Nachtarbeit
«Auch die Bauern würden in der Nacht lieber schlafen als schaffen»

Bauern kommen vermehrt unter Beschuss, weil sie in der Nacht mit lärmigen Maschinen unterwegs sind. «Wir machen das nicht, um die Bevölkerung zu ärgern», sagt Ralf Bucher, Geschäftsführer vom Bauernverband Aargau.

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Nachtarbeit bei Bauern

Nachtarbeit bei Bauern

Schweiz am Sonntag

Toni Widmer

«So viele Reklamationen wegen arbeitenden Bauern wie in der Nacht vom Donnerstag, 7., auf Freitag, 8. Mai, gab es noch nie», sagt Manfred Tschannen, Chef der Regionalpolizei Bremgarten. Auf den Wiesen im Kelleramt lag halbtrockenes Gras, das mit einer Spezialmaschine zu Silofutter gehäckselt und eingebracht werden musste. «Es war Regen angesagt, wir wollten das Futter noch trocken einbringen und das ging nur mit Nachtarbeit», erklärt Thomas Müller, Landwirt aus Unterlunkhofen.

Spezialmaschinen, wie die Silohäcksler, welche in jener Nacht zum Einsatz kamen, sind teuer und werden überbetrieblich genutzt. Der engagierte Lohnunternehmer kam wegen eines Maschinenschadens schon mit Verspätung, erledigte wegen des drohenden Wetterumschwungs dazwischen noch einen Auftrag bei Müllers Kollege und so zogen sich die Arbeiten hinaus.

Um 0.15 Uhr ging auf der Alarmzentrale der Kantonspolizei ein erster Anruf wegen Nachtruhestörung aus dem Kelleramt ein, bald folgten diese im Minutentakt. Schliesslich waren es gegen ein Dutzend Reklamationen. Die Regionalpolizei rückte aus und bat die Bauern, Feierabend zu machen. «Wir haben niemanden angezeigt, angesichts der vielen Reklamationen mussten wir aber so handeln», erklärt Manfred Tschannen.

Thomas Müller hat sich nur kurz aufs Ohr gelegt: «Wir hätten unsere Arbeit gerne fertig gemacht, aber wir wollten keinen Ärger. Also ging ich um 2 Uhr schlafen und habe um 3.45 Uhr bereits wieder die Kühe gemolken, damit wir um 6 Uhr mit Häckseln beginnen und die Ware noch einigermassen trocken ins Silo bringen konnten.» Andere Bauern in der Region arbeiteten in jener Nacht weiter. Das Polizeireglement erlaubte es. Dringende landwirtschaftliche Verrichtungen sind von der Nachtruhestörung ausgenommen.

Güllengeruch ist bald kein Problem mehr Zunehmend Reklamationen gibt es bei der Polizei (und beim Bauernverband) nicht nur wegen Nachtarbeiten von Bauern, sondern auch wegen des Ausbringens von Gülle. «Das ist tatsächlich ein Problem. Es ist sogar schon passiert, dass Landwirten der Stinkefinger gezeigt wurde, wenn sie mit dem Güllenfass unterwegs waren», sagt Ralf Bucher vom Bauernverband Aargau.Für eine Entschärfung sorgen neue Ausbringungsmethoden: «Mehr und mehr wird Gülle heute mit der Schleppschlauch-Methode ausgetragen. So geht weniger Stickstoff in die Luft, die Geruchsimmissionen gehen deutlich zurück und die Düngewirkung ist erst noch besser.»Gülle richtig eingesetzt, sagt Ralf Bucher, sei ein optimaler, natürlicher und vor allem auch ökologischer Dünger: «Beim Güllen schliessen wir den Nährstoffkreislauf. Was die Pflanzen dem Boden beim Wachsen an Nährstoffen entnehmen, geben wir ihm mit der Gülle wieder zurück.» (to)

Güllengeruch ist bald kein Problem mehr Zunehmend Reklamationen gibt es bei der Polizei (und beim Bauernverband) nicht nur wegen Nachtarbeiten von Bauern, sondern auch wegen des Ausbringens von Gülle. «Das ist tatsächlich ein Problem. Es ist sogar schon passiert, dass Landwirten der Stinkefinger gezeigt wurde, wenn sie mit dem Güllenfass unterwegs waren», sagt Ralf Bucher vom Bauernverband Aargau.Für eine Entschärfung sorgen neue Ausbringungsmethoden: «Mehr und mehr wird Gülle heute mit der Schleppschlauch-Methode ausgetragen. So geht weniger Stickstoff in die Luft, die Geruchsimmissionen gehen deutlich zurück und die Düngewirkung ist erst noch besser.»Gülle richtig eingesetzt, sagt Ralf Bucher, sei ein optimaler, natürlicher und vor allem auch ökologischer Dünger: «Beim Güllen schliessen wir den Nährstoffkreislauf. Was die Pflanzen dem Boden beim Wachsen an Nährstoffen entnehmen, geben wir ihm mit der Gülle wieder zurück.» (to)

Schweiz am Sonntag

«Auch Bauern würden in der Nacht lieber schlafen als schaffen», sagt Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau. Die Landwirtschaft habe sich so gewandelt, dass Nachtarbeit zeitweise unumgänglich sei: «Die Konsumenten wollen qualitativ hochstehende und doch günstige Lebensmittel. Wir müssen rationalisieren und verstärkt grosse Maschinen einsetzen. Diese sind teuer und werden überbetrieblich genutzt. Deshalb kommt es in der arbeitsintensiven Zeit zu Engpässen, die wir mit Nachtarbeit kompensieren.»

Zum Beispiel beim Silieren. Silage - angewelktes Gras, das gehäckselt und dann im Silo eingelagert wird - löst je länger je mehr das traditionelle Heu ab. «Silage hat einen höheren Energie- und Eiweissgehalt als Heu, weil der Trocknungsverlust wegfällt. Dazu ist die Produktion deutlich weniger aufwändig.»

Silage kann allerdings wegen der Fehlgährungsgefahr nicht bei der Produktion der traditionellen Hartkäse (wie Greyerzer, Emmentaler, Tilsiter usw.) eingesetzt werden. Deshalb gewinnt sie vor allem dort an Bedeutung, wo die Dorfkäsereien verschwunden sind.

Siliert werden kann nur, wenn das Wetter schön ist: «Sind die Zeitfenster lang, braucht es kaum Nachtarbeit. Hält die Sonne aber nur wenige Tage, dann müssen innerhalb kurzer Zeit alle Bauern das Futter unter Dach bringen und die Lohnunternehmer rund um die Uhr fahren», erklärt Ralf Bucher.

Dasselbe passiere auch bei der Bestellung der Felder im Frühling, bei der Ernte im Spätsommer und Herbst sowie bei vielen anderen Arbeiten auf dem Bauernhof: «Wir versuchen insbesondere in Wohngebieten die Lärmbelastung so gering wie möglich zu halten. Immer gelingt uns das nicht und dafür bitten wir um Verständnis.»