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Weko ermittelt gegen Banken wegen Boykott von Apple Pay und Co.

Die Wettbewerbskommission nimmt Finanzinstitute ins Visier. Grund ist ein möglicher Boykott von mobilen Bezahllösungen. Bei Banken und Kreditkartenfirmen wurden Razzien durchgeführt.
Daniel Zulauf
Investoren von Twint sollen sich vor ausländischer Konkurrenz unrechtmässig geschützt haben. (Bild: Christian Beutler/Keystone Bern, 2. Mai 2018)

Investoren von Twint sollen sich vor ausländischer Konkurrenz unrechtmässig geschützt haben. (Bild: Christian Beutler/Keystone Bern, 2. Mai 2018)

Führende Anbieter im Schweizer Geschäft mit mobilen Bezahlsystem erhielten in den vergangenen Tagen unangemeldeten Besuch von der Kartellbehörde. Bei UBS, Credit Suisse, Postfinance, Aduno und Swisscard seien Hausdurchsuchungen vorgenommen worden, gab die Wettbewerbskommission am Donnerstag in einer kurzen Mitteilung bekannt. Die Firmen stehen im Verdacht, die mobilen Bezahllösungen internationaler Anbieter wie Apple Pay und Samsung Pay zu boykottieren. Die Platzhirsche könnten sich widerrechtlich abgesprochen haben, ihre Kreditkarten nicht für die Benutzung durch Konkurrenzanbieter freizugeben um so die eigene Lösung «Twint» zu bevorzugen, mutmasst die Behörde.

200 Millionen für den Aufbau von Twint

Die Untersuchung kommt im Zeitpunkt zwar überraschend, Marktbeobachter erwarteten sie aber schon seit Längerem. Dass die beiden Technologiegiganten mit ihren mobilen Bezahlsystemen in der Schweiz nicht auf Touren kommen ist kein Geheimnis. Apple war vor über zwei Jahren in den Schweizer Markt eingetreten. Unterstützt wird deren System aber erst von fünf Kartenanbietern im Land. Offenbar hat ein Marktteilnehmer nun Anzeige erstattet und den Behörden brauchbare Hinweise gegeben, die als Grundlage für die Eröffnung einer kartellrechtlichen Untersuchung ausreichen. Die verdächtigen Parteien wehrten sich postwendend. „Wir sind überrascht über diese Untersuchung und überzeugt, dass sich die Vorwürfe als unbegründet erweisen werden», erklärte etwa die Credit Suisse. Via Swisscard biete man den Konsumenten in der Schweiz schon heute Zugang zu Apple Pay und Samsung Pay. Zudem stehe man mit Apple, Samsung und Google schon seit mehreren Monaten im Gespräch über eine mögliche Einführung derer Zahlungslösungen für die eigenen Kunden.

Doch diese Argumente ziehen nur auf den ersten Blick. Swisscard, ein Gemeinschaftsunternehmen von Credit Suisse und American Express, besitzt nach eigenen Angaben einen Anteil am Schweizer Kreditkartenmarkt von 28 Prozent. Diese starke Marktstellung kommt in der schwachen Wettbewerbsposition von Apple Pay und Samsung Pay offensichtlich nicht zum Ausdruck. Auch der Umstand, dass die Bank mit ihren Konkurrenten Verhandlungen führt ist kein Beleg dafür, dass sich die Parteien näherkommen. In Marktkreisen ist eher das Gegenteil zu hören. Apple Pay und Samsung Pay sollen bis zu 30 Prozent vom Kommissionertrag der Kartenanbieter einfordern, wird gemunkelt. Zudem verlangten die Technologiefirmen von den Banken erhebliche Investitionen in das Marketing.

Enormes Potenzial

Die Vermutung, dass den Banken die eigene Lösung Twint aus betriebswirtschaftlichen Gründen weit näher steht liegt auf der Hand. Die von Twint generierten Erträge fliessen in vollem Umfang an diese zurück und tragen zur Amortisation der beträchtlichen Aufbaukosten von bisher schätzungsweise weit über 200 Millionen Franken bei. Doch die Banken haben auch ein strategisches Interesse ihrem eigenen System einen Vorsprung zu verschaffen. Im Geschäft mit mobilen Bezahlsystem gibt es so etwas wie eine The-winner-takes-it-all-Logik. Fachleute gehen davon aus, dass die Konsumenten auf ihren Smartphones am Ende höchsten für zwei oder maximal drei Bezahllösungen Platz schaffen werden. Wer in diesem Rennen nicht frühzeitig dabei ist droht ganz auszuscheiden.

Und das Rennen hat erst angefangen. In der Schweiz werden derzeit erst etwas mehr als 0,5 Prozent der Zahlungen über eine Smartphone App getätigt, heisst es in der Mobile Payment Studie Schweiz 2018 des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern. Nach einer Schätzung des Instituts könnte die Zahl der Transaktionen bis im Jahr 2020 auf monatlich 2,5 bis 3 Millionen steigen, was einem Marktanteil von 1,5 bis 2 Prozent entspräche.

Wenig überraschend nutzt auch Apple die eigene Marktmacht, um sich gegen die Konkurrenz der Banken abzuschotten. Die Wettbewerbskommission prüft auch Vorwürfe gegen den Handyhersteller, nach denen dieser der Konkurrenz an den Kassen den Zugang zur NFC-Technologie verweigert. Damit zwinge er diese zur Verwendung anderer Technologien wie Bluetooth oder zum Einlesen von QR-Codes. Im Verdrängungswettbewerb wird fast immer mit harten Bandagen gekämpft. Die Konsumenten bleiben dabei typischerweise auf der Strecke.

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