Arbeiten wo andere Urlaub machen: Karibik und Kroatien werben für Homeoffice unter den Palmen

Wegen der Coronakrise arbeiten viele von zu Hause aus. Das machen sich vom Tourismus abhängige Länder nun zu Nutze: Sie werben um Arbeitnehmende, die vom Ausland aus arbeiten wollen.

Sarah Kunz
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So könnte der Arbeitsplatz aussehen: Einige karibische Inseln haben ein neuartiges Visum eingeführt, das Homeoffice am Strand ermöglichen soll.

So könnte der Arbeitsplatz aussehen: Einige karibische Inseln haben ein neuartiges Visum eingeführt, das Homeoffice am Strand ermöglichen soll.

Archivbild: Keystone

Am Morgen die E-Mails beantworten, die Mittagspause am Strand verbringen und den Feierabend unter Palmen ausklingen lassen. Diesen Traum wollen einige Staaten jetzt wahr werden lassen und bieten neuartige Visa an, mit denen ein längerfristiger Aufenthalt möglich ist.

Die Idee dahinter: Die Staatskasse und die heimische Wirtschaft nach dem Einbruch der Touristenzahlen stützen, ohne das Risiko, dass die Zugereisten den eigenen Leuten die Jobs wegschnappen.

Vorreiter des Prinzips sind Länder in der Karibik. Stark vom Fremdenverkehr abhängig suchen sie verzweifelt nach Möglichkeiten, die sinkenden Touristenzahlen auszugleichen. Da sie davon ausgehen, dass viele Arbeitnehmende ohnehin im Homeoffice festsitzen, werben beispielsweise Barbados, Bermuda und Anguilla um ausländische Fachkräfte, die ihren Arbeitsplatz temporär verlegen wollen – sogenannte digitale Nomaden. Sie locken dafür mit Traumstränden, Meer und frei zugänglichem Wlan.

Tausende Visa wurden bereits beantragt

Der Spass ist kostspielig: Die einjährigen Visa kosten für eine Einzelperson 2000 Dollar, für Familien 3000 Dollar. Voraussetzung ist ein Mindesteinkommen von jährlich 50'000 Dollar sowie ein Arbeitgeber ausserhalb des Landes.

Für alle Staaten muss ausserdem bei der Einreise ein negativer Covid-19-Test vorgelegt werden, der nicht älter als drei Tage ist. Dasselbe eine Woche nach der Einreise. In der Zwischenzeit müssen Reisende in Quarantäne. Weil Anguilla selbst bislang nur drei Coronafälle und keine Toten verzeichnet, bevorzugt das britische Überseegebiet zudem Arbeitnehmende aus Ländern mit einer Fallzahl-Quote unter 0,2 Prozent. Schweizer dürften also schlechte Karten haben. Trotz den Voraussetzungen ist das Interesse gross: Tausende Anträge wurden bereits eingereicht.

Die Geschäftsidee ist auch schon in der Nähe bekannt: Georgien bietet ein solches Visum seit Anfang Juli für alle mit einem Einkommen von monatlich mehr als 2000 Dollar. Estland verlangt für das Visum, das es allerdings nicht erst seit der Pandemie gibt, ein monatliches Einkommen von knapp 4000 Dollar.

Auch Kroatien will den Trend nun für sich nutzen und das Visum ab 2021 einführen. Ab dann könnten kroatischstämmige Schweizer bei ihren Familien weilen und trotzdem von mitteleuropäischen Arbeitsbedingungen profitieren.