Glosse
Mit Schweinen ist nicht zu spassen

Er wollte die Schweinepest und ihre Auswirkungen auf die Konsumentenpreise beschreiben - und hat in China einen Shitstorm heraufbeschworen: UBS-Ökonom Paul Donovan. Im ganzen Trubel ist das Wesentliche untergegangen: Auch inhaltlich hat seine Analyse Schwächen.

Thomas Griesser Kym
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In China wütet die Schweinepest. Bei Analysen ist Vorsicht angebracht, sowohl bezüglich Wortwahl als auch inhaltlich. (Bild: Andrea Stalder)

In China wütet die Schweinepest. Bei Analysen ist Vorsicht angebracht, sowohl bezüglich Wortwahl als auch inhaltlich. (Bild: Andrea Stalder)

Paul Donovan – bis vor kurzem hat kein Schwein den Chefökonomen der UBS-Vermögensverwaltungssparte gekannt. Doch nun ist er bekannt wie ein bunter Hund. Donovan hatte in einem Podcast über die Afrikanische Schweinepest, die in China grassiert, und deren Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise referiert.

Kurz danach brach in China ein Shitstorm über die UBS herein. Donovans Äusserungen wurden im Internet als rassistisch und beleidigend gebrandmarkt. Die Kritik entzündete sich an seinen Erklärungen über die Folgen für die Konsumenten und darüber, wie gravierend die Schweinepest sei. Donovan:

«Es spielt eine Rolle, wenn Sie ein chinesisches Schwein sind. Es spielt eine Rolle, wenn Sie gern Schweinefleisch in China essen.»

(«It matters if you are a Chinese pig. It matters if you like eating pork in China.») Umgehend hiess es, Donovan habe die Chinesen mit Schweinen verglichen. Was er keineswegs getan hatte. Aber es war zumindest ungeschickt, die Menschen mit «… wenn Sie ein chinesisches Schwein sind» anzusprechen. Entschuldigungsversuche der UBS stiessen auf breite Ablehnung, und mehrere chinesische Firmen drohten, ihre Geschäftsbeziehung zur Grossbank abzubrechen – notabene auch Firmen, die mit der UBS gar nicht im Geschäft sind.

Im ganzen Trubel ging Donovans globale Kernbotschaft betreffend Schweinepest unter:

«Für den Rest der Welt spielt es nicht wirklich eine Rolle.»

(«It does not really matter to the rest of the world.») Denn: «Ausser auf das Preisniveau in China selbst hat sie keinen Einfluss über das Land hinaus, da China nicht viele Lebensmittel exportiert.»

Das war am 12. Juni. Am 19. Juni meldete der grösste Schweizer Fleischverarbeiter Bell einen Rückgang seines Betriebsgewinns – als Folge der Schweinepest. Deren Ausbruch in China «hat zu grossen Verwerfungen im internationalen Markt für Schweinefleisch geführt. Die Exporte aus der EU nach China sind deutlich angestiegen, was neben einer ohnehin tieferen Produktion das Angebot in Europa noch weiter verkleinert hat.» Die Konsequenz für Bell:

«Dadurch sind im ersten Halbjahr die Beschaffungspreise um über 30 Prozent angestiegen, bei Teilstücken noch deutlich mehr.»

Die UBS hat Paul Donovan eine Auszeit verordnet. Das gibt ihm Zeit, seine Analyse der Schweinepest neu zu formulieren. Nicht bloss sprachlich. Auch inhaltlich.

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