ausstoss unter 90 Gramm pro Kilometer. Beispielsweise der Lexus CT 200h 1.8 impression CVT oder der VW Golf 1.6 TDI BlueMotion Comfortline.

Aktuell dominieren aber immer noch klar die Verbrennungsmotoren, und das wird noch länger so bleiben. Lediglich 9863 Gas-, Hybrid- und Elektrofahrzeuge wurden 2014 in der Schweiz verkauft ein Plus von 5 Prozent. Damit liegt der Anteil am gesamten Neuwagenmarkt aber gerade einmal bei 3,3 Prozent.

Mercedes C 350 Plug-in-Hybrid Verbrauch: rund 2,1 l/100 km Leistung: 279 PS Reichweite: rein elektrisch 31 km CO?-Ausstoss: 48 Gramm pro Kilometer Listenpreis (in Deutschland): 50 961 Euro Benzinmotor mit Elektromotor (Bild: PD)

Mercedes C 350 Plug-in-Hybrid Verbrauch: rund 2,1 l/100 km Leistung: 279 PS Reichweite: rein elektrisch 31 km CO?-Ausstoss: 48 Gramm pro Kilometer Listenpreis (in Deutschland): 50 961 Euro Benzinmotor mit Elektromotor (Bild: PD)

Toyota Mirai Brennstoffzellenauto Verbrauch: eine Tankfüllung Wasserstoff reicht für 500 Kilometer Leistung: 155 PS Kein CO?-Ausstoss Problematik: Es gibt noch kein Tankstellennetz (in der Schweiz gibt es gerade mal eine Tankstelle) Preis in Deutschland: 78 540 Euro (Bild: PD)

Toyota Mirai Brennstoffzellenauto Verbrauch: eine Tankfüllung Wasserstoff reicht für 500 Kilometer Leistung: 155 PS Kein CO?-Ausstoss Problematik: Es gibt noch kein Tankstellennetz (in der Schweiz gibt es gerade mal eine Tankstelle) Preis in Deutschland: 78 540 Euro (Bild: PD)