Wirtschaft
Arabischer Frühling brachte Ägypten den wirtschaftlichen Winter

Die Umwälzungen der letzten Jahre haben Ägypten zurückgeworfen. Es gibt aber auch Lichtblicke in einem Sektor, in dem man das nicht erwartet: bei den Banken.

Matthias Niklowitz
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Der Arabische Frühling brachte in Ägypten den wirtschaftlichen Winter.

Der Arabische Frühling brachte in Ägypten den wirtschaftlichen Winter.

Keystone

Zuerst kam die Finanzkrise, dann Ende 2010 der Arabische Frühling. Ausländische Investoren, die Gelder am ägyptischen Aktienmarkt angelegt hatten, suchten das Weite:

Der Leitindex der Börse von Kairo liegt heute 70 Prozent unter dem Höchststand vor der Finanzkrise und ein Drittel unter dem Stand vor dem Beginn der politischen Umwälzungen in den nordafrikanischen und mittelöstlichen arabischen Ländern.

Damit weist die Börse von Kairo laut den Berechnungen von JP Morgan, einer US-Bank, eine der schwächsten Entwicklungen aller aufstrebenden Märkte auf.

Nicht nur an der Börse, auch in den Wirtschaftszahlen zeigen sich die Auswirkungen der politischen Umwälzungen: Seit dem Jahr 2011 liegen die Wachstumsraten des Bruttoinlandproduktes laut Weltbank mit Raten um zwei Prozent weniger als halb so hoch wie in den Jahren zuvor.

Nur weil die Produktivität der Wirtschaft niedrig ist, die Arbeitslosigkeit hoch ist und sich die Proteste im fruchtbaren Niltal auf die touristisch nicht bedeutsame Hauptstadt konzentrieren, fallen die politischen Unruhen nicht noch stärker ins Gewicht.

Immerhin etwas verringert hat sich das chronisch hohe Aussenhandelsdefizit. Die Exporte liegen aber immer noch um ein Drittel unter den Importen. Dass das Leistungsbilanzdefizit nicht noch höher ist, liegt an den Geldsendungen der im Ausland arbeitenden drei Millionen Ägypter.

Vor allem in den arabischen Golfstaaten haben viele von ihnen Anstellungen im Gesundheits- und Erziehungssektor gefunden.

Zentralbank stabilisiert Währung

Die Zentralbank stützt laut den Analysten von JP Morgan das ägyptische Pfund, um die Schwankungen des Kurses gegenüber dem Dollar zu verringern. Hohe Schwankungen erschweren das Geschäft mit den ausländischen Geschäftspartnern.

Diese gilt es unbedingt bei Stange zu halten. Denn Ägypten selber ist nur bei wenigen Produkten und Dienstleistungen auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig: Der Massentourismus an den Küsten des Roten Meeres ist für das Land genauso wichtig wie die Einnahmen aus dem Verkauf von Rohöl und den Gebühren für die Benutzung des Suez-Kanals.

Der Sinai, der kurz nach dem Abzug der Israelis Anfang der 1980er-Jahre eine beliebte, weil weitgehend unberührte Destination war, ist lediglich an den Küsten einigermassen sicher. Im Inneren der Halbinsel zwischen Asien und Afrika gab es einige spektakuläre Entführungen von Touristen durch die von ihnen gebuchten Kamelführer. Seit den blutigen Bombenanschlägen eskalieren die Kämpfe zwischen Islamisten und dem Militär.

So hängt das Land derzeit nur an einem einzigen wichtigen Sponsor. Das Emirat Katar ist derzeit die wichtigste ausländische Quelle und stützte kürzlich dank der Übernahme einer 2,7 Milliarden Dollar grossen Tranche das laufende Refinanzierungsprogramm des ägyptischen Staates.

Neben Katar erhält das Land am Nil auch Gelder aus der Türkei sowie aus Libyen. Bis in einem Jahr muss die Wirtschaft stabilisiert sein, erst dann kann der Internationale Währungsfonds IMF seine Gelder freigeben.

Und obwohl die ägyptische Wirtschaft in Schwierigkeiten steckt, gibt es ausgerechnet im Bankensektor einen Lichtblick: Die Commercial International Bank, die 1975 als Joint Venture zwischen der Nationalbank und der amerikanischen Chase Manhattan Bank gegründet worden war und in den letzten Jahren fast vollständig privatisiert worden war, legte im ersten Quartal dieses Jahres einen Gewinn von umgerechnet einer halbe Milliarde Franken vor. Das entspricht einem Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Hohe Eigenmittel, kaum Schulden

Nicht nur das würde jeden Schweizer Grossbanker neidisch werden lassen. Das Kosten-Einnahmen-Verhältnis liegt bei 30 Prozent (je tiefer, desto besser, in der Schweiz gelten 80 Prozent als sehr gut).

Mit 18 Prozent erreicht die Eigenmittelunterlegung Werte, welche die Schweizer Grossbanken nicht aufweisen. Und das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital liegt mit einem Wert von 9 dreimal höher als bei den Schweizern. Selbst die Analysten von Morgan Stanley, einer US-Bank, kommen aus dem fernen London ins Schwärmen: «Trotz der ungünstigen Schwäche der Wirtschaft hat die Bank unsere Erwartungen komfortabel übertroffen.»