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Arbeitslosigkeit ist auf dem Tiefpunkt

Die Quote der Erwerbslosen verharrte im Monat Juni auf einem Stand wie zuletzt vor zehn Jahren. Doch im Juli melden sich bereits wieder mehr Stellenlose bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren.
Rainer Rickenbach
Vor allem in der Industrie sind Arbeitskräfte gefragt. Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Moutier, 21. August 2017)

Vor allem in der Industrie sind Arbeitskräfte gefragt. Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Moutier, 21. August 2017)

2,4 Prozent der Erwerbstätigen waren im Juni als arbeitslos gemeldet. Das sind gleich viele wie schon im Mai und so wenig wie seit dem Überschwappen der Finanzkrise auf die reale Wirtschaft vor zehn Jahren nicht mehr. Seit Januar hat die Zahl der Erwerbslosen um mehr als ein Viertel abgenommen.

«Im Juni ist die Arbeitslosenquote stets gering. Danach steigt sie aus saisonalen Gründen an», sagt Boris Zürcher, Leiter der Direktion Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Saisonal darum, weil im Juli und August Jugendliche mit abgeschlossener Lehre und Schulausbildung ins Berufsleben eintreten, aber ein Teil von ihnen nicht auf Anhieb einen Arbeitsplatz findet. Später, im Herbst, stehen auch auf dem Bau und im Gastgewerbe weniger Stellen zur Verfügung. Das findet jeweils mit einem Anstieg in der Arbeitslosenquote seinen Niederschlag.

Industrie schafft mehr Stellen

Trotz der saisonalen Schwankungen präsentiert sich der Arbeitsmarkt momentan in ausgezeichneter Verfassung. Er gibt das Ebenbild des wirtschaftlichen Aufschwungs ab: Die Ökonomen verheissen für dieses und das nächste Jahr Wachstumsraten von recht deutlich über 2 Prozent, die meisten von ihnen revidierten ihre Vorhersagen in den zurückliegenden Monaten sogar noch nach oben. Es ist diesmal vor allem die Industrie, durch die nach vielen quälenden Jahren mit dem stark überbewerteten Franken ein Ruck geht. Ihr Währungsproblem ist zwar noch nicht aus der Welt geschafft, doch weil es in allen bedeutenden globalen Wirtschaftsregionen rund läuft, sind ihre Auftragsbücher gefüllt.

Als Folge davon investieren die Industrieunternehmen wieder in der Schweiz. Gaben sie noch vor drei Jahren vor allem Geld dafür aus, zu rationalisieren und so Arbeitsstellen überflüssig zu machen, steht nun gemäss neustem KOF-Bericht die Ausdehnung der Kapazitäten im Vordergrund. Alles in allem investieren die Firmen 8 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Wer mehr Güter herstellt, braucht mehr Angestellte. Das bleibt für den Arbeitsmarkt nicht ohne Folgen. Im Frühling schrieben die Firmen 6 Prozent mehr Stellen aus als noch vor einem Jahr. Sie suchen vor allem IT-Spezialisten, Ingenieure, Treuhänder und Baufachleute (siehe Ausgabe von vergangenem Freitag). Wie lange der Konjunkturmotor noch so heftig brummt, ist indes schwer vorauszusagen. Denn wenn sich der Handelszwist zwischen den USA, China und Europa zu einem veritablen Handelskrieg zuspitzt, hätte das für die stark exportlastige Schweizer Wirtschaft höchst unangenehme Folgen.

Die Arbeitslosigkeit ging im Frühling quer durch alle Branchen, Altersgruppen sowie Regionen zurück. Besonders erfreulich: Im Vergleich zum vergangenen Jahr fiel die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die ein Jahr und länger auf Stellensuche sind, um fast einen Viertel. Bedeuten die 2,4 Prozent bereits die Sockelarbeitslosigkeit, die es unabhängig von der Wirtschaftslage stets geben wird? Zürcher vom Seco: «Genaue Angaben dazu sind schwierig. Fakt ist: Etwa bei einem Sechstel handelt es sich um Langzeitarbeitslose. Die andern sind nur vorübergehend auf das Arbeitslosengeld angewiesen.» (siehe Grafik).

Meldepflicht führt zu mehr Stellenangeboten

In Branchen mit hoher Arbeitslosenquote von mehr als 8 Prozent im Jahresschnitt erhalten die registrierten Stellensuchenden seit Anfang Juli einen Vorsprung von fünf Tagen auf offene Stellen. Denn im Zuge der Umsetzung der «Masseneinwanderungs-Initiative» müssen die Arbeitgeber dieser Berufssparten ihre offenen Stellen den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) melden. Zurzeit sind 19 Berufe von der Meldepflicht betroffen. «Das Angebot wird gut genutzt. Wir haben sehr viele Stellenmeldungen erhalten – auch von Jobs, für die keine Pflicht besteht», sagt Zürcher. Schon im Juni, als die Pflicht noch nicht bestand, gab es mehr Jobausschreibungen für Arbeitslose. Den RAV wurden insgesamt 16854 offene Stellen gemeldet, das sind über ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr.

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