Oberbipp
Arbeitsplätze Ja, Lärm lieber nicht

Der Volg will in Oberbipp ein Hochregallager bauen. An der Informationsveranstaltung im Anschluss an die Gemeindeversammlung wurde das Projekt vorgestellt. Die Bevölkerung hat Angst vor dem Lärm, ist aber auch froh über Arbeitsplätze.

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Hochregallager Oberbipp

Hochregallager Oberbipp

Berner Rundschau

Irmgard Bayard

Knapp zehn Prozent der Stimmberechtigten von Oberbipp besuchten am Donnerstag die Gemeindeversammlung. Es waren aber kaum die traktandierten Geschäfte, die lockten, sondern eher die angekündigte Informatiosveranstaltung zum Neubauprojekt Volg Frischdienst auf dem Cholbenmoos-Areal.

Gleich zu fünft war die Bauherrschaft angereist, um das Projekt zu präsentieren und sich den Fragen der Bevölkerung zu stellen. Ferdinand Hirsig, Vorstandsvorsitzender bei Volg, stellte das Unternehmen vor. Raphael Loeliger und Christophe Beer, Projektleiter, übernahmen diesen Part für die Losinger Construction AG, welche für den Bau verantwortlich zeichnet.

Man habe sich auch in Niederbipp und Wangen umgesehen, «aber das Grundstück im Cholbenmoos ist für Volg optimal», sagte Loeliger.

Gemeinderechnung mit Überschuss

Die von Finanzverwalterin Melanie Däppen vorgestellte Rechnung der Gemeinde Oberbipp - ihre zehnte - schliesst mit einem Gewinn von rund 29 000 Franken ab. Budgetiert waren rund 43 000 Franken. «Hätte man die zusätzlichen, nicht budgetierten Abschreibungen in der Höhe von 200 000 Franken nicht vorgenommen, würde der Rechnungsabschluss um rund 186 000 Franken besser ausfallen als geplant», erklärte Däppen. Die Rechnung sowie die Abschreibungen wurden einstimmig genehmigt.

Ebenso wie der Verkauf einer Parzelle an der Schlossstrasse (650 m2 à 180 Franken) an ein Ehepaar und die Teilrevisions des Organisationsreglementes (OgR). Bis heute stehen der Gemeindeschreiber und die Finanzverwalterin in einem Beamtenverhältnis. Dies sei nicht mehr zeitgemäss, sagte Gemeindepräsident Rudolf Bieri (SVP), und stelle für die Suche von Personal, insbesondere die Nachfolge des Gemeindeschreibers, Hürden dar.

Das OgR wird nun entsprechend abgeändert. Bieri informierte zudem, dass zur Erweiterung des Industriegebietes und der dazugehörenden Überbauungsordnung am 7. September eine Infoveranstaltung stattfinde. (iba)

Planer Daniel Ott referierte zur neuen Überbauungsordnung, die mit dem Projekt einhergeht. Sie liegt bis zum 20. Juli in der Gemeindeschreiberei zur Mitwirkung auf und kommt nach der öffentlichen Auflage im September vor die Gemeindevesammlung vom 12. Oktober.

Am meisten interessierten allerdings die Daten, die Erwin Stöckli von der Geschäftsleitung Volg erörterte. Im Volg Frischdienst Oberbipp rechnet man mit Investitionen von rund 25 Millionen Franken, einem Umsatz von 100 bis 120 Millionen Franken und rund 120 neuen Arbeitsplätzen.

Zu reden gab die Betriebszeit von 00.00 Uhr bis 22 Uhr an sieben Tagen und mit einem Lastwagenverkehr von 40 bis 50 Pro Tag. «70 Prozent der Fahrzeuge entsprechen der EU-Norm, sind also leise», sagte Stöckli. Die An- und Abfahrt seien von der Bielstrasse her geplant.

Das Quartier schützen

«Sie haben uns das Projekt schmackhaft gemacht», meldete sich ein Oberbipper zu Wort. «Ich habe aber nichts gehört, was zum Schutz für das Quartier gemacht wird.» Zudem nehme sein Grundstück an Wert ab, «wer bezahlt das?», wollte er wissen.

Auf das mit Applaus bedachte Votum gab Ott Antwort: «Ein Erdwall schützt das Quartier vor dem Lärm.» Auch Gemeindepräsident Rudolf Bieri (SVP) versicherte, die Werte entsprächen den gesetzliche Vorschriften für Lärm im Wohnquartier. «Die Lastwagen verteilen sich über 24 Stunden und bewegen sich vor allem intern, weil sie ja andocken», ergänzte Stöckli.

Man habe das Gebäude bewusst so gestellt, dass die Umgebung wenig vom Lärm mitbekomme. «Neben dem Wall sehen die raumplanerischen Massnahmen eine Tempo 60-Zone vor», verkündete Loeliger. Heute wird die Bielstrasse mti 80 Stundenkilometern befahren.

Eine Vergrösserung sei später nicht geplant, erwiderte Stöckli auf eine entsprechende Frage. Er versprach auch, dass man bei den Arbeitsplätzen regionale Stellensuchende berück-sichtigen werden, was mit Applaus quittiert wurde.

«Ein guter Partner»

«Ich habe Verständnis für die Ängste der Anwohner», kam ein weiteres Votum. «Aber ich denke, wir sind mit einem Volg besser bedient, als mit Partnern mit einem A oder einem L.» Auch dafür gab es Applaus aus der Versammlung.

Es sei wie so oft, gab Bieri zu bedenken. «Die Leute wollen in die Ferien, aber keinen Flugplatz in der Nähe. Die Menschen wollen Joghurt zum Frühstück, aber der Verteiler soll irgendwo sein.» Dieser Neubau gebe der Gemeinde Impulse «und vor allem Arbeitsplätze.»