Anzeigen geplant: Kleinaktionäre wehren sich gegen mögliche Kapitalerhöhung des Luzerner Stahlkonzerns Swiss Steel Group

«Es ist ungeheuerlich, wie mit den Minderheitsaktionären umgesprungen wird», sagt ein Kleinaktionär. Grossaktionär Martin Haefner beruft sich auf Finma-Entscheid.

Maurizio Minetti
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Martin Haefner an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 2. Dezember 2019 im Stahlwerk in Emmenbrücke.

Martin Haefner an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 2. Dezember 2019 im Stahlwerk in Emmenbrücke.

Bild: Dominik Wunderli

Lange blieben die Kleinaktionäre des Luzerner Stahlherstellers Swiss Steel Group (ehemals Schmolz+Bickenbach) ruhig, doch nun haben sie sich formiert. Aufgrund verschiedener Ereignisse seit dem Beschluss zur Kapitalerhöhung an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 2. Dezember 2019 und «aufgerüttelt durch die Berichterstattung in den Medien von letzter Woche» haben nun einige Minderheitsaktionäre die «Interessengemeinschaft der unzufriedenen Kleinaktionäre der Swiss Steel» (Iguk) gegründet, wie es in einer Mitteilung heisst. Die neu formierte IG widersetzt sich dem Grossaktionär Martin Haefner und ruft zur Einreichung von Anzeigen an die Übernahmekommission auf. Haefner hält aktuell knapp 50 Prozent am Unternehmen.

Hintergrund: Durch die damalige Kapitalerhöhung fand ein Kontrollwechsel zu Martin Haefner statt. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) machte den Weg frei für die Kapitalerhöhung, indem sie Martin Haefner eine Ausnahme von der Angebotspflicht beim Überschreiten des Eindrittelanteils gewährte. Das heisst, dass Minderheitsaktionäre leer ausgingen. Die Erben der Gründerfamilien Schmolz und Bickenbach wehrten sich dagegen und erhielten von Martin Haefner schliesslich ein grosszügiges Angebot von 45 Rappen pro Aktie – der Wert pro Aktie betrug damals 22 Rappen. Anderen Minderheitsaktionären musste Haefner aber kein Angebot machen. Einige von ihnen reichten deshalb im Mai 2020 Anzeigen bei der Übernahmekommission ein, die noch keinen Entscheid gefällt hat.

Gemäss Finma muss Haefner bis Ende 2024 seinen Anteil auf unter 33,3 Prozent verkleinern. Macht er das nicht, muss er den übrigen Aktionären dann ein Pflichtangebot unterbreiten.

Swiss Steel nimmt Aktivitäten zur Kenntnis

Nun steht erneut eine weitere mögliche Kapitalerhöhung im Raum. Dagegen wehrt sich nun die Iguk und ruft die Minderheitsaktionäre auf, bei der Übernahmekommission wiederum Anzeigen einzureichen. Dazu verweisen sie auf die Website www.iguk.info, auf welcher ein Schreiben zu finden ist, das nur noch mit dem Namen des Aktionärs zu ergänzen und zu unterschreiben sei.

Walter Bucher von der Iguk meint dazu: «Es ist ungeheuerlich, wie hier mit den Minderheitsaktionären umgesprungen wird.» Und ein weiterer Kleinaktionär, Roland Wismer, ergänzt: «Es kann nicht sein, dass Martin Haefner die Aktien der Gründerfamilie für 45 Rappen kauft und die Kleinaktionäre nicht die Möglichkeit erhalten, ihre Aktien zum selben Preis abzustossen. Es scheint, dass nicht nur die Kleinaktionäre aufs Kreuz gelegt wurden, sondern auch die Finma.» Martin Haefner soll im Hinblick auf eine möglicherweise bevorstehende erneute Kapitalerhöhung verpflichtet werden, allen Aktionären ein Angebot respektive einen Ausstieg zum Preis von ebenfalls 45 Rappen pro Aktie zu unterbreiten. Die IG verweist dabei auf die Swiss-Steel-Mitteilung vom 9. November 2020, in der das Unternehmen schreibt, man verfüge über genügend Liquidität und brauche zurzeit keine finanziellen Mittel. «Das bedeutet, dass eine erneute Kapitalerhöhung einzig dem Zweck dient, die Position von Martin Haefner zulasten der Minderheitsaktionäre weiter auszubauen», glauben die Wortführer der Iguk.

Martin Haefner liess über einen Sprecher ausrichten, er orientiere sich am Entscheid der Finma. Spekulationen zum Finanzierungskonzept der Swiss Steel Group kommentiere er grundsätzlich nicht. Eine Sprecherin der Swiss Steel Group sagte auf Anfrage, man nehme die aktuellen Aktivitäten der Aktionäre zur Kenntnis.