Auch die Zentralschweizer Manor-Filialen befinden sich auf dem Prüfstand

Die Warenhauskette Manor muss auch in der Zentralschweiz über die Bücher. Das Verteilzentrum Hochdorf könnte derweil vom Online-Boom profitieren.

Maurizio Minetti
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Das Kaufhaus Manor in der Luzerner Altstadt.

Das Kaufhaus Manor in der Luzerner Altstadt.

Dominik Wunderli (13. Januar 2020)

Für Manor hat das Jahr nicht gut angefangen. Letzte Woche kündigte die Warenhauskette die Schliessung der Filiale im zürcherischen Bachenbülach sowie den geplanten Verkauf der Standorte in Liestal und Delémont an. Ausserdem wird die Organisation gestrafft: Dutzende Mitarbeitende verlieren dadurch ihre Stelle.

Haupttreiber dieser Entwicklung ist der Online-Handel, der nicht nur Manor, sondern auch andere Warenhäuser in Bedrängnis bringt. Schon vor der Bekanntgabe der jüngsten Filialschliessung war zudem bekannt geworden, dass Manor Ende Januar das Warenhaus an der Zürcher Bahnhofstrasse aufgeben muss, weil man sich nicht mit der Eigentümerin Swiss Life einigen konnte.

Fast tausend Angestellte in der Zentralschweiz

Sicher ist: Auch die Zentralschweizer Filialen von Manor stehen auf dem Prüfstand. Der «NZZ am Sonntag» sagte Manor-Chef Jérôme Gilg, dass dieses Jahr zwar keine weiteren Filialschliessungen geplant seien. Allerdings gab er auch zu verstehen, dass das Verkaufsnetzwerk jedes Jahr «im Detail geprüft wird». Jede Filiale müsse selbsttragend sein.

Die Warenhauskette beschäftigt in Luzern, Emmen, Ibach, Pfäffikon, Schattdorf und Zug aktuell ungefähr 700 Mitarbeitende. Hinzu kommen weitere rund 250 Mitarbeitende im Verteilzentrum Hochdorf. Schwesterfirmen von Manor sind zudem die Jumbo-Baumärkte sowie das Einkaufszentrum Emmen Center. Alle diese Firmen gehören der verschwiegenen Genfer Maus-Frères-Gruppe, die keine Umsatzzahlen herausgibt. In Bezug auf Manor in der Zentralschweiz sagt eine Sprecherin lediglich: «Alle Standorte werden regelmässig auf Basis von Frequenz, Umsatzentwicklung, Konkurrenzsituation, Lage und Entwicklungsmöglichkeiten sorgfältig analysiert und dem Marktpotenzial inklusive der notwendigen Sachinvestitionen gegenübergestellt.»

Für Branchenkenner sind die Zentralschweizer Manor-Filialen nicht akut gefährdet – auch weil die Besitzerfamilien sehr vermögend sind. Das Logistikzentrum in Hochdorf könnte künftig gar davon profitieren, dass Manor Dutzende Millionen in den Online-Handel investieren will. Bei Manor heisst es dazu etwas zurückhaltend: «Da der Online-­Handel sehr stark wächst, schätzen wir, dass die Verteilzentren nicht negativ betroffen sein ­werden.»

Neben dem vernachlässigten Online-Handel sehen Experten aber auch weitere strategische Fehler, die in der Vergangenheit begangen worden sind. Gotthard F. Wangler ist ein profunder Kenner der Detailhandelsbranche. Der 72-jährige Luzerner sagt: «Das Warenhaus Manor ist weder im Hochpreis- noch im Tiefpreis-Segment positioniert, sondern irgendwo dazwischen. Das ist strategisch immer schwierig, denn man muss sich entscheiden, ob man bei Preiskämpfen mitmacht oder eher auf hochwertige Produkte setzt.» Er kritisiert, dass Manor vor fünf Jahren den Schnäppchentag «Black Friday» in die Schweiz gebracht habe. «Heute ist klar, dass der Black Friday ein Eigentor ist für die ganze Branche», so Wangler.

Was die Stadtluzerner Filiale an der Weggisgasse betrifft, sei der Entscheid vor 24 Jahren, den Food-Bereich in den Solomarkt auszulagern, keine gute Idee gewesen. «Güter des täglichen Bedarfs sind wichtig, um Kunden in die Läden zu locken», sagt Wangler.

Ursprünge in Willisau und Luzern

Die Luzerner Filiale hat für Manor eine besondere Bedeutung. Die Firmengeschichte beginnt zwar Ende des 19. Jahrhunderts in Biel, wo sich die Brüder und Engros-Händler Ernest und Henri Maus mit ihrem Kunden, dem Detailhändler Léon Nordmann, anfreunden. Doch schon kurz darauf orientiert sich die Firma in Richtung Luzern.

Die Nordmann-Filiale an der Luzerner Weggisgasse im Jahr 1960.

Die Nordmann-Filiale an der Luzerner Weggisgasse im Jahr 1960.

Bild: PD

Nordmann eröffnet 1902 zunächst im luzernischen Willisau ein erstes kleines Kaufhaus – weil ihm die Region von seiner Hochzeitsreise in guter Erinnerung geblieben ist. Noch im gleichen Jahr eröffnet die Warenhauskette an der Luzerner Weggisgasse eine Filiale, damals noch unter dem Namen Léon Nordmann. Es gilt als eigentliches Ursprungshaus der heutigen Unternehmensgruppe. In die Romandie zog es die Familien erst später. In den Neunzigerjahren wurde dann aus Nordmann Manor, abgeleitet von den beiden Namen der Gründerfamilien.

Manor entlässt seine Warenhausdirektoren

Die Warenhauskette strafft seine Organisation um 50 Stellen, um Mittel für ihre Onlinehandel frei zu machen – und um den Ausfall der Zürcher Vorzeigefiliale zu kompensieren.
Christian Mensch