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ARBEITSMARKT: Benimmregeln für Lehrlinge

Gute Handwerker zu finden ist nicht einfach. Die Zentralschweizer Maréchaux Elektro-Gruppe setzt bereits bei den Lehrlingen an und geht dabei eigene Wege.
Dominik Buholzer
Maréchaux-Lehrling Matteo di Berardino bei der Arbeit in einem der Kinosäle der Mall of Switzerland. (Bild: Dominik Wunderli (Ebikon, 24. Februar 2017))

Maréchaux-Lehrling Matteo di Berardino bei der Arbeit in einem der Kinosäle der Mall of Switzerland. (Bild: Dominik Wunderli (Ebikon, 24. Februar 2017))

Dominik Buholzer

Ernst Maréchaux will nicht jammern. Und schon gar nicht über den Fachkräftemangel. «Es war schon immer eine Herausforderung, gute Handwerker zu finden», sagt der Inhaber der Maréchaux Elektro-Gruppe. Diese besteht aus Elektrounternehmen, welche in der gesamten Zentralschweiz, in Bern, Zürich und in der Westschweiz tätig sind. 700 Angestellte zählt die Maréchaux Elektro-Gruppe, 150 davon sind Lehrlinge, und die sind ihm ein besonderes Anliegen. «Der Aufbau guter Mitarbeiter fängt beim Nachwuchs an», sagt er. Ganz entscheidend ist dabei auch das Auftreten der jungen Berufsleute. «Die Mitarbeiter sind unsere Visitenkarte. Da können wir uns kein schlechtes Benehmen leisten», sagt Ernst Maréchaux.

Deshalb achtet die Maréchaux Elektro-Gruppe in besonderem Mass auf die Umgangsformen der Lehrlinge. Den Jungen wird vermittelt, wie sie gegenüber Kunden aufzutreten haben und worauf sie bei der Kleidung zu achten haben. Aber auch die Lehrlingsbetreuer werden auf ihre Aufgabe speziell vorbereitet. «Es ist wichtig, dass die Jugendlichen im Beruf Vorbilder haben», sagt Ernst Maréchaux. Ein Unternehmen könne in diesem Bereich einen sehr wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten.

Gute Leistung soll belohnt werden

Bei der Luzerner Dienststelle für Berufs- und Weiterbildung begrüsst man die Massnahme. Für einen technischen Betrieb sei dies schon bemerkenswert, normalerweise gebe es das vor allem im Detailhandel oder bei Grossbetrieben. «Der Übergang von der Schule ins Erwerbsleben bereitet vielen Mühe. Umso begrüssenswerter ist es, wenn sie in dieser Phase vom Unternehmen eng begleitet werden und die firmeneigenen Wertvorstellungen vermittelt bekommen», sagt Christof Spöring, der Leiter der kantonalen Dienststelle. Ebenso findet es Spöring legitim, dass Mitarbeiter profitieren, wenn sie gute Leistung erbringen: «Gute Leistung soll belohnt werden.»

Dies kann sich bei den Firmen der Maréchaux Elektro-Gruppe auszahlen. Seit diesem Jahr gilt: je besser die Note, die ein Lehrling erzielt, desto höher der Grundlohn beim Einstieg ins Berufsleben nach der Lehre – gute Umgangsformen vorausgesetzt. Ein Elektroinstallateur EFZ oder ein Telematiker EFZ kann so schnell einmal auf einen Lohn von 5000 Franken im Monat kommen. Ein Montage-Elektriker EFZ bringt es auf rund 4500 Franken. Zudem winkt Lehrlingen für überdurchschnittliche Arbeit schon mal Gratis-Fahrunterricht oder eine Reise. «Wir müssen uns heute noch viel mehr als früher um unsere Angestellten kümmern; die Talente fördern», sagt Ernst Maréchaux.

Auf dem Land gibt es die besseren Lehrlinge

Denn vor allem in den Städten hat laut dem Unternehmer das Ansehen der Lehre in den vergangenen Jahren gelitten: «In ländlichen Gegenden findet man in der Regel bessere Lehrlinge.» Von einer Abwertung der Berufslehre will Christof Spöring vom kantonalen Amt für Beruf und Weiterbildung nichts wissen. «Im Gegenteil, die Lehre geniesst heute eine viel höhere Anerkennung als beispielsweise noch vor zehn Jahren», sagt der Berufs­bildungsfachmann. So sei sie «endlich auch international anerkannt». Christof Spöring: «Von China über Argentinien bis hin zu Südkorea – es gibt bald kein Land mehr, das nicht schon mit einer Delegation sich in unserem Land über das duale Bildungssystem informiert hätte.»

Die Berufslehre geniesst also in der Zwischenzeit internationale Anerkennung, hierzulande, so räumt Spöring ein, gibt es noch immer Informationsdefizite. «Vor allem die Berufsmatura ist bei vielen Eltern noch zu wenig bekannt.» Besonders bei Personen mit einem akademischen Hintergrund macht er Defizite diesbezüglich aus.

Das Problem mit der Anbindung

Ob Leistungsprämien und eine enge Betreuung genügen, um neue Fachkräfte an ein Unternehmen zu binden, will Spöring nicht beurteilen: «Die Jungen haben ihre eigenen Ziele, die sie verfolgen wollen.» Aber falsch sei deswegen eine solche Politik nicht. «Ein Jugendlicher, der nach der Lehre die Hochschule besucht und nebenbei noch in einem kleinen Pensum im Unternehmen arbeitet, bringt auf jeden Fall etwas – auch dem Arbeitgeber», betont er. Zudem gehe auf diese Weise der Kontakt zum Arbeitsleben nicht verloren. «Dies kann nur im Interesse von allen sein», betont Spöring.

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