Ärger über Baustellen in Berikon
Ärger über Baustellen in Berikon

Zwei Baustellen halten derzeit den Verkehr durch Berikon auf. Gewerbetreibende sprechen von Schikane, weil gleichzeitig im Oberdorf der Rummelbach offen gelegt wird und in der kommenden Woche auch noch mit der Sanierung der Kirche begonnen wird.

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Aargauer Zeitung

Dino Nodari

«Das ist eine Katastrophe», wettert Metzger Josef Groth. Er habe viele Kunden aus Widen, die nun in Bremgarten einkaufen gehen, weil sie sich die Beriker Ortsdurchfahrt nicht mehr antun wollen. Dennoch ist er zuversichtlich, dass die Kunden wieder zurückkehren, wenn in zwei Jahren die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt abgeschlossen sei. Ähnlich äussert sich auch Antonio Marchese, der jeweils am Montag auf dem Parkplatz beim Restaurant Grünebode Güggeli verkauft.

Als er im letzten September hier begonnen hat, verkaufte er etwa 90 Güggeli im Tag, heute verkauft er noch rund die Hälfte. «Mit der Baustelle wird es immer schlimmer. Ich überlege, ob ich nicht mehr hierherkomme», sagt Marchese. Im Moment werde in Berikon einfach alles auf einmal gebaut. «Das verstehe ich nicht», sagt Metzger Groth. Er ist verärgert, weil es auf der Hauptstrasse gleich zwei Baustellen gibt, eine bei der südlichen Ortseinfahrt in Richtung Oberwil-Lieli und eine in der Mitte der Gemeinde beim Gemeindehaus. «Da werden die Automobilisten schikaniert.»

Halbierung der Bauzeit

Zwei Baustellen bis Herbst 2011

Die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt Berikon ist Bestandteil der Folgemassnahmen der Zürcher Westumfahrung. Da gleichzeitig umfangreiche Erneuerungsarbeiten an den Werkleitungen sowie Lärmschutzmassnahmen vorgenommen werden, erstreckt sich die Bauzeit bis in den Herbst 2011. Die beiden Baustellen (momentan beim Mattenhof und in der Dorfmitte beim Gemeindehaus) werden sich in dieser Zeit zur Mutschellen-Kreuzung hin verschieben. Ziel der Verkehrsberuhigungsmassnahmen ist es, den Verkehr generell zu verlangsamen und das Geschwindigkeitsniveau zu vereinheitlichen. Die vierarmigen Kreuzungen Berimärt und Stalden werden zu einem Verkehrskreisel umgestaltet. Die Bushaltestellen werden teilweise auf der Fahrbahn angeordnet, was die Attraktivität für den Durchgangsverkehr zusätzlich mindern soll. (dno)

Dass bei den Geschäften nun die Kunden ausblieben, sei sicher nicht gut, man müsse das Bauprojekt jedoch langfristig betrachten. Und die Strasse hätte auch ohne Neugestaltung saniert werden müssen, weil sie in einem sehr schlechten Zustand sei. Jeisy habe den Bauleiter jedoch angewiesen, dass für alle Anstösser eine Lösung gesucht werden müsse.

Schwieriges Abbiegen

Von dieser Lösung weit entfernt ist die Volg-Filiale. «Am Morgen und am Abend haben wir hier ein richtiges Puff», erklärt Beatrice Frank. Die Filialleiterin beklagt sich jedoch weniger über die Baustellen, dafür umso mehr über die Autofahrer. «Weil die Autofahrer vor den Lichtsignalen so dicht auffahren, können unsere Kunden nicht zu uns einbiegen.» Letzte Woche sei es deswegen sogar zu einem Unfall gekommen. Bisher würden ihre Kunden die Situation noch akzeptieren, die Klagen über die Verkehrssituation werden aber immer häufiger. Beatrice Frank hat noch keinen Kundenrückgang registriert. «Wenn es so weitergeht, rechne ich aber schon damit.»

Baustelle Rummelbach

Die beiden Baustellen durch Berikon könnten via Oberdorf- und Unterdorfstrasse umfahren werden. Doch an der Kreuzung Oberdorfstrasse/Moosstrasse wird der Rummelbach durch die Gemeinde offen gelegt und im Nachgang dazu die Oberdorfstrasse saniert. Ein Durchkommen für Automobilisten ist nicht möglich. «Es war nicht die Absicht, mit dieser Baustelle den Schleichverkehr zu verhindern», versichert Bauverwalter Daniel Roos. Sowohl das kantonale Projekt durchs Dorf wie auch die Hochwasserschutzmassnahmen beim Rummelbach seien seit längerem in der Pipeline gewesen, waren jedoch durch Einsprachen blockiert. «Dass jetzt beide Projekte gleichzeitig realisiert werden, ist Zufall.» Die Zufahrt zu allen Liegenschaften sei jedoch gewährleistet. (dno)

Wenig Arbeiter auf Baustellen

Es stimme, dass im Moment sehr wenige Arbeiter auf den Baustellen tätig seien, bestätigt Projektleiter Berthold Jeisy. Der Baustart sei etwas holprig gewesen. Die Bauunternehmung Granella AG habe kurzfristig Personalausfälle lösen müssen. «Wir haben das Problem erkannt und werden bei der Bauunternehmung Druck machen», verspricht Jeisy. Es müsse jetzt mit voller Belegschaft gearbeitet werden.

In der kommenden Woche wird in Berikon zudem mit der Sanierung der Kirche St. Mauritus begonnen. Müssen die Autofahrer nun noch eine weitere Baustelle in Kauf nehmen? Berikons Bauverwalter Daniel Roos winkt ab: «Dabei handelt es sich nur um eine Innensanierung, die den Verkehr nicht tangieren wird», verspricht er.