ARBEITSMARKT: Zuger bündeln die Kompetenz

Die Zuger Firmen Siemens B. T. und V-Zug gründen das Ausbildungszentrum für technische Berufe (KIB). Dieses soll auch anderen Firmen offenstehen.

Bernard Marks
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V-Zug-CEO Dirk Hoffmann lässt sich von Lehrtochter Nadine Rogenmoser die CNC-Maschine erklären. (Bild Stefan Kaiser)

V-Zug-CEO Dirk Hoffmann lässt sich von Lehrtochter Nadine Rogenmoser die CNC-Maschine erklären. (Bild Stefan Kaiser)

Bernard Marks

Ortstermin Zug: In der Lehrwerkstatt der Firma V-Zug AG haben sich zahlreiche Gäste eingefunden, um an der Eröffnung des CNC-Kompetenzzentrums teilzunehmen. Unter den Teilnehmern ist auch der V-Zug-Chef Dirk Hoffmann. Gerade lässt er sich von der Lehrtochter Nadine Rogenmoser die Arbeit an der CNC-Maschine erklären. Und diese ist äusserst anspruchsvoll. «Hierbei kommt es auf jeden Millimeter an», sagt Hoffmann.

Label für Qualität

Die 18-jährige Nadine Rogenmoser stammt aus dem Aargau und ist eine von zahlreichen Lernenden am Kompetenzzentrum für industrielle Berufsbildung (KIB). Das KIB betreibt in Zug eines von acht CNC-Kompetenzzentren der Schweiz. Um die Berufsausbildung zu verbessern, hat der Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem) das Qualitätslabel «CNC-Kompetenzzentren» geschaffen. «Das Label wird jenen Ausbildungsbetrieben oder -institutionen verliehen, die hohe Qualitätsstandards in der Ausbildung Computer gesteuerter Werkzeugmaschinen erfüllen», erklärt Jonas Lang, zuständig für die Nachwuchsförderung bei Swissmem. Ein Versuch, die Ausbildung auf ein einheitliches Niveau zu bringen, und ein Mittel gegen den Fachkräftemangel in der Metallindustrie.

In praktisch allen Branchen der Schweiz gibt es laut Experten heute einen akuten Fachkräftemangel. Hinzu kommt der demografische Wandel: Gemessen an der ständigen Wohnbevölkerung 2014 werden ab 2017 mehr Menschen pensioniert als in das Arbeitsalter kommen.

Laut Schätzungen der Schweizerischen Stiftung für Arbeit und Weiterbildung beträgt die Differenz zwischen Pensionierungen und Berufseinsteigern in den nächsten 15 Jahren über 450 000 Menschen. Bei einer Beschäftigungsrate von 70 Prozent entspreche dies über 300 000 Arbeitsplätzen. «Die Unternehmen sind angewiesen, entsprechende Arbeitskräfte zusätzlich zu der Wirtschaftsentwicklung zu finden», heisst es weiter. «Das Problem betrifft stark die Nachwuchsförderung in Schweizer Unternehmen», sagt Jonas Lang von Swissmem. Die Zahlen spiegeln es bereits wider. Alle Swissmem-Mitglieder haben im Jahr 2015 mit 9226 Lernenden deutlich weniger ausgebildet als noch ein Jahr zuvor (siehe Grafik).

Steigerung der Qualität

Mehr Qualität in der Ausbildung, das haben sich auch die beiden Mitglieder des Branchenverbandes Swissmem, Siemens und V-Zug, auf die Fahnen geschrieben. «Insgesamt wird es schwieriger für uns, geeignete Auszubildende zu finden», sagt dazu Hoffmann. Einerseits verschlechtern sich die Rahmenbedingungen für Firmen wie zum Beispiel V-Zug, andererseits erfordert die Herstellung der Komponenten für die Produkte heute ein hohes Mass an Know-how. Das stellt an Auszubildende heute höhere Ansprüche. «Hierbei geht es um Präzision», erklärt Hoffmann. Doch wie kommt eine Firma wie V-Zug an geeignete Lernende? «Wir müssen Initiativen ergreifen, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben», sagt Hoffmann weiter. Auch bei der Firma Siemens hat man sich Gedanken gemacht, wie man dem schleichenden Schwund an Fachkräften entgegenwirken kann. «Der Trend geht zu einer Steigerung der Qualität bei der Ausbildung», sagt Garry Wagner, Personalleiter der Siemens Schweiz AG. «Sicher ist, der Wettbewerb zwischen den Unternehmen nach guten Auszubildenden wird in Zukunft zunehmen», sagt Wagner weiter.

Beide Firmen – V-Zug und Siemens Building Technologies – haben sich aus diesem Grund entschieden, künftig im Bereich der Lehrlingsausbildung verstärkt zusammenzuspannen. Daraus entstanden ist die Ausbildungspartnerschaft KIB. Siemens Building Technologies übernimmt hierbei die Basisausbildung und die überbetrieblichen Kurse in den Berufsfeldern Elektronik, Informatik und Kaufleute. Die V-Zug AG ist für die Basisausbildung und der Berufsfelder Automation, Automatikmontage, Konstruktion, Polymechanik und Produktionsmechanik zuständig.

Offenes Angebot

Mit dem KIB geht es beiden Firmen Siemens und V-Zug vor allem darum, Know-how miteinander auszutauschen. «Auf diese Weise soll die Ausbildung einerseits professioneller werden», sagt Christian Roth, Spezialist Personalentwicklung und Leiter des KIB. Zudem wolle man künftig die Lehrstellen im aktiven Dialog mit Firmen besser bewerben. «Die Schüler sind häufig nicht richtig über die Chancen und Möglichkeiten einer Berufslehre informiert, das wollen wir ändern», sagt Roth. Zudem wolle man beim KIB künftig Synergien zwischen den beiden Konzernen nutzen. Hier können Kosten im Bereich Ausbildung reduziert werden. Allein die Firma Siemens gibt für den Bereich Ausbildung pro Jahr rund 6 Millionen Franken aus.

Das gemeinsame Angebot am KIB richtet sich nicht nur an die beteiligten Firmen V-Zug und Siemens. «Es ist offen für alle Firmen», sagt Roth weiter.

Mehr Informationen dazu gibt es im Internet unter www.kib-zug.ch