ARBEITSMARKT: Viele Jugendliche ausgesteuert

Die Arbeitslosenzahl bleibt im September stabil. Derweil warnt das Seco vor einem Anstieg bei den Ausgesteuerten.

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Wer ausgesteuert ist, erscheint nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik. Im Bild Prospekte in einem Arbeitsvermittlungszentrum. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Wer ausgesteuert ist, erscheint nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik. Im Bild Prospekte in einem Arbeitsvermittlungszentrum. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Yvonne Debrunner, sda

Pro Monat werden in der Schweiz immer mehr Jugendliche ausgesteuert. Sie verlieren so ihren Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. In den letzten Jahren stieg der Anteil der Jugendlichen an allen Ausgesteuerten. Zwischen Januar und Juli – aktuellere Zahlen gibt es noch nicht – waren durchschnittlich pro Monat rund 13 Prozent aller Ausgesteuerten Jugendliche, sagte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), gestern an einer Telefonkonferenz. 2008 seien es noch weniger als 9 Prozent gewesen.

Allein im Monat Juli waren knapp 16 Prozent der Ausgesteuerten zwischen 15 und 24 Jahre alt (siehe Grafik).

Weniger Geld nach dem Studium

Dass mehr Jugendliche aus der Arbeitslosenversicherung herausfallen, liegt an der letzten Gesetzesrevision im Jahr 2011. Mit dieser wurde die Arbeitslosenversicherung finanziell ins Gleichgewicht gebracht. Es musste also gespart werden. Daher wurden unter anderem die Anspruchsberechtigungen für Jugendliche verschärft.

Wer sein Studium abschliesst und keinen Job findet, erhält seither noch vier Monate Geld aus der Arbeitslosenversicherung. Vorher waren es zwölf Monate. Für Jugendliche, die mindestens ein Jahr in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt haben, aber unter 25-jährig sind und keine Unterhaltspflichten haben, wurde die Versicherungsdauer auf 200 Tage begrenzt.

Ausgesteuerte Jugendliche bekommen nicht automatisch Sozialhilfe. Wie das Seco auf Anfrage erklärt, werden sie in der Regel von den Eltern finanziell unterstützt.

Arbeitslosenquote stabil

Wer ausgesteuert wurde, fällt nicht mehr in die Arbeitslosenstatistik des Seco. In dieser werden nur jene Personen erfasst, die bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) registriert sind.

Ende September waren das rund 138 200 Personen – 1200 mehr als Ende August. Diese Zunahme sei etwa zur Hälfte saisonal, zur anderen Hälfte konjunkturell bedingt, sagte Zürcher an der Telefonkonferenz. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 3,2 Prozent. In der Zentralschweiz waren 7781 Personen arbeitslos. Das sind 225 Personen mehr als im Vormonat. Die höchste Arbeitslosenquote in der Zentralschweiz hat weiterhin der Kanton Zug mit 2,3 Prozent.

Werden die aktuellen schweizweiten Arbeitslosenzahlen mit jenen vom September letzten Jahres verglichen, zeigt sich hingegen klar ein Anstieg. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat Spuren hinterlassen. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der beim RAV eingeschriebenen Personen um rund 8300 Personen. Im September 2014 betrug die Arbeitslosenquote noch 3,0 Prozent. Am meisten zusätzliche Arbeitslose gab es innerhalb der letzten zwölf Monate im Handel, im Baugewerbe und in der Elektrotechnikindustrie. Im Gastgewerbe stieg die Zahl der Arbeitslosen seit September 2014 hingegen nur um knapp 100 Personen. Das sei doch überraschend angesichts der negativen Stimmung, die kolportiert werde, sagte Zürcher.

Böse Überraschungen möglich

Insgesamt steige das Niveau der Arbeitslosigkeit zwar immer noch, sagte Boris Zürcher. Die Zunahme schwäche sich jedoch ab. Allerdings könne es immer noch böse Überraschungen geben, warnte er. «Es ist immer noch möglich, dass Strukturanpassungen aufgeschoben wurden und diese bis Ende Jahr noch durchgesetzt werden», sagte Zürcher.

Für das Gesamtjahr prognostiziert das Seco eine Arbeitslosenquote von 3,3 Prozent. Die aktuelle Entwicklung liege damit im Rahmen der Erwartung gemäss dieser Prognose, sagte Zürcher. Im kommenden Jahr dürfte die Arbeitslosenquote steigen. Die aktuellste Prognose des Seco liegt bei 3,6 Prozent. Die Erholung sei doch eher schleppend, sagte Zürcher. Dazu kämen die Probleme der Weltwirtschaft.