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ATHEN: Griechenland setzt aufs Glücksspiel

Die griechische Regierung will neue Spielcasino-Konzessionen auf drei Ägäis-Inseln vergeben. Davon verspricht sich der Finanzminister zusätzliche Einnahmen. Aber die Bevölkerung der betroffenen Inseln ist nicht begeistert
Gerd Höhler, Athen
Die Regierung will auf drei ägäischen Inseln neue Casinos eröffnen – so wie hier auf Rhodos. Griechenland erhofft sich dadurch einen Geldsegen. (Bild: Athanasios Gioumpasis/Getty (Rhodos, 3. Mai 2017))

Die Regierung will auf drei ägäischen Inseln neue Casinos eröffnen – so wie hier auf Rhodos. Griechenland erhofft sich dadurch einen Geldsegen. (Bild: Athanasios Gioumpasis/Getty (Rhodos, 3. Mai 2017))

Gerd Höhler, Athen

Die Griechen gelten als begeisterte Spieler. Vor allem jetzt, zu Weihnachten und zum Jahreswechsel, erwacht die Glücksspiel-Leidenschaft der Hellenen. Nur die Chinesen seien noch grössere Zocker, heisst es in der Casino-Branche. Doch die griechische Krise ging auch an den Glücksspiel-Betreibern nicht vorbei. Die Umsätze der sechs hellenischen Spielbanken haben sich von 3,2 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf rund 1,6 Milliarden im vergangenen Jahr halbiert. Jetzt, da die Wirtschaft sich nach neun Jahren Rezession endlich zu erholen beginnt, melden die Casino-Betreiber wieder steigende Besucher- und Umsatzzahlen.

Davon möchte auch der griechische Finanzminister profitieren. Die Regierung plant deshalb, drei weitere Spielbank-Konzessionen zu vergeben, und zwar für die Ferieninseln Mykonos, Santorin und Kreta. Ein Casino ist auch auf dem Gelände des ehemaligen Athener Flughafens Ellinikon geplant. Ein Konsortium griechischer, arabischer und chinesischer Investoren will rund sieben Milliarden Euro in das frühere Airport-Areal investieren, das so gross ist wie Monaco. Geplant sind Sportanlagen, ein Park, Hotels, Wohnungen, Einkaufszentren, ein Kongresszen­trum – und ein Casino.

Das Konzept der Regierung: Luxusresorts mit angeschlossenem Spielcasino sollen zusätzliche Touristen anlocken. Neben den Chinesen, die von Jahr zu Jahr in grösserer Zahl in Griechenland Urlaub machen, hat man dabei vor allem gut betuchte Gäste aus dem arabischen Raum im Blick. Auch die Israelis gelten als interessante Zielgruppe für die Casino-Betreiber.

Um Investoren für die Casino-Projekte zu interessieren, will der Athener Finanzminister bei den Steuern Zugeständnisse machen. Bisher wird der Bruttospielertrag – der Spielumsatz abzüglich der ausgezahlten Gewinne – in den griechischen Spielbanken je nach Region mit 22 bis 35 Prozent besteuert. Das ist zwar wenig im Vergleich etwa zu Deutschland, wo sehr viel höhere Sätze gelten, aber viel im internationalen Vergleich. So entsteht derzeit auf der Griechenland benachbarten Insel Zypern ein grosser Casino-Komplex. Hier kassiert der Fiskus nur 15 Prozent vom Bruttospielertrag. In Gevgelija in der früheren jugoslawischen Republik Mazedonien beträgt die Abgabe sogar nur 8 Prozent. Die meisten Spieler kommen aus Nordgriechenland, die Grenze ist nur wenige Kilometer entfernt.

Casino-Konzerne in den Startlöchern

Das neue griechische Spielbankengesetz, das in Kürze vom Parlament verabschiedet werden soll, sieht eine gestaffelte Besteuerung vor. Sie reicht von 20 Prozent für Bruttospielerträge bis 100 Millionen Euro und bis zu 8 Prozent für Erträge von mehr als 500 Millionen Euro. Grosse internationale Casino-Konzerne wie Sands, Caesars und Hard Rock International werfen bereits ein Auge auf den griechischen Markt, heisst es in der Branche.

Die Bewohner der betroffenen Inseln sind weniger begeistert. Auf Kreta formiert sich eine Bürgerbewegung gegen das geplante Casino. Die Regierung solle lieber in die unzulängliche Infrastruktur der Insel investieren, fordern Einwohner. Mit von der Protest-Partie ist auch ein örtlicher Abgeordneter der linksgerichteten Regierungspartei Syriza, Sokratis Vardakis. «Ein Casino wird wahrscheinlich nur Probleme verursachen und keinen Beitrag zur Entwicklung unserer Insel leisten», fürchtet der Politiker.

Auch auf der Insel Mykonos sträuben sich viele Bewohner. Was die Wirte von Mykonos besonders erzürnt: Während die Regierung in Athen den Bars und Nachtklubs auf der Insel eine strikte Sperrstunde verordnet hat, soll das Casino unbegrenzt ge­öffnet sein. Der Gemeinderat bereitet jetzt eine Unterschriftensammlung vor, um die Spielbankpläne der Regierung zu durch- kreuzen. Der Inselbürgermeister Konstantinos Koukas ist besonders erbost, weil die Regierung weder die Kommunalpolitiker noch die örtliche Bevölkerung gefragt habe. «Die Regierung muss endlich einmal begreifen, dass Griechenland nicht nur aus Athen besteht», zürnt der Politiker.

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