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ARBEITSMARKT: Reallöhne beginnen zu stagnieren

Das Lohnwachstum fällt im kommenden Jahr kümmerlich aus. Zum ersten Mal seit sieben Jahren dürfte es bei den Reallöhnen zum Stillstand kommen. Denn mit dem schwächeren Franken kehrt die Inflation zurück.
Rainer Rickenbach
Im Coiffeur-Gewerbe sollen die Mindestlöhne für Angestellte im dritten bis zum fünften Dienstjahr steigen. (Bild: Getty)

Im Coiffeur-Gewerbe sollen die Mindestlöhne für Angestellte im dritten bis zum fünften Dienstjahr steigen. (Bild: Getty)

Rainer Rickenbach

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) gab gestern noch einmal richtig Gas. Die Wirtschaft profitiere von der besseren Konjunktur, und der Frankenwert schwäche sich deutlich ab, skizzierte SGB-Chefökonom Daniel Lampart die erfreuliche ökonomische Grosswetterlage. Vania Alleva, Präsidentin der Gewerkschaft Unia, folgerte daraus: «Für die laufenden Verhandlungen muss sich der jetzt von sämtlichen Ökonomen bestätigte Aufschwung auch im Portemonnaie der Beschäftigten positiv auswirken.»

Der Gewerkschaftsbund bekräftigte seine Lohnforderungen für das nächste Jahr von generell 1,5 bis 2 Prozent, die er schon im Sommer aufgestellt hatte. Von dieser Marke sind die bisher getätigten Abschlüsse freilich recht weit entfernt. «Mit rund einem Prozent Lohnerhöhung liegen sie zwar unter unseren Forderungen. Diese sind aber grundsätzlich besser als in den vergangenen zwei Jahren», räumt Alleva ein. Für ein Fazit der Lohnrunde 2018 ist es indes viel zu früh, denn in den meisten Betrieben hat das Feilschen um die Lohnsummen noch gar nicht begonnen, oder es ist noch im Gang. Das gilt vor allem für die Berufszweige ohne Gesamtarbeitsvertrag, aber auch für die Bauwirtschaft sowie die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie.

Teuerung frisst Lohnerhöhung auf

Ein Prozent mehr auf dem Gehaltskonto wäre immerhin deutlich mehr, als es die Ökonomen voraussagen. Die Konjunkturforschungsstelle KOF prophezeit für 2018 einen nominalen Lohnanstieg von bloss 0,6 Prozent. Die Teuerung erwartet sie bei 0,4 Prozent. Die Kaufkraft würde also um nur gerade 0,2 Prozent zulegen. Selbst dieser kümmerliche Rest dürfte von den stetig steigenden Krankenkassenprämien aufgefressen werden, die im Warenkorb nicht enthalten sind, der für die Teuerung massgebend ist. Noch düsterer fällt die Prognose der UBS aus: Bei ihrer breit angelegten Lohnumfrage kam sie auf einen nominalen Zuwachs von 0,7 Prozent, die Teuerung verortet sie bei 0,6 Prozent. Unter dem Strich bleiben 0,1 Prozent Steigerung – so gut wie nichts. Je nach Prämienanstieg im Einzelfall schaut sogar weniger verfügbares Einkommen heraus.

Die ein oder zwei Zehntelprozente kommen einem Absturz in der bisherigen Reallohnentwicklung gleich. Über die zurückliegenden acht Jahre betrachtet bezifferte sich das mittlere Reallohn-Wachstum auf jeweils 1,4 Prozent (siehe Grafik). Nicht so sehr, weil die Chefs freigiebig einen Gehaltszustupf verteilt hätten, sondern wegen der Minusteuerung, die das Einkaufen günstiger machte. 2016 etwa stiegen die Gehälter um 0,7 Prozent, die Teuerung verharrte bei minus 0,4 Prozent. Lohnempfänger hatten real 1,1 Prozent mehr zum Ausgeben.

Dass die Teuerung nicht mehr mithilft, das verfügbare Einkommen zu mehren, hat in erster Linie zwei Gründe. Zum einen bringt ein schwächerer Franken höhere Preise für importierte Produkte mit sich. «Modellrechnungen zeigen, dass die Abwertung des Frankens im zweiten halben Jahr zu einer rund 0,5 Prozentpunkte höheren Teuerung führt. Weil aus dem Ausland importierte ­Produkte wie Autos, Computer oder ­Nahrungsmittel teurer werden», erklärte SGB-Chefökonom Lampart. Zum anderen steigen die Rohstoffpreise. Mit dem schwächeren Franken verteuern sie sich zusätzlich. Es liege an den Arbeitgebern, die drohende Reallohnstagnation abzuwenden, finden die Gewerkschafter. Doch in den Chefetagen übt man sich in Zurückhaltung. Die Forderungen seien zwar nachvollziehbar, und Unternehmen, die es sich leisten können, hätten durchaus ein offenes Ohr für Lohnforderungen, sagt Fredy Greuter, Sprecher des Arbeitgeberverbandes.

Höhere Löhne für Coiffeure und Schreiner

«Doch es gibt drei Gründe, die gegen generell höhere Löhne sprechen», schränkt er gleich ein. Erstens habe wegen des starken Frankens die Marge gelitten. «Dadurch gerieten Unternehmen bei den Investitionen ins Hintertreffen», so Greuter. Zweitens offenbare die Schweiz bei der neusten OECD-Länderstudie bei der Produktivität unerwartet deutliche Schwächen. «Lohnzurückhaltung empfiehlt sich auch darum, weil sonst die Wettbewerbsfähigkeit leidet.» Und drittens sei die Reallohn-Entwicklung in den letzten Jahren gut gewesen: «Es besteht kein Nachholbedarf», so Greuter.

Die von den Gewerkschaften bisher erreichten Lohnerhöhungen bleiben fast alle deutlich hinter den geforderten 1,5 bis 2 Prozent zurück.

Ausbaugewerbe: Höhere Mindestlöhne von monatlich 50 bis 100 Franken erhalten die Angestellten von Decken- und Innenausbausystemen. Im Holzbau gibt es 1 Prozent mehr Lohn. Bei Elektro- und Telekominstallationen steigen die Löhne um 1,5 Prozent, in der Gebäudetechnik und im Metallbau um je 1 Prozent.

Coiffeurgewerbe: Die Mindestlöhne im dritten bis zum fünften Dienstjahr steigen. Fachkräfte erhalten eine Lohnerhöhung von bis zu 200 Franken.

Reinigungsbranche: In der Deutschschweiz steigen die Löhne in der Unterhaltsreinigung zwischen 0,7 und 1,8, in der Romandie um bis zu 2,8 Prozent.

Uhrenindustrie: In dieser stark exportorientierten Branche steigen die Löhne um ein halbes Prozent.

Einzelne Unternehmen: Bei Coop wird die Lohnsumme um 1 Prozent angehoben, die regionalen Migros-Genossenschaften legen um 0,5 bis 0,9 Prozent zu. Lindt&Sprüngli stockt das Gehaltsbudget um 1 Prozent auf. Beim Westschweizer Chemieunternehmen und Duftstoff-Hersteller Givaudan steigen die Löhne um 1,5 Prozent, dazu gibt es 20 Franken an die Krankenkassenprämien. Feldschlösschen bezahlt 1,2 Prozent generell mehr, die Mindestlöhne steigen um 2,5 Prozent.

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