Arbeitslos
Arbeitslos: Solothurn fast «Spitze»

Der Kanton Solothurn bleibt besonders hart von der Arbeitslosigkeit betroffen. Die Arbeitslosenquote liegt mit 4,3 Prozent im Oktober über dem Landesdurchschnitt von 4 Prozent. Besserung ist nicht in Sicht.

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Industriekanton

Industriekanton

Franz Schaible

5659 Menschen waren Ende Oktober im Kanton Solothurn als arbeitslos gemeldet. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent. Damit liegt Solothurn an der Spitze aller Deutschschweizer Kantone; nur gerade im Tessin und in der Westschweiz liegen die Quoten höher. Noch schlechter rangiert der Industriekanton am Jurasüdfuss im Vorjahresvergleich. Während landesweit die Zahl der Arbeitslosen 57 Prozent zunahm, resultiert im Solothurnischen ein Plus gegenüber Oktober 2008 von 96 Prozent. Damit hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in keinem anderen Kanton (ausser in Neuenburg mit 99 Prozent) so stark verschlechtert.

Industrielastiger Kanton

Dahinter steckt die Struktur der hiesigen Wirtschaft. Die überdurchschnittlich exportorientierte Industrie sei stark von der Weltwirtschaft abhängig, sagte Jonas Motschi, Leiter des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit. Und dass es sich um eine ausgesprochene Industriekrise handelt, zeigt ein weiterer Zahlenvergleich. Noch im Oktober 2008 lag der Männeranteil bei den Stellensuchenden bei 51 Prozent.

Ein Jahr später ist er bei 57 Prozent. Die Zahl der stellensuchenden Männer ist also viel stärker als jener der Frauen gewachsen. Grund ist eben die hiesige Industrielastigkeit mit «männlichen» Arbeitsplätzen. Auffallend ist denn auch, dass landesweit die Arbeitslosenquote der Frauen höher ist als jene der Männer. Im Kanton Solothurn ist es gerade umgekehrt.

Motschi versus Leuthard

Seit Juni 2008 nimmt die Arbeitslosigkeit im Kanton Solothurn stetig zu. «Daran wird sich vorläufig nichts ändern», erklärte Motschi auf Anfrage weiter. In den Monaten November, Dezember und Januar erwartet er aus saisonalen Gründen sogar etwas grössere Sprünge. Gerade im Baugewerbe werden nicht wenige Angestellte mit befristeten Verträgen ihre Arbeitsplätze vorübergehend verlieren, was die Zahl der registrierten Arbeitslosen nach oben drücken wird.

Bundesrätin Doris Leuthard zeichnete gestern bei der Publikation der nationalen Arbeitsmarktzahlen kein optimistisches Bild: Im kommenden Jahr müssten alle Kantone mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote um einen weiteren Prozentpunkt rechnen. Wird also die Quote im Solothurnischen auf 5,3 Prozent oder noch höher wie in den 90er Jahren klettern? Das stehe keineswegs schon fest, meinte Motschi. Entscheidend werde sein, wie stark die Wirtschaftskrise auf den Binnenmarkt - sprich Bau, Detailhandel und Tourismus - durchschlagen werde.

«Aber eine Quote von fünf Prozent oder leicht höher ist realistisch.» Den negativen Höhepunkt auf dem Arbeitsmarkt erwartet Solothurns Chefökonom erst im kommenden Herbst. «Aber bis es zu effektiv spürbaren Rückgängen kommen wird, kann es noch bis ins Frühjahr 2011 dauern.»

Besserung bei Jugendlichen

Eine erste leichte Entspannung zeigt sich bei den Jugendlichen. So ist die Quote der Stellensuchenden in der Altersgruppe unter 20-jährig von 6,5 Prozent im September auf 5,9 Prozent im Oktober gefallen. Von 10,3 auf 10,2 Prozent ging die Quote bei den 20- bis 24-jährigen Stellensuchenden zurück. Das zeige, dass einerseits die Bestrebungen zur Integration der Schulabgängerinnen und Schulabgänger etwas fruchten und dass andererseits die Betriebe bereit sind, auch junge Berufsleute anzustellen, interpretiert Motschi die Zahlen. «Aber für eine Entwarnung ist es zu früh.»