ARBEITSMARKT: Sie unterstützt ältere Stellensuchende

Judith Dali Wielandt coacht ältere Arbeitslose bei der Suche nach einer neuen Stelle. Sie sagt, wer sein Schicksal selber in die Hand nimmt, hat bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Rainer Rickenbach
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Judith Dali Wielandt coacht Arbeitslose bei der Stellensuche. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 5. Mai 2017))

Judith Dali Wielandt coacht Arbeitslose bei der Stellensuche. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 5. Mai 2017))

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Wer im Alter von 50 und mehr ohne Arbeit dasteht, hat es nicht leicht, eine neue Stelle zu finden. Die gestern veröffentlichten Arbeitslosenzahlen des Seco machen es deutlich: Über 40 Prozent der Langzeitarbeitslosen gehören zu den älteren Semestern. In diese Kategorie fallen bei den RAV gemeldete Erwerbslose, die schon seit mehr als einem Jahr ohne Job sind. Hinzu kommen zahlreiche weitere ältere Arbeitslose, die aus verschiedenen Gründen durch das statistische Raster gefallen sind und in diesen Zahlen nicht aufscheinen.

Judith Dali Wielandt (57) kennt die Ängste und Hoffnungen der Berufstätigen, die im Alter von über 50 plötzlich ohne Arbeit dastehen. Ihr Beruf ist es, Arbeitslose bei der Stellensuche zu coachen. Die meisten ihrer Klienten sind ehemalige Kaderleute. Dali Wielandt führt in Luzern die Geschäftsstelle von Grass und Partner, einer auf Outplacement spezialisierten Firma, die im Jahr etwa 700 Personen betreut, die eine Kündigung hinter sich haben. Den Auftrag dafür erhält sie in der Regel vom Unternehmen, das den blauen Brief verschickt hat. Das Coaching gibt es ab 7000 Franken. Grass und Partner eröffnete vor wenigen Tagen eine Geschäftsstelle in Luzern, in Zug ist die Firma schon seit zwölf Jahren präsent.

Auf die eigenen Stärken besinnen

«Wenn die Klienten zum ersten Mal kommen, stehen sie meistens noch unter Schock. Nicht wenige sagen aber, sie hätten geahnt, dass es zu einer Kündigung kommen könnte», sagt Dali Wielandt. So oder so – fast allen älteren Gekündigten ist die Angst gemein, vor einem sozialen Abstieg zu stehen.

Als Erstes geht es beim Coaching darum, den Kopf freizubekommen, sich auf seine Stärken und beruflichen Wünsche zu besinnen. «Das schafft Selbstvertrauen. Es bringt nichts, gleich wahllos Dutzende von Bewerbungen zu verschicken, solange man sich nicht mit den eigenen Zielen befasst und eine Strategie entwickelt hat. Erst sie erlaubt ein zielstrebiges Vorgehen», so Dali Wielandt. Es stellen sich Fragen wie: Was kann ich? Was möchte ich gerne? Welches sind meine Alleinstellungsmerkmale? Was motiviert mich? Erst wenn darüber Klarheit herrscht, empfiehlt die Betreuerin, sich gezielt auf dem Stellenmarkt umzusehen. «Auch wenn Druck besteht, ist es wichtig, strategisch und fokussiert auf die Stellensuche zu gehen», sagt Dali Wielandt.

Sie unterstützt die Klienten dabei, Bewerbungsdossiers zu erstellen und sich vor Jobinterviews vorzubereiten. Verschiedene Workshops von Grass und Partner bieten zudem Gelegenheit, sich mit anderen Stellensuchenden auszutauschen.

Soziale Netzwerke als Jobbörse

«Hilfe zur Selbsthilfe ist das eigentliche Ziel der Beratung», sagt Dali Wielandt. Dazu gehört beispielsweise der Umgang mit dem verdeckten Stellenmarkt. Denn etwa die Hälfte der Klienten von Grass und Partner finden ihre neue Stelle über ihr persönliches Netzwerk (siehe Grafik). Gespräche mit Freunden und Bekannten spielen dabei eine zentrale Rolle. Die sozialen Medien gewinnen dabei mehr und mehr an Bedeutung. Netzwerke wie Xing entwickeln sich zu einer Art Jobbörse. «Ein begleiteter Suchprozess hilft dem Bewerber, eine positive persönliche Einstellung und Ausstrahlung zu finden und sich so erfolgreich am Arbeitsmarkt zu präsentieren», sagt Dali Wielandt.